FAZ plus ArtikelSierra Leone nach Ebola

Die Überlebenden

Von Peter Pauls, Kallia
 - 15:28
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Kallia ist ein von Ruinen durchsetztes Dorf. An vielen Lehmhütten fehlen die Wände, bei anderen löst sich das Grasdach. Die frühere Behausung von Hanna Jacob, der Hebamme des Ortes, ist nicht mehr zu retten. Auch hier hat der Regen schützende Lehmwände weggewaschen. Nur eine steht noch und gibt der Konstruktion aus schlanken Holzstangen letzten Halt. Zwischen ihnen fällt der Blick ungehindert auf die Reste eines grob gezimmerten Doppelbetts. Das Holz ist von grünen Flechten überzogen. Pflanzen aus dem benachbarten Tropenwald sprießen dort, wo einst die Bewohner schliefen.

Vor drei Jahren wurde Kallia in Sierra Leone zum Ebola-Dorf schlechthin. Was hier im Kleinen geschah, stand für das ganze westafrikanische Land, in dem das Virus 4000 Menschen tötete. In Kallia erinnert heute ein großer Grabstein an die 37 Opfer, das ist fast jeder zehnte Bewohner. Sicher wären es noch mehr geworden, hätte die Armee nicht eingegriffen, Haus um Haus durchkämmt und die Menschen voneinander getrennt. Wochenlang lagen Chlordämpfe über der Ansammlung armseliger Hütten, zwischen denen sich Sanitäter in weißen Schutzanzügen wie Außerirdische bewegten, die Bewohner in ihrer Isolationshaft bewachten und ihnen zu essen gaben. Die Behandlung war rauh, der Ton barsch. Wer auch nur im Verdacht stand, sich infiziert zu haben, kam umstandslos in Quarantäne. Auch das geschah landauf und landab.

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Quelle: F.A.Z.
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