Zu teuer geworden

Axa kündigt Verträge zur Unfall-Kombirente

Von Christian Siedenbiedel
 - 18:20

Der Kölner Versicherer Axa kündigt einseitig Verträge für die sogenannte Unfall-Kombirente. Einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hat das Unternehmen im Grundsatz bestätigt, in manchen Details allerdings korrigiert. Die Unfall-Kombirente war ein Unfallversicherungsprodukt des Unternehmens, das von 2006 bis 2010 vertrieben wurde. Es war damals offenbar gedacht als Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Zum einen war es wohl günstiger als die meisten herkömmlichen Berufsunfähigkeitsversicherungen, zum anderen wurden bestimmte Vorerkrankungen offenbar weniger streng abgefragt: Insbesondere Allergien und frühere Sportverletzungen etwa sollen bei der Unfall-Kombirente eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Jetzt aber wird dem Versicherer das Produkt zu teuer. In einem Schreiben von Axa-Vorstand Thierry Daucourt an betroffene Kunden ist die Rede davon, dass die Kosten des Produkts für den Versicherer aufgrund des medizinischen Fortschritts von Jahr zu Jahr erheblich gestiegen seien – hinzu kämen die niedrigen Zinsen: „Dies führt dazu, dass wir unser Leistungsversprechen in diesem Tarif nicht mehr aufrechterhalten können.“

Keine Kündigung des Rentenbezugs

Auf Anfrage führte die Axa aus, sie kündige keineswegs den gesamten Bestand der Unfall-Kombirente. Insgesamt gehe es um 17.861 Verträge, die von dieser Aktion betroffen seien – das betreffe 17.500 Versicherte, weil manche auch mehrere Verträge hätten. Vollständig von der Kündigung ausgenommen sei hingegen die Unfall-Kombirente mit Beitragsrückgewähr, diese Verträge blieben weiter bestehen. Ebenso ausgenommen seien alle Versicherungsnehmer, die im vergangenen Jahr mindestens 58 Jahre alt gewesen seien. Obendrein erfülle der Versicherer „selbstverständlich“ die Verträge von Kunden, die schon ein sogenannter Leistungsfall geworden seien und eine Unfallrente aus der Unfall-Kombirente bezögen, „vertragsgemäß bis an das Lebensende“.

Die Kündigung der Verträge, die der Versicherer als „ultima ratio“ in den Versicherungsbedingungen vorgesehen habe, nutze die Axa nur, wenn der Kunde sich nicht für ein alternatives Produkt entscheide. Eine Möglichkeit für den Wechsel sei die sogenannte Existenzschutzversicherung, die wie die Unfall-Kombirente eine „bezahlbare Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung“ für Kunden darstelle, die sich keine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten könnten oder einer bestimmten Berufsgruppe angehörten, die vom Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ausgenommen seien.

„Seit der Einführung der Unfall-Kombirente vor zwölf Jahren haben sich die Marktbedingungen sehr deutlich verändert“, argumentiert die Axa, „insbesondere im Hinblick auf das weiterhin bestehende Niedrigzinsumfeld sowie den erheblichen medizinischen Fortschritt, der für alle Betroffenen natürlich eine sehr positive Entwicklung darstellt.“ Aufgrund dieser veränderten Bedingungen sowie „mit Blick auf die Verantwortung für das Kollektiv der Versicherungsnehmer“ habe sich der Versicherer entschieden, die Unfall-Kombirente nicht weiterzuführen.

Ersatzprodukt deutlich teurer

Wie die „Süddeutsche“ weiter berichtet, unterscheidet sich das Ersatzangebot der Axa allerdings erheblich von der Unfall-Kombirente. Das Preis-Leistungsverhältnis sei schlechter, und im Notfall erhielten die Kunden nur noch eine Rente bis zum 67. Lebensjahr. Obwohl die Rente also nicht mehr lebenslang laufe, sei das neue Angebot teurer: Sollte die monatliche Rente genauso hoch sein wie im alten Modell, müssten die Kunden beim neuen Vertrag deutlich höhere Beträge zahlen. Wollten sie hingegen nicht mehr für den Schutz ausgeben als bisher, fielen die neuen Renten im Notfall teilweise mehrere Hundert Euro niedriger aus.

Die Stiftung Warentest hatte sich schon vor acht Jahren kritisch zur Unfall-Kombirente geäußert. „Ein interessantes, aber teures Produkt, das nur in schwerwiegenden Fällen Schutz bietet“, war das Fazit eines Testes: „Nur Menschen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen, sollten das Angebot prüfen.“

Fälle, in denen Unternehmen der Finanzindustrie teure alte Verträge aus der Zeit höherer Zinsen loswerden wollten, gab es in letzter Zeit häufiger. So haben viele Bausparkassen Altverträge mit hohen Zinsen gekündigt, bei denen das Bauspardarlehen nicht abgerufen wurde. Es gab auch mehrere Fälle von hoch verzinsten Stufensparverträgen, bei denen das Finanzinstitut einseitig aussteigen wollte.

Und in der Versicherungsbranche gab es viele Fälle, in denen Versicherer ihre Lebensversicherungskunden zumindest zu einer Kündigung alter Verträge animieren wollten. Die Axa legt allerdings Wert darauf, dass es sich bei der Unfall-Kombirente nicht um eine Rentenversicherung aus der Vorsorgesparte handele, sondern um ein Produkt der Unfallversicherung, das zur Einkommensabsicherung bei Erwerbsunfähigkeit konzipiert worden sei.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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