Forschung

Die Nobelpreise 2002

 - 11:55

Die Nobelpreise 2002 werden verliehen. FAZ.NET fasst für Sie die Bekanntgaben und die Hintergründe zu dem Preis zusammen, den der Dynamitentwickler Alfred Nobel in seinem Testament Menschen zugedacht hat, die „der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben“. FAZ.NET begleitete die Bekanntgaben - auch die der Ig-Nobelpreise und der alternativen Nobelpreise.

Frieden

Den Friedensnobelpreis erhielt der frühere amerikanische Präsident Jimmy Carter. Wie das norwegische Nobelpreiskomitee in Oslo zur Begründung mitteilte, bekommt Carter die Ehrung für "seinen unermüdlichen Einsatz, friedliche Lösungen für internationale Konflikte zu finden“. Carter erhält die Auszeichnung just zu einem Augenblick, in dem der aktuelle US-Präsident George W. Bush, vom Kongress mit einer Vollmacht für den Beginn eines Krieges gegen den Irak ausgestattet wurde. Der Preis sei daher auch als Kritik an der aktuellen Politik der amtierenden US-Regierung gegenüber Bagdad zu verstehen, machte das Komitee deutlich.

Literatur

Den Nobelpreis für Literatur bekam der 72-jährige ungarische Schriftsteller Imre Kertész. In der Begründung heißt es, Kertész' literarisches Werk erforsche die Möglichkeit, noch als Einzelner in einem Zeitalter zu leben und zu denken, in dem die Menschen sich immer vollständiger staatlicher Macht untergeordnet hätten. Kertész, am 9. November 1929 in Budapest geboren, wurde als Jude 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit.

Wirtschaft

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ging zur Hälfte an den Amerikaner Daniel Kahneman und zur anderen Hälfte an den Amerikaner Vernon L. Smith. Kahneman erhält den Preis für das Einführen von Einsichten der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft, besonders bezüglich Beurteilungen und Entscheidungen bei Unsicherheit. Smith wird ausgezeichnet für den Einsatz von Laborexperimenten als Werkzeug in der empirischen ökonomischen Analyse, insbesondere in Studien unterschiedlicher Marktmechanismen.

Chemie

Den Chemie-Nobelpreis des Jahres 2002 „für die Entwicklung von Methoden zur Identifikation und Strukturanalyse von biologischen Makromolekülen“ erhielt zur einen Hälfte an den Amerikaner John B. Fenn und den Japaner Koichi Tanaka „für ihre Entwicklung von weichen Desorption/Ionisation-Methoden zur massenspektrometrischen Analyse von biologischen Makromolekülen“. Die andere Hälfte erhielt der Schweizer Kurt Wüthrich „für seine Entwicklung der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur von biologischen Makromolekülen in Lösung“.

Physik

Drei Physiker erhielten den Nobelpreis in Physik für ihre Erkenntnisse in der Astrophysik. Eine Hälfte des Preises teilten sich der Amerikaner Raymond Davis Jr und der Japaner Masatoshi Koshiba „für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, insbesondere für den Nachweis kosmischer Neutrinos“. Die andere Hälfte geht an den Amerikaner Riccardo Giacconi „für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, die zur Entdeckung von kosmischen Röntgenquellen geführt haben“.

Medizin

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an drei Preisträger. Der US-Amerikaner Robert Horvitz teilte sich mit den Briten Sydney Brenner und John Sulston den Preis für ihre Forschungsarbeiten.

Die Alternativen Nobelpreise

Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an einen paraguayischen Menschenrechtsaktivisten und zwei Friedensorganisationen aus Schweden und der afrikanischen Republik Burundi. Den Ehrenpreis erhält ein australischer Solarenergieforscher, wie das Vergabekomitee des „Right Livelihood Prize“ mitteilte. Mit dem Alternativen Nobelpreis würdigt das Vergabekomitee alljährlich Projekte und Persönlichkeiten, die „praktische und beispielgebende Antworten“ auf drängende gesellschaftliche Fragen liefern.

Der Ig-Nobelpreis

Viel weniger ernsthaft als bei den „echten“ Nobelpreisen geht es bei der Themenauswahl der Ig-Nobelpreise her. Dort werden „Forschungen, die nicht wiederholt werden können, oder besser nicht wiederholt werden sollten“ ausgezeichnet. In diesem Jahr gab es unter anderem Preise für die Untersuchung von Ansammlungen von Flusen im Bauchnabel oder dem Zerfall von Bierschaum. Den Friedenspreis erhielten japanische Forscher, die mit einem Computerprogramm das Bellen eines Hundes simultan übersetzten.

Quelle: @cop
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