FAZ plus ArtikelFinanzaufsicht alarmiert

Wie gefährdet sind deutsche Betriebsrenten?

Von Philipp Krohn
 - 13:34

Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland ist in einer schwierigen Lage: Durch das neue Sozialpartnermodell wollte der Gesetzgeber eine neue Dynamik für mehr Versorgungssysteme entfachen. Doch die Einbindung von Gewerkschaften und Arbeitgebern ist so kompliziert, dass neue Abschlüsse auf sich warten lassen. Gleichzeitig ringen bestehende Pensionskassen um die eigene Existenz. Ihren Zustand beschrieb Frank Grund, Exekutivdirektor der Finanzaufsicht Bafin, am Donnerstag mit den Worten: „Die Lage ist heute noch ernster als vor zwei Jahren. Und wenn die Zinsen auf dem aktuellen Niveau sind, wird sie sich noch weiter verschärfen.“

Um welche Einrichtungen geht es eigentlich? Die betriebliche Altersversorgung wird in Deutschland zur Hälfte von den Arbeitgebern durch Direktzusagen an ihre Beschäftigten gestellt. Das waren im Jahr 2015 rund 7,8 Millionen Menschen. Pensionskassen sind mit 26,5 Prozent aller Deckungsmittel, 7,8 Millionen Anwärtern und 1,3 Millionen Rentnern die zweitgrößte Gruppe vor Direktversicherungen, Unterstützungskassen und Pensionsfonds. Diese und die Pensionskassen werden von der Bafin beaufsichtigt, Direktzusagen sind durch den Pensionssicherungsverein abgesichert. All diese Formen betrieblichen Sparens unterscheiden sich von den Zusatzversorgungswerken öffentlicher Institutionen, die auf ein Mischsystem aus Umlage- und Kapitalfinanzierung setzen. Dieses Mischprinzip findet sich auch in den Versorgungswerken der freien Berufe (Ärzte, Apotheker, Architekten), die keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben. Je stärker sie auf Kapitalanlage setzen und je höhere Versprechen sie ihren Anwärtern gegeben haben, desto gravierender sind ihre aktuellen Probleme.

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Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft.
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