FAZ plus ArtikelPillen an der Uni

Wie ich einmal mein Hirn dopte

Von Moritz Eichhorn
 - 08:55

Zuerst lockten die Pillen mich nicht. Ich dachte, das habe ich nicht nötig: Medikamente nehmen, nur um eine Hausarbeit zu schreiben. Viele meiner Kommilitonen taten genau das. Sie schluckten regelmäßig kleine Kapseln, um sich konzentrieren zu können. Vor allem Ritalin und Adderall. Ich studierte an einer britischen Uni, und besonders die Studenten aus Nordamerika schworen auf die Pillen. Es dauerte ein wenig, aber dann wusste ich, warum.

Es war nicht so, dass meine Kommilitonen krank waren. Wenn sie wollten, konnten sie sich sehr gut ohne Medikamente konzentrieren. Sie waren kerngesund. Und sie waren intelligent genug, um den Uni-Stoff schnell zu kapieren. Wenn sie sich denn mal mit ihm beschäftigten. Die Sache lag anders: Meine Freunde wollten alles haben und auf nichts verzichten. Die Woche hindurch trinken, Dating, Sport machen, Filme schauen und dann von Donnerstagmittag bis Freitag durcharbeiten; Freitag war Abgabe. Und eine gute Note wollten sie auch. Das geht auf Dauer nur mit Doping.

Entdecken Sie die F.A.Z. Digitalangebote

F.A.Z. PLUS

Probeabo

: besonders beliebt

Miniabo

: 5,99 €

Tagespass

: 1,99 €

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F.A.Z. Digital

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite