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Beitragsfreie Verträge

Vertrauen in Lebensversicherungen sinkt

Von Philipp Krohn
 - 20:22
Wer kein Geld mehr hat, sollte seine Lebensversicherung auf beitragsfrei stellen. Denn eine Stornierung bringt hohe Verluste mit sich. Bild: Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Manch eine Entwicklung verläuft so schleichend, dass man sie leicht übersehen kann. So steigt beispielsweise Jahr für Jahr der Anteil der Lebensversicherungen, die von ihren Kunden nicht mehr durch frische Beiträge bedient werden. Im Branchenjargon heißen sie beitragsfreie Policen. Selbst Versicherer raten ihren Kunden, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen, wenn sie in Zahlungsschwierigkeiten sind. Denn durch eine Stornierung drohen ihnen handfeste Verluste.

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Die Botschaft der Anbieter ist angekommen: Der Anteil beitragsfreier Lebensversicherungen ist im Jahr 2016 auf 27,2 Prozent gestiegen. Vor zehn Jahren lag er noch bei 20,9 Prozent, wie die Bilanzanalyse Lebensversicherung des Branchendienstes Map-Report zeigt. Die Stornoquote ist mit 2,83 Prozent im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten gefallen. Vor zehn Jahren erreichte dieser Wert noch 3,83 Prozent. Dennoch sind Zweifel am Vertrauen deutscher Kunden in ihre Lebensversicherung berechtigt.

Kunden trennen sich von Verträgen

Ein Indiz dafür ist das Ankaufsvolumen von Investoren auf dem Lebensversicherungs-Zweitmarkt, das sich im Jahr 2016 um 50 Prozent erhöht hat. Das lässt zwei Schlüsse zu: Es zeigt, dass einerseits Investoren, die Policen weiterlaufen lassen und bessere Renditen erzielen, indem sie Verträge optimieren, wieder ein größeres Interesse an Lebensversicherungen haben und diese mithin aus professioneller Sicht wieder attraktiver erscheinen. Andererseits belegt es den zunehmenden Wunsch der Kunden, sich von Verträgen zu trennen – und wenigstens etwas mehr als den Rückkaufswert zurückzuerhalten.

Mehrere Jahre lang lag das Ankaufsvolumen unter 200 Milliarden Euro, auch weil es rechtliche Unsicherheit gab, ob Bewertungsreserven an Kunden ausgeschüttet werden müssen oder nicht. Im vergangenen Jahr stieg der Wert nun von 175 auf 275 Millionen Euro. „Wir sehen in dieser Steigerung ein klares Indiz dafür, dass das Umfeld für den deutschen Lebensversicherungs-Zweitmarkt wieder positiv ist“, sagte Ingo Wichelhaus, Vorstand national beim Bundesverband, als er die Jahreszahlen vorstellte.

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Branchengrößen liegen im Durchschnitt

Ein Blick auf die Zahlen der einzelnen Unternehmen ist interessant, denn er kann Hinweise darauf geben, inwieweit der Rat von Vermittlern, in eine Lebensversicherung zu investieren, bedarfsgerecht gewesen ist. Unter den zehn Versicherern mit dem niedrigsten Anteil beitragsfrei gestellter Verträge finden sich einige kleine Spezialversicherer wie die Deutsche Ärzteversicherung und gleich vier Direktversicherer – darunter der Spitzenreiter Europa, dazu auf Platz 3 und 4 die Ergo Direkt und die Delta Direkt sowie auf Platz 8 die Hansemerkur 24. Bei ihnen informieren sich die Kunden ohne Vermittler über das Angebot. Es scheint so, dass sie genauer wissen, was sie brauchen und sie nicht unter dem Einfluss provisionsorientierter Vermittler stehen.

Viele Branchengrößen dagegen liegen eher auf dem Branchendurchschnitt oder darüber: Marktführer Allianz kommt auf 30 Prozent beitragsfreie Verträge (Platz 58 von 86), die Zurich liegt mit 27,3 Prozent acht Plätze besser. Die Generali (Platz 63) und die Ergo (Platz 70) weisen noch höhere Quoten aus, die Axa, zu der auch die Deutsche Ärzteversicherung gehört (Platz 36), die R+V (Platz 29) und die Debeka (Platz 18 entspricht einer Quote von 14,6 Prozent) schneiden deutlich besser als der Durchschnitt ab.

Erschreckend hoch ist der Anteil beitragsfreier Verträge bei Kollektivversicherungen, obwohl er von 41,3 Prozent auf 40,4 Prozent leicht zurückging. Vier von zehn Kunden glauben also, dass sich zum Beispiel ihr Sparvertrag über den Betrieb nicht lohnt. Rentenversicherungen (27,2 Prozent), Kapitallebensversicherungen (25,3 Prozent) und fondsgebundene Verträge (22,9 Prozent) liegen im Durchschnitt. Risikolebensversicherungen, die deutlich niedrigere Durchschnittsbeiträge haben, werden nur in 15,7 Prozent der Fälle beitragsfrei gestellt.

Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft.
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