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Diese Sparkassen haben die meisten faulen Kredite

Von Hanno Mußler und Jonathan Sachse
 - 18:19
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Ein Großteil der Sparkassen in Deutschland leidet derzeit nicht unter einem Übermaß an faulen Krediten. Der durchschnittliche Anteil fauler Kredite lag im Jahr 2014 bei 1,62 Prozent. Damit stehen die Sparkassen bundesweit gut da. Im selben Jahr hatten alle deutschen Banken eine durchschnittliche Quote von 2,34 Prozent, gibt die Bundesbank an.

Doch ausgerechnet zwischen den zwei reichsten Bundesländern klafft die größte Schere: In Bayern sieht die Quote von allen Sparkassen am besten aus. Nur 0,68 Prozent der Kredite drohen zu platzen. Anders in Baden-Württemberg: Dort liegt der durchschnittliche Anteil fauler Kredite bei 2,34 Prozent. Das ist exakt der Bundesbank-Schnitt, aber gleichzeitig ein negativer Spitzenwert unter den Sparkassen. Das ist unerwartet, steht doch die Wirtschaft Baden-Württembergs bundesweit an der Spitze.

Das Recherchezentrum correctiv.org und die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben zum ersten Mal die faulen Kredite für alle 409 Sparkassen in Deutschland ausgewertet. Hat eine Bank viele faule Kredite, ist das ein Indiz dafür, dass sie bei der Kreditvergabe ein hohes Risiko eingeht. Als faul gelten Kredite, bei denen sich ein Schuldner mehr als 90 aufeinanderfolgende Tage nicht an Absprachen hält, indem er zum Beispiel eine Rate länger nicht überweist.

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Unter den zehn Sparkassen mit den höchsten Quoten fauler Kredite (NPL-Quote) liegen drei Sparkassen in Baden-Württemberg. Mit 7,84 Prozent führt die badische Sparkasse St. Blasien die Negativtabelle an (siehe Grafik). Unter den zehn Sparkassen mit der niedrigsten Quote liegen neun in Bayern.

Was sagen diese großen Unterschiede aus? Eine hohe NPL-Quote könne auf besondere Vorsicht hinweisen, schreibt Stephan Schorn, Sprecher des baden-württembergischen Sparkassenverbandes. Die Institute in Baden-Württemberg seien gut aufgestellt. „Ein Kreditinstitut kann eine ganz niedrige NPL-Quote haben, weil man dort nur die absolut zwingend vorgeschriebenen Wertberichtigungen bildet.“ Für mehr fehle vielleicht das Kapital.

Mit seiner Aussage rückt Schorn die Bundesländer in den Fokus, deren Sparkassen auffällig niedrige NPL-Quoten haben, wie es etwa in Bayern der Fall ist. Möchten sich die Sparkassen im Freistaat nicht mehr faule Kredite leisten? Gilt in Bayern ein niedrigerer Maßstab bei der Kreditbewertung als im Nachbarland? Diesen Vorwurf möchte der bayerische Sparkassenverband nicht kommentieren.

„Wer viel abschreibt, muss den Aufsichtsgremien nicht zu viel Gewinn auf die Nase binden“

Dabei sind die regionalen Sparkassenverbände die richtigen Ansprechpartner für Fragen nach der Kreditbewertung. Denn bei ihnen sind die Wirtschaftsprüfer angesiedelt, die die Bilanzen der Sparkassen testieren. Bei der Bewertung von Krediten gibt es nach dem Handelsgesetzbuch Spielräume, die von jedem Unternehmen genutzt werden. Aber diese Bewertungsspielräume sind begrenzt und wirken in beide Richtungen. So kann eine kapitalschwache Sparkasse ein Stück weit Abschreibungen auf heute schon wacklige Kredite auf spätere Jahre verschieben. Und es kann umgekehrt eine Sparkasse in einem Jahr, in dem ihre Geschäfte richtig gut laufen, eher mehr faule Kredite ausweisen und so den steuerpflichtigen Jahresgewinn drücken.

„Wer viel abschreibt, muss den Aufsichtsgremien nicht zu viel Gewinn auf die Nase binden“, sagt Hans-Peter Burghof. An der Uni Hohenheim leitet er den Lehrstuhl für Bankwirtschaft. Am Ende eines Jahres entscheiden die Städte und Gemeinden als Träger der Sparkassen darüber, welcher Anteil des Gewinns der Kommune zu Gute kommt. Je weniger Gewinn eine Sparkasse macht, desto weniger muss sie abgeben.

„Die NPL-Quote ist eine wichtige Information“, sagt Burghof. Für ihn sei aber immer der Kontext wichtig, in dem sich die Sparkasse bewegt. Man sollte die NPL-Quote also nicht allein betrachten. Mit seinem Lehrstuhl hat Burghof die zusammengetragenen Daten einem Faktencheck unterworfen, bevor correctiv.org und diese Zeitung die Daten analysiert haben. Burghof meint: „Eine gute Bank tut sich leichter einen Kredit als riskant einzustufen als eine Bank, die schon Probleme hat. Problematisch wird aber eine hohe NPL-Quote, wenn die Sparkasse gleichzeitig eine geringe Ertragskraft hat.“

Genau damit kämpft die Sparkasse Schönau-Todtnau im Schwarzwald. 7 Prozent ihrer Unternehmenskredite sind faul. Jeder zehnte Privatkredit droht zu platzen. Aber die kleine Sparkasse ist nicht nur großes Risiko mit ihren Krediten eingegangen, sie macht auch kaum noch Gewinn. Zuletzt standen unter dem Strich gerade einmal 708.050 Euro. So gering war der Überschuss, dass die Träger der Sparkasse davon keinen einzigen Euro bekamen. Dazu kommt, dass Schönau-Todtnau für schlechte Zeiten kaum gerüstet scheint. Die Gesamtkapitalquote betrug nur 11,03 Prozent. Die Quote liegt gerade einmal drei Prozent über der durch Basel III geforderten Mindestquote von 8 Prozent. Das ist ein Negativ-Wert unter den Sparkassen. Im Jahr 2014 lag die Gesamtkapitalquote bei durchschnittlich 16,6 Prozent. Die Sparkasse Schönau-Todtnau wollte die eigene Situation nicht kommentieren.

Anders reagiert die nur rund 100 Kilometer entfernte Kreissparkasse Tuttlingen. Die NPL-Quote von 6,47 Prozent sei ein Ausdruck „aktiver Kreditpolitik“, antwortet Sprecher Christian Mayer. Im wirtschaftsstarken Landkreis Tuttlingen gehöre es zum öffentlichen Auftrag der Sparkassen, alle Bevölkerungskreise, insbesondere den Mittelstand, zu versorgen. Im Vergleich zu anderen Sparkassen würde Tuttlingen mehr Firmenkredite vergeben und hätte dadurch „deutlich höhere Risiken“ als andere Sparkassen, sagt Mayer.

Indikatoren für alle Sparkassen in Deutschland

Tatsächlich zeigt unsere Auswertung, dass die Kreissparkasse Tuttlingen im Vergleich zu den meisten anderen Sparkassen einen größeren Anteil ihrer Kredite an Unternehmen vergibt, nämlich fast jeden zweiten. Die Sparkasse erwirtschaftet auch viel Gewinn. Dem Fond für allgemeine Bankrisiken wurde 2014 ein Beitrag von 19,5 Millionen Euro zugeführt. Danach blieb noch ein Gewinn von 7,1 Millionen Euro. Unserer Auswertung zeigt aber auch, dass von dem Gewinn kein Cent an den Landkreis ausgeschüttet wurde. Die Gesamtkapitalquote von 13,5 Prozent liegt rund drei Prozent unter dem Sparkassen-Durchschnitt. Sprecher Mayer antwortet auf die Frage, ob Risiko und Ertrag in angemessenem Verhältnis stünden: „Wir haben in den letzten Jahren die Steuerung der mit Krediten verbundenen Risiken verfeinert.“

In der neuen Datenbank von Correctiv und Frankfurter Allgemeiner Zeitung finden sich diese Indikatoren für alle Sparkassen in Deutschland. Die Daten haben Journalisten gemeinsam mit Lesern über Monate aus den Offenlegungsberichten der Sparkassen zusammengetragen. Diese Berichte enthalten detaillierte Angaben zu den Risiken und stehen auf der Internetseite jeder Sparkasse öffentlich. Nach einer Auswertung der Dispo- und der Guthabenzinsen ist das die dritte große Datenauswertung zu öffentlich-rechtlichen Sparkassen.

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Ende 2015 hatten alle Sparkassen Kredite über 745 Milliarden Euro vergeben, so viel wie keine Bankengruppe in Deutschland. Ihr Dachverband ermutigt die Sparkassen, noch mehr Kredite zu vergeben. Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon ließ in einem Gespräch mit dieser Zeitung durchblicken, dass sich seiner Meinung nach in der Vergangenheit zu viele Sparkassen damit begnügt haben, die Spareinlagen der Kunden in Wertpapiere am Kapitalmarkt zu stecken anstatt – wie anscheinend die wackere Sparkasse in Tuttlingen – rege Kredite vor Ort zu vergeben.

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„Sparkassen sollten noch mehr Kredite vergeben. Denn etwa mit Bau- und Unternehmensfinanzierungen ist ordentliches und ertragreiches Geschäft zu machen, und es passt auch besser zu den Sparkassen“, sagt Fahrenschon. Allerdings ist das nicht ungefährlich, denn die Konjunktur in Deutschland wird irgendwann kippen. Dann könnten Unternehmensinsolvenzen zunehmen und Kreditausfälle steigen. Doch wegen der momentan guten Konjunktur haben die 409 Sparkassen insgesamt betrachtet 2015 sogar einen Teil ihres für Kreditausfälle zurückgelegten Reservepolsters abgetragen. 200 Millionen Euro hatten sie „zu viel“ für faule Kredite eingeplant. Diese Risikovorsorge konnten sie 2015 zugunsten des Gewinns auflösen. „Das wird ein Sonderfall bleiben“, sagt Fahrenschon.

Seit Jahresbeginn 2015 haben sieben Sparkassen fusioniert. Die Daten in unserer Auswertung legen nahe, dass selten eine mit relativ vielen faulen Krediten beladene Sparkasse mit einer stärkeren Sparkasse zusammenging. Vielmehr scheinen auch die gerade diskutierten Fusionen zwischen mehreren Sparkassen rund um Ingolstadt und Hildesheim eher aus einer Position der Stärke zu entstehen als aus der Not heraus, viele faule Kredite verkraften zu müssen.

Quelle: F.A.Z.
Hanno  Mußler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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