Sparkassen-Zinsvergleich

Sparkassen in Bayern zahlen geringste Zinsen

Von Hanno Mußler
 - 17:29
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Sparkasse und Sparen, das gehört zusammen wie Brotaufstrich und Brot. Das rote Markenzeichen der Sparkassen symbolisiert als „verfremdetes S mit Punkt“ eine Spardose, in die eine Münze fällt. Und auf dem Sparbuch der Sparkassen legen schon Grundschüler einen Teil des Taschengeldes für spätere Anschaffungen zurück.

Gerne dürfen auch die Großeltern darauf einzahlen, etwa wenn das Schulzeugnis gut ausgefallen ist. Die Zinsen auf das Sparbuch waren selten üppig, aber so tief wie jetzt waren sie noch nie. Am schlechtesten dran sind Kunden der Sparkasse im niedersächsischen Walsrode und im bayerischen Rothenburg. Sie erhalten mit 0,001 und 0,005 Zins nur noch eine eher symbolische Verzinsung für Spareinlagen mit drei Monaten Kündigungsfrist. Dies geht aus Informationen wie dem Preisaushang im Internet hervor, die Leser von Sparkassen aus der ganzen Republik zusammen getragen haben.

Demnach zahlt ein gutes Viertel aller 391 so untersuchten Sparkassen nur noch 0,01 Prozent Zins auf das Sparbuch. Dagegen bietet die Sparkasse Bochum von allen Sparkassen bundesweit mit 0,25 Prozent am meisten. Doch auch damit kommt man nicht weit. In 24 Jahren Anlagedauer erhöht sich ein Sparbetrag um weniger als 7 Prozent. Vor der Finanzkrise, als Zinsen von 3 Prozent noch üblich waren, verdoppelte sich ein Sparguthaben in 24 Jahren.

Auslöser der Sparermisere ist die Europäische Zentralbank. Sie drückt die Zinsen immer tiefer. Seit Dezember müssen Banken und Sparkassen auf Spareinlagen bei der Notenbank einen negativen Zins („Guthabengebühr“ oder besser „Strafzins“ genannt) von minus 0,3 Prozent entrichten. Damit gerät das Geschäftsmodell der Sparkassen ins Wanken. Denn sie müssten, um gut zu verdienen, wiederum von ihren Kunden auch negative Zinsen verlangen, wie es etwa die Commerzbank schon von Unternehmen tut. Doch die Sparkassen werden möglichst lange versuchen, negative Zinsen für ihre Kunden zu vermeiden, um ihr Image als gemeinwohlorientierte Kreditinstitute nicht zu gefährden. Damit schnurrt ihre Zinsmarge zusammen, ohne dass sie ihre Kunden tatsächlich zufrieden stellen dürften.

Wie der erste bundesweite Zins-Vergleich unter Sparkassen zeigt, zahlen viele der kommunal getragenen Kreditinstitute für das Geld auf dem Sparbuch nur noch Mini-Zinsen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Recherchezentrum Correctiv hatten im November ihre Leser dazu aufgerufen, Daten der Sparkassen zu sammeln.

477 Bürger haben sich zwischen November und Februar im Internet beteiligt. Als erstes Ergebnis lassen die von Lesern fotografierten Preisaushänge in Filialen sowie weitere Recherchen und Überprüfungen etwa im Internet nun einen Zinsvergleich von 390 der insgesamt 410 deutschen Sparkassen zu, wie er bisher für die Öffentlichkeit in dieser Tiefe nicht zur Verfügung stand.

Überproportional in dieser Gruppe schlecht zahlender Sparkassen sind Institute im strukturschwachen Schleswig-Holstein, aber auch im relativ reichen Bayern vertreten. Nur 0,01 Prozent Zins auf das Sparbuch zahlen 8 von 13 schleswig-holsteinischen und 28 von 71 bayerischen Sparkassen. Darunter sind nicht nur Sparkassen im vermeintlich von Konkurrenten kaum bedienten ländlichen Raum, sondern auch die Sparkassen in München und Nürnberg.

Dagegen zahlen nach Bochum die vier Sparkassen im nordrhein-westfälischen Remscheid, in Hamburg, in Rhein-Haardt (Rheinland-Pfalz) und Erding-Dorfen (Bayern) mit 0,15 Prozent am besten. Auf der nachstehenden Landkarte lassen sich die Zinsen jeder der 410 deutschen Sparkassen abrufen – mit Ausnahme der 20 Sparkassen, die ihre Preislisten auch auf Nachfrage von Kunden oder Journalisten nicht preisgaben. Die Sparbuchzinsen finden sich unter Spareinlagen.

Der Vergleich von Correctiv und dieser Zeitung zeigt auch erhebliche Unterschiede zwischen den Sparkassen bei denjenigen Zinsen, welche die Institute verlangen, wenn ein Kunde sein Girokonto im Rahmen des Vereinbarten überzieht („Dispo“) und darüber hinaus ins Minus gerät („Überziehungszins“). Den höchsten Dispokreditzins verlangt die Sparkasse Scheeßel (Niedersachsen) mit 12,75 Prozent, am günstigsten ist die Sparkasse Holstein mit 5,71 Prozent.

Allerdings gehört diese Sparkasse aus Bad Oldesloe/Eutin auch zu denen, die mit 0,01 Prozent Guthabenzins auf das Sparbuch mit am wenigsten zahlen. Die Sparkasse im thüringischen Jena-Saale-Holzland hingegen unterscheidet nicht Dispo- und Überziehungskreditzins. Ihr Überziehungszins von 6,85 Prozent ist von allen Sparkassen am günstigsten. Allerdings zahlt auch diese Sparkasse nur 0,01 Prozent Guthabenzins auf das Sparbuch.

Noch größer klaffen Guthabenzinsen und Dispo- beziehungsweise Überziehungszinsen bei einigen bayerischen Sparkassen auseinander: Die Sparkasse Rothenburg, die das Geld auf dem Sparbuch lediglich mit 0,005 Prozent Zins und damit bundesweit am zweitschlechtesten vergütet, langt für den Dispo-Kredit mit 12,453 Prozent besonders kräftig hin.

Von allen Sparkassenkunden in Deutschland müssen die der Sparkasse im niedersächsischen Scheeßel am meisten aufbringen, wenn sie einen Dispo-Zins benötigen. Dann werden 12,75 Prozent fällig. Bei nicht vereinbarter Überziehung verlangt die Kreissparkasse Mittelsachsen sogar 18,330 Prozent, die Sparkasse im baden-württembergischen Staufen-Breisach 18 Prozent. Zehn weitere Sparkassen, darunter vier aus Nordrhein-Westfalen, verlangen für die nicht vereinbarte Kontoüberziehung mehr als 17 Prozent, während sie die Guthaben auf dem Girokonto gar nicht und die Guthaben auf dem Sparbuch mit maximal 0,1 Prozent verzinsen.

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Die Sparkassenverbände rechtfertigen die Zinsspanne zwischen Kredit- und Einlagezinsen mit den hohen Kosten für Filialen und Mitarbeiter der Sparkassen, die mit dem erwirtschafteten Zinsüberschuss finanziert werden müssen. Außerdem haben die meisten Sparkassen einen Einlagenüberschuss, sie haben also mehr Geld von Sparern erhalten als sie an Krediten vergeben haben. Besonders schwach ist die Kreditnachfrage in Ostdeutschland. Die 45 Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt müssen deshalb zwei von drei Euro an Kundeneinlagen bei der Zentralbank oder am Kapitalmarkt anlegen.

Die Bankenaufsicht schreibt für dieses „Depot-A“ einen hohen Anteil an liquiden Wertpapieren vor. In Deutschland weisen inzwischen alle Laufzeiten von Bundeswertpapieren bis einschließlich 8 Jahren negative Renditen auf. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen befindet sich mit 0,12 Prozentpunkten nur noch knapp über der Nulllinie. Damit schrumpft die Zinsmarge erheblich: Schließlich sind die Zinseinnahmen der Sparkassen eine Mischung aus den sicherlich am höchsten verzinsten Überziehungs- und Dispokrediten, aber auch den in der Regel weniger hoch verzinsten Raten-, Hypotheken- und Firmenkrediten sowie den oft negativ verzinsten Wertpapieranlagen.

Weil gerade in früheren Jahren höher verzinste Wertpapieranlagen bald fällig werden und nur zu deutlich niedrigeren Zinsen angelegt werden können, stehen die Zinsmargen aller Kreditinstitute in Deutschland in den nächsten Jahren unter Druck. In Hessen sollen die Sparkassen deshalb ihre Anlagen im Depot A verringern und vor allem das Konsumentenkreditgeschäft forcieren.

Das aber wird nur begrenzt helfen. Die Sparkassen mit ihrem großen Filialnetz und auch die VR-Banken werden sich schwer tun, in den nächsten Jahren die Kosten aus der Marge von Kreditzinseinnahmen einerseits und Zinsaufwendungen für Guthaben anderseits zu erwirtschaften. Deshalb muss man kein Prophet sein: Die Zinsen auf das Sparbuch werden niedrig bleiben, eher noch sinken und vielleicht mancherorts doch ins Minus rutschen. Das würde den Kunden eine noch schlechtere Rendite bringen als das Geld in der Spardose.

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Sparkassen in Bayern zahlen die geringsten Zinsen

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Quelle: F.A.Z.
Hanno  Mußler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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