Belastete Eier

Das sollten Verbraucher über den Fipronil-Skandal wissen

 - 12:23
zur Bildergalerie

Was weiß man bisher über den Skandal?

Seit dem 31. Juli ist bekannt, dass mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland gelangt sind. Mittlerweile schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass es sich um 10,7 Millionen Eier handelt. Bisher sind neben Deutschland auch 14 weitere EU-Länder sowie die Schweiz und Hongkong betroffen. Das teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit.

Das Fipronil war in einem Reinigungsmittel für Hühnerställe enthalten. Es wurde in Belgien, den Niederlanden und vier Ställen in Niedersachsen verwendet. Zwei Manager der Reinigungsfirma sind festgenommen worden. Inwiefern eine kriminelle Absicht hinter dem Einsatz des Insektizides steckt, ist noch unklar. Auch deutsche Staatsanwälte ermitteln.

Betroffene Legehennenbetriebe wurden mittlerweile gesperrt. Aldi Nord und Süd haben einen vergangene Woche verhängten Verkaufstopp wieder aufgehoben.

Vermutlich sind belastete Eier bereits zu anderen Lebensmitteln weiter verarbeitet worden. Dies wird nun umfassend untersucht. Über Lebensmittel mit erhöhtem Fipronilgehalt wird auf dem Portal Lebensmittelwarnung informiert.

In Kürze soll es eine EU-Krisensitzung geben. Die Kommission steht in der Kritik, weil das EU-Schnellwarnsystem zu spät über die Fipronil-Belastung informiert haben soll.

Was genau ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektizid und kommt als Pflanzenschutzmittel oder zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Der in den achtziger Jahren in Frankreich entwickelte Wirkstoff ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig. 2013 hat die Europäische Union daher beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden. Auch alle Tiere, die irgendwann auf dem Teller landen – oder zur Gewinnung von Eiern oder Milch gehalten werden, dürfen nicht damit in Berührung kommen.

Wie kam das Fipronil in die Eier?

Das Fipronil war vermutlich in dem Desinfektionsmittel Dega16 enthalten, das von einem Reinigungsunternehmen in den betroffenen Ställen verwendet wurde. Diese Ställe befinden sich hauptsächlich in den Niederlanden und Belgien, aber auch bei vier Haltern in Niedersachsen konnte Fipronil nachgewiesen werden.

In welche Bundesländer wurden belastete Eier ausgeliefert?

Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind bislang 13 Bundesländer betroffen: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

War zunächst von rund drei Millionen belasteten Eier im Bundesgebiet die Rede, so geht das Bundeslandwirtschaftsministerium mittlerweile aber davon aus, dass mindestens 10,7 Millionen Eier, die das Insektizid enthalten, nach Deutschland ausgeliefert worden sind. Neben Deutschland sind unter anderem Dänemark, Österreich, Rumänien, Frankreich und Großbritannien betroffen.

Lebensmittelskandal
Auch Eier aus deutscher Produktion mit Fipronil belastet
© dpa, reuters

Welche Auswirkungen hat der Verzehr von belasteten Eiern?

Bei Tierversuchen wirkte Fipronil toxisch auf das Nervensystem und die Leber von Ratten, Mäusen und Kaninchen. Es traten unter anderem Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe und Schweißausbrüche auf. Das Bundesministerium für Risikoforschung geht davon aus, dass bei einem durchschnittlichen Verzehr von Eiern dennoch kein akutes Gesundheitsrisiko für erwachsene Menschen besteht. Kinder könnten jedoch gefährdet sein. Vom Verzehr der Eier wird deshalb generell abgeraten.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sagte, die Argumentation, für Menschen gehe bei einem Durchschnittskonsum von 0,6 Eiern pro Tag keine Gefahr aus, verharmlose das Problem. Wenn jemand mehr esse als der Durchschnitt, „dann ist die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten.“ Kinder sind deutlich empfindlicher als Erwachsene. Deshalb besteht für sie schon bei dem durchschnittlich üblichen Verzehr ein gesundheitliches Risiko.

Wie viele belastete Eier kann man essen, bis Fipronil gesundheitsgefährend ist?

Das hängt vom eigenen Körpergewicht sowie der Fipronil-Konzentration im Ei ab. Als sogenannte akute Referenzdosis, damit ist die Menge Fipronil gemeint, die der Körper ohne gesundheitliche Risiken aufnehmen kann, wurde laut des Bundesinstituts für Risikoforschung der Wert von 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Die akute Referenzdosis wird ermittelt, indem man die für Ratten verträgliche Dosis auf den Menschen hochrechnet. Zur Sicherheit wird dieser Wert dann durch 100 geteilt, um Unterschiede zwischen Mensch und Tier aufzufangen.

Nachgerechnet bedeutet das: Für eine Person, die 75 Kilogramm wiegt, beträgt die maximal empfohlene Dosis 0,675 Milligramm Fipronil pro Tag. Die höchste gemessene Konzentration waren 1,2 Milligramm Fipronil in einem Kilogramm Eier. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Hühnerei 60 Gramm wiegt, könnte eine 75 Kilogramm schwere Person neun Eier essen, ohne den Referenzwert zu übersteigen.

Worauf muss ich beim Einkaufen achten?

Auf die Stempelnummer der Eier. Das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen warnt vor Eiern mit den Nummern 0-DE-0360521, 1-DE-0357731, 1-DE-0358001, 2-DE-03586211. Weitere Informationen kann man auf dem Portal Lebensmittelwarnung nachlesen.

Aus den Niederlanden wurde ebenfalls eine Reihe belastete Eier zurückgerufen: 0-NL-4170101, 0-NL-4310001, 0-NL-4352602, 0-NL 4385501, 0-NL 4392501 1-NL 4128604, 1-NL-4167902, 1-NL 4286001, 1-NL-4322401, 1-NL-4331901, 1-NL-4339301, 1-NL-4339912, 1-NL-4359801, 1-NL-4385701 2-NL-4212103, 2-NL-4272201, 2-NL-4272202, 2-NL-4272301, 2-NL-4322402, 2-NL-4332601, 2-NL-4332602, 2-NL- 4385702, X-NL-4022701.

Was soll ich tun, wenn ich bereits Eier mit einer entsprechenden Kennzeichnung gekauft habe?

Die Eier können im Einzelhandel zurückgegeben werden oder über den Restmüll entsorgt werden.

Wie reagieren die Händler?

Der Lebensmittelkonzern Rewe und die Tochter Penny haben angegeben, vorsorglich alle niederländischen Eier aus dem Handel genommen zu haben. Aldi Nord und Aldi Süd haben einen vergangene Woche verhängten Verkaufstopp inzwischen wieder aufgehoben.

Bei Edeka sieht man bislang keinen Grund für einen Verkaufstopp. Die Eier seiner Eigenmarken stammten ausschließlich aus Deutschland, teilte die Edeka-Zentrale in Hamburg am Freitag mit. „Bislang liegen uns hier keine Nachweise von Fipronil vor.“ Es gebe aber einen „engen Austausch“ mit Lieferanten und den zuständigen Behörden.

Was ist mit Hühnerfleisch und Produkten, in denen belastete Eier verarbeitet worden sind?

Die Verbraucherorganisation Foodwatch befürchtet, dass die Belastung nicht nur Eier betrifft. „Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden"“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Auch diese Produkte gehören vorsorglich aus dem Verkehr gezogen und öffentlich zurückgerufen.“

In Rumänien wurde das Insektizid in einer Lieferung Flüssigeigelb entdeckt, in Österreich haben zwei Großhändler das Fipronil in gekochten und geschälten Eiern entdeckt, die sie in den Niederlanden bestellt hatten. Auch in Deutschland wurden erste Produkte identifiziert, in denen belastete Eier verarbeitet wurden. Die Liste gibt es auf dem Portal Lebensmittelwarnung.

Bisher gibt es noch keine Meldungen darüber, das kontaminiertes Fleisch in den Handel gelangt ist. Auch wie viele belastete Eier bereits zu anderen Lebensmitteln verarbeitet wurden, steht noch nicht fest. Auf Produkten, die Eier enthalten, müssen weder die Haltung, die Herkunft noch die Stempelnummer der verwendeten Eiern angegeben werden. Die Kontrolle der Eier obliegt bislang den Händlern.

Was passiert jetzt?

Zwei Manager des Unternehmens ChickFriend, welches das verseuchte Reinigungsmittel verwendet haben soll, wurden festgenommen. Sie bleiben vorerst in Untersuchungshaft, teilte die niederländische Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Sie sollen weiter vernommen werden. Auch deutsche Staatsanwälte ermitteln.

Untersucht werden soll nun vor allem, ob belastete Eier zu anderen Lebensmitteln verarbeitet wurden. Die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte an, noch in dieser Woche würden die Untersuchungen von Lebensmitteln beginnen, die mehr als fünf Prozent Ei enthalten, also Nudeln, Teigwaren oder Eierkuchen. Die Einzelheiten würden gerade zwischen Bund und Ländern abgestimmt.

In den Niederlanden wurden 180 Betriebe gesperrt, die positiv auf Fipronil getestet wurden, in Belgien 86. Eier, die von jetzt an aus den Niederlanden ausgeliefert werden würden, seien deshalb unbelastet, hieß es bereits in der vergangenen Woche. Auch von deutschen Legehennenbetrieben gibt es erste Entwarnungen: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel wurden alle Betriebe negativ auf das Insektizid getestet, so das zuständige Umweltministerium. Gleiches gilt für Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Außerdem wird ermittelt, ob es Verzögerungen in der Lebensmittelwarnung gab. So soll Belgien schon Anfang Juni ermittelt haben. Eine Warnung über das EU-Schnellsystem gab es aber erst Ende Juli – von den Niederlanden. Laut einem Minister soll dort bereits seit November 2016 ermittelt worden sein. Die EU-Kommission wies Kritik wegen der verzögerten Warnung von sich: Die Mitgliedsstaaten hätten die Hauptverantwortung, Untersuchungen einzuleiten und Maßnahmen zu ergreifen, sagte ein Sprecher in Brüssel. Sie könnten bei Problemen Betriebe schließen, Produkte aus dem Markt nehmen und die Verbraucher warnen. Ein Schnellwarnsystem sei dann effizient, wenn die Informationen schnell kämen und andere Länder rechtzeitig gewarnt werden könnten.

Quelle: jant./dpa/AFP
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBaden-WürttembergBayernBelgienBrandenburgBremenDeutschlandFrankreichHamburgNiederlandeNiedersachsenNordrhein-WestfalenRumänienSchleswig-HolsteinÖsterreichAldi NordBundeslandwirtschaftsministeriumEDEKAEuropäische KommissionBrüssel-ReisenInsektizid