Sparkassen-Check

Diese Sparkassenchefs bekommen die hohen Boni

Von Jonathan Sachse, Simon Wörpel und Hanno Mußler
 - 12:12

Für die Sparkassen in NRW sind die Spielregeln eigentlich klar: Kein Vorstand sollte eine Prämie erhalten, die höher liegt als 15 Prozent seines Festgehaltes. Das haben die beiden Sparkassenverbände in NRW festgelegt. Trotzdem hielten sich sieben Vorstände im Jahr 2014 nicht an diese Richtlinie – und kassierten zum Teil deutlich mehr. In Hessen lag sogar der Bonus von fast jedem dritten Sparkassenchef über diesem Richtwert.

Die Sparkasse Köln-Bonn hat ihrem kompletten Vorstand einen Bonus von gut 22 Prozent genehmigt. Der Vorsitzende Artur Grzesiek bekam neben einem Festgehalt von 590.600 Euro im Jahr 2013 noch weitere 137.500 Euro als Prämie ausgezahlt. Das sind fast 50.000 Euro mehr, als die beiden Sparkassenverbände in NRW als Richtwert festgeschrieben haben.

Direkt nebenan, in Leverkusen, erhielt der ehemalige Chef Manfred Herpolsheimer satte 26 Prozent seines Festgehaltes als Bonus. Macht 2014 allein 103.000 Euro zusätzlich – 42.000 Euro mehr als vorgesehen. Nach einem Streit ist der Vertrag von Herpolsheimer im April 2016 vorzeitig aufgelöst worden. Eigentlich hätte er noch bis September 2019 bleiben sollen. Die Abfindung ist nicht bekannt.

Die Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer-Menden bezahlte ihrem Vorsitzenden einen Bonus von 23 Prozent. Dietmar Tacke, schon seit 1999 im Vorstand, bekam 62.000 als Prämie. Der Betrag liegt 22.000 Euro über dem vorgesehenen Grenzwert.

Die Stadtsparkasse Haltern am See zählt mit rund 100 Mitarbeitern zu den kleinsten Sparkassen in Deutschland. Dementsprechend ist das Gehalt der Vorstände vergleichsweise überschaubar. Im Vorstand sitzt Jutta Kuhn, die für ihre Arbeit im Jahr 2013 113.000 Euro bekam. Der Bonus von 23.000 Euro entspricht einem Fünftel Ihres Grundgehaltes. Das sind 6.050 Euro mehr als die beiden Sparkassen-Verbände in NRW empfehlen.

Wie werden die Boni festgelegt?

Dazu muss man wissen: Die Richtlinien der nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände sind nicht verbindlich. Das Aufsichtsgremium einer Sparkasse, der Verwaltungsrat, hat am Ende das finale Wort. Die Lokalpolitiker entscheiden über das Gehalt. Nach welchen Kriterien entscheiden die Politiker?

Für die Sparkasse Märkisches Sauerland war 2013 ein schwieriges Jahr. Sie hielt knapp die schwarze Null und machte nur 120.000 Euro Gewinn. Im Folgejahr waren fast 5 Prozent aller Unternehmenskredite notleidend. Ein schlechter Wert im Vergleich mit anderen Sparkassen. Den Vorständen könne dennoch „eine Leistzungszulage von bis zu 25 Prozent des Grundgehaltes gewährt werden“, sagt Christian Wingendorf, Sprecher der Sparkasse Märkisches Sauerland. Dafür zahle die Sparkasse geringere feste Bezüge als vom Verband empfohlen. Diese geringen Bezüge gleiche man durch eine höhere variable Vergütung aus.

Welche konkreten Ziele Vorstand Dietmar Tacke für seine 23 Prozent Bonus erreichen musste, beantwortet der Sprecher nicht. Der Jahresgewinn scheint bei der Bewertung aber offenbar keine Rolle zu spielen.

Vorsichtige Planung – hoher Bonus

Anderswo können Sparkassenvorstände weitgehend eigenständig „planen“, auch weil viele Kommunalpolitikern im Verwaltungsrat bei der Bewertung der wirtschaftlichen Lage überfordert sind. Das nutzen Sparkassenvorstände offenbar aus. Dem Vernehmen nach planen viele Sparkassenvorstände gerne vorsichtig, legen sich die Latte also bewusst niedrig, um sie dann zu überspringen. Dafür gibt es Bonus.

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„Ein Teil der Vorstandsvergütung kann durchaus variabel bezahlt werden“, sagt Ralf Witzel. Der NRW-Landtagsabgeordnete ist finanzpolitischer Sprecher der FDP. Es müsse dann aber auch Jahre geben, in denen kein Bonus gezahlt wird. Witzel meint, es sei unter den Sparkassen schon fast ungewöhnlich, wenn „ein Bonus nicht automatisch das Festgehalt aufstockt“.

Sind die Ziele für die Boni zu leicht erreichbar?

Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Börschel leitet den Verwaltungsrat der Sparkasse Köln-Bonn. Er verteidigt die hohen Boni. Schließlich sei andererseits das Festgehalt niedriger als in den Verbandsempfehlungen vorgesehen. Der Bonus unterliege einer dreijährigen Nachhaltigkeitskomponente, sagt Börschel. „Die vollständige Auszahlung der Leistungszulage erfolgt daher auch nur bei nachhaltigem Erfolg der Sparkasse Köln-Bonn.“

Den hohen Bonus der Leverkusener Sparkasse habe der damalige Chef, Manfred Herpolsheimer, für sich mit dem Verwaltungsrat verhandelt, schreibt Benjamin Rörig, Sprecher der Sparkasse. Die Prämie von 26 Prozent würde durch wirtschaftliche Faktoren errechnet wie „Bewertung im Kreditgeschäft, Entwicklung Jahresüberschuss, die individuelle Leistung sowie die Zielerreichung der Mitarbeiter“.

„Eine zusätzliche Leistungszulage für den Vertriebsvorstand der Sparkasse hielt der Verwaltungsrat für sinnvoll“, schreibt der Sprecher der Stadtsparkasse Haltern am See.

Boni sind eine zweischneidige Sache

Das Problem mit Bonuszahlungen: Die hohen Sonderzahlungen waren ein Grund für die letzte Finanzkrise. Mitten in der Krise wurden 2007 an der Wall Street Prämien von 33 Milliarden Dollar gezahlt. Ein Rekordwert. Wenn eine Bank seine Manager mit hohen Boni lockt, wird dieser verleitet ein höheres Risiko einzugehen. Er könnte eigene Interesse verfolgen, die ihm kurzfristig Geld bringen, aber der Bank langfristig schaden.

Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon hat diese kurzfristige Art der Gewinnmaximierung oft gegeißelt und die Sparkassen als Gewinner der Finanzkrise positioniert, weil sie angeblich anders seien: Kunden- und Gemeinwohl-orientiert. Doch hohe Boni können auch Sparkassenvorstände verführen, etwa Kredite zu leichtsinnig zu vergeben. Obwohl die Bonuszahlungen der Sparkassen deutlich unter den Summen an der Wall Street liegen: Wenn ein Vorstand heute viele Kreditabschlüsse vorantreibt, bekommt er tendenziell hohe Boni. Und wenn diese Kredite fünf Jahre später platzen, zahlt nur noch die Bank.

Die Kriterien sind nicht immer transparent

Die meisten Sparkassenverbände wollen nicht mitteilen, nach welchen Kriterien die Gehälter der Sparkasse abgesteckt werden. Neben NRW gibt nur Rheinland Pfalz bekannt, wo die Grenze für flexible Vergütungen liegt. Die Sparkassen haben dort deutlich mehr Luft und dürfen ihren Vorständen immerhin maximal 25 Prozent an Prämien auszahlen. In Berlin, Bremen und Hamburg existieren keine Richtlinien. Alle anderen Sparkassenverbände haben auf Anfragen die Auskunft verweigert.

Auch der Sparkassenverband Hessen-Thüringen schweigt und verweist auf „interne Richtlinien“. Auffällig ist in Hessen: Die Bonusanteile sind deutlich höher als bei den Sparkassen in NRW. Gleich 32 Sparkassenvorstände bekommen eine Prämie von mehr als 15 Prozent. Davon bewegen sich die Boni von 28 Vorständen bis an die 20 Prozent Grenze.

Ein Sonderfall: Die Frankfurter Sparkasse

Eine Ausnahme ist der vierköpfige Vorstand der Frankfurter Sparkasse mit Bonuszahlungen zwischen 55 und 68 Prozent. Die Trägerstruktur unterscheidet sich in Frankfurt von anderen Kreditinstituten, da die Sparkasse eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen ist. Die Landesbank gehört zu gut zwei Dritteln dem Sparkassenverband Hessen-Thüringen. Wenn die Vorstände in Frankfurt am Main zu hohes Risiko eingehen, kann das den Dachverband treffen, zu dem 50 Sparkassen gehören. Die Vorstände der Frankfurter Sparkasse tragen verglichen mit den meisten anderen Sparkassen mehr Verantwortung. Aber rechtfertigt das die hohen Prämien?

Die vertraglichen Details für die Prämien möchte Julia Dröge nicht verraten. Sie ist Presssprecherin der Frankfurter Sparkasse. Dröge nennt nur allgemeine Kriterien, wie die Bilanzsumme, „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ oder „Dienstjahre“ der Vorstände.

Die Frankfurter Sparkassen-Vorstände verdienen so viel, wie sonst nur Manager von Privatbanken bekommen. Diese Großbanken sind in den vergangenen Jahren immer wieder dafür kritisiert worden, dass der Bonusanteil in ihren Häusern zu hoch sei. Die Manager würden zu viel Risiko eingehen, um einen möglichst hohen Bonus zu erreichen. Seit 2014 gilt deswegen ein Bonusdeckel der Europäischen Union, der festschreibt, dass die Prämie nur mit Sondergenehmigung höher als das Grundgehalt ausfallen darf. Auch die Frankfurter Sparkasse liegt unter diesem Bonusdeckel.

In einer neuen Datenbank von correctiv.org und F.A.Z. finden sich hunderte Gehälter von Vorständen aus 134 Sparkassen. Die Daten haben Journalisten gemeinsam mit Leserinnen und Lesern über Monate aus den Jahresberichten der Sparkassen zusammengetragen. Diese Zahlen gehören zu einer großen Datenauswertung aller Sparkassen in Deutschland. Zuvor hatten correctiv.org und FAZ bereits die faulen Kredite sowie die Dispo- und die Guthabenzinsen von öffentlich-rechtlichen Sparkassen ausgewertet.

Mittlerweile veröffentlicht fast jede dritte Sparkasse ihre Vorstandgehälter. Im Jahr 2014 hatten 134 der damals noch 417 Sparkassen (jetzt 409) ihre Gehälter veröffentlicht. In NRW sind es 102 von 105 Sparkassen, in Hessen 30 von 34. Dazu veröffentlichen die Sparkassen in München und Berlin ihre Gehälter. Seit wenigen Wochen veröffentlichen auch die zehn öffentlich-rechtlichen Sparkassen in Schleswig Holstein ihre Bezüge. Von den übrigen, schweigenden Sparkassen veröffentlicht rund die Hälfte zumindest das Gesamtgehalt aller Vorstände.

Der Sparkassen-Check ist eine Kooperation mit dem Recherchezentrum Correctiv.org. Die Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Ihr Anspruch: In monatelanger Recherche Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten. Wenn Sie Correctiv unterstützen möchten, werden Sie Fördermitglied. Informationen finden Sie unter correctiv.org

Quelle: FAZ.NET
Hanno  Mußler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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