Sparkassen-Check
Düsseldorf

Der sture Sparkassen-Chef

Von Hanno Mussler
© Frank Wiedermeier, F.A.Z.

Gemeinhin gelten Rheinländer als lebenslustig. Allerdings kann man sich kaum einen Sparkassen-Chef vorstellen, der sich sturer gibt als Arndt Hallmann. Der vor 51 Jahren in Monheim am Rhein zwischen Düsseldorf und Leverkusen im Landkreis Mettmann geborene und aufgewachsene Hallmann hat einen bisher beispiellosen Streit mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) um die Gewinne der Stadtsparkasse auf die Spitze getrieben.

Nachdem die Sparkassen-Aufsicht im nordrhein-westfälischen Finanzministerium dem Sparkassen-Vorstand und dem Verwaltungsrat rechtswidriges Handeln bescheinigt haben, fanden die Streithähne nur kurz einen Kompromiss. Dann klagte Hallmann vor wenigen Wochen vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht gegen die Sparkassen-Aufsicht und läutete damit die nächste Runde in dem Rechtsstreit ein.

Spätestens mit diesem Schritt hat sich Hallmann alles andere als beliebt gemacht. Und ausgerechnet jetzt, auf der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats am 30. September, steht die Verlängerung seines Vertrages an. Risikovorstand Martin van Gemmeren, ein Vertrauter Hallmanns, musste schon gehen.

Zu hohe Personalkosten in der Phase der Niedrigzinsen

Auch für Hallmann wird es eng. Dies liegt auch daran, dass der hochgewachsene Sparkassen-Chef mit fast asketisch wirkenden Gesichtszügen gerade eine neue Front eröffnet hat. Die Arbeitnehmervertreter, die ihn im Streit mit dem Oberbürgermeister um die Sparkassen-Gewinne lange stützten und zusammen mit der in Düsseldorf oppositionellen CDU eine Mehrheit im Verwaltungsrat bildeten, bringt Hallmann jetzt mit Effizienzmaßnahmen gegen sich auf.

Der Sparkassen-Chef hält mit seiner wohl kaum falschen Meinung nicht hinter dem Berg, dass die Stadtsparkasse in der Niedrigzinsphase zu hohe Personalkosten hat. Doch braucht er die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat, um eine Chance auf die angestrebte Verlängerung seines Vertrages zu haben.

Diplomatisches Geschick scheint Hallmann wenig gegeben. Seine Haltung kann man als prinzipienfest deuten, nach dem Motto: Seht her, ich bin nicht erpressbar! Hallmanns Gegner dagegen unterstellen ihm fehlende Einsicht und Weinerlichkeit. Dazu trägt bei, dass Hallmann gerne jammert, als Alkohol-Abstinenzler fehle ihm im oft karnevalstrunkenen Rheinland ein probates Konfliktlösungsmittel.

„Bei beruflichen Angriffen zurückkeilen“

Obwohl Hallmann im Rheinland tief verwurzelt ist, gehören die Süßspeisen und die Berge Österreichs spätestens seit seiner Zeit im Vorstand der Raiffeisenlandesbank in Graz eher zu seiner Welt. Im Urlaub sucht Hallmann sommers wie winters gerne rund um Schladming beim Wandern in den Bergen zu sich zu kommen. Er besucht dort auch Seminare wie „Exerzitien für Manager“, um durch viel Schweigen ein Wertesystem zu entwickeln.

Mit diesen „Hobbys“ wirkt Hallmann in der rheinisch-burschikosen SparkassenWelt wie ein Sonderling. Seinen Gegnern bietet er allerhand Angriffsfläche, auch weil dem Vater zweier Töchter seine Familie sehr wichtig ist.

Obwohl er durchaus harmoniebedürftig ist und an der österreichischen Lebensart die wenig-elitären Opernhäuser schätzt, kann Hallmann anscheinend nicht anders, als bei beruflichen Angriffen zurückzukeilen. Sein Konflikt mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Geisel beschäftigt inzwischen auch den Düsseldorfer Landtag.

Sparkassen-Vorstand steht nicht geschlossen hinter Hallmann

Die nordrhein-westfälischen Landespolitiker untersuchen die Gespräche, die der Rechtsberater des Oberbürgermeisters, Benedikt Wolfers, mit der Sparkassen-Aufsicht geführt hat. Dahinter steht, dass Hallmann überall (rheinischen) Klüngel wittert. Aber was ist schlimm daran, dass der renommierte Jurist Wolfers und Oberbürgermeister Geisel sich schon aus gemeinsamen Studienzeiten kennen?

Tatsache ist: Nicht einmal der Sparkassen-Vorstand in Düsseldorf steht geschlossen hinter Hallmann. Seine Vorstandskollegin Karin-Brigitte Göbel stimmte dagegen, eine Klage gegen die Sparkassen-Aufsicht vor dem Verwaltungsgericht anzustrengen.

Die Bankenaufsicht von Bundesbank und Bafin beobachtet das gestörte Verhältnis zwischen Vorstand und Verwaltungsratsvorsitzendem kritisch. Mit Hallmann und Geisel scheint die Sparkasse nicht zur Ruhe zu kommen.

Hallmanns Ziel: Sparkasse zukunftsfest aufstellen

Falls Hallmann doch am 30. September mit Unterstützung der CDU und der Arbeitnehmervertreter seinen Vertrag verlängert bekommt und der Stadtrat im November trotz einer Ein-Stimme-Mehrheit für Geisel kein Veto einlegt, dürften hochbezahlte Juristen aus den Kanzleien Hengeler Mueller (Hallmann) und Freshfields (Geisel) sich voraussichtlich noch durch drei Instanzen bis zum Bundesverwaltungsgericht über Grundsatzfragen streiten.

Es geht im Kern darum, ob und wie stark ein Sparkassen-Vorstand bei seiner Entscheidung darüber, wie viel Gewinn die Sparkasse an ihre Kommune ausschüttet, die Interessen dieses Sparkassen-Trägers berücksichtigen muss. Für Hallmann ist die Stadt Düsseldorf kein normaler Eigentümer.

Analogien aus dem Aktienrecht für seine Kompetenzen zu ziehen, lehnt er daher ab. Und im nordrhein-westfälischen Sparkassen-Gesetz ist eben nicht klar geregelt, wie viel vom Sparkassen-Gewinn dem Träger zusteht.

Hallmann möchte so wenig wie möglich vom Gewinn ausschütten, um die Stadtsparkasse Düsseldorf zukunftsfest aufzustellen. Geisel dagegen will möglichst viel Geld von den Gewinnen der Sparkasse für die Stadt.

Hallmann fürchtet, nachdem ihm die SparkassenAufsicht für 2014 rechtswidriges Handeln bescheinigt hat, dass Geisel auch für die nächsten Jahre keine Ruhe geben wird. Hallmann will durch seine Klagen verlässliche Regeln schaffen und weniger Angriffsfläche bieten.

Aber er bewirkt das Gegenteil: Der Konflikt schaukelt sich immer weiter auf. Hallmann, der in seiner Amtszeit seit 2012 die Stadtsparkasse von Risiken befreit und zu Wachstum im Einlagengeschäft geführt hat, brauchte eine private Deeskalationsstrategie. Sonst droht er wegen seiner Sturheit den Vorstandsvorsitz zu verlieren.

Quelle: F.A.Z.
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