FAZ plus ArtikelKassenpatient auf Arztsuche

Selbst ist der Orthopäde

Von Matthias Trautsch
 - 20:00

Es war, wie wohl bei den meisten Unfällen, Pech im Spiel. Eine durchnässte Zeitung auf dem Fahrradstreifen an der Alten Oper, eine schnelle Lenkbewegung und schon lag der Radler am Boden. Schlimmeres ist nicht passiert, er konnte den Sturz mit der Hand abfangen, allerdings um den Preis eines umgeknickten Fingers. Das Gelenk tat weh, aber nicht so sehr, dass eine Behandlung nötig schien. In den folgenden Tagen wurde der Schmerz allerdings schlimmer. Als der Finger nach einer Woche auch noch anschwoll, entschloss sich der Frankfurter, einen Arzt aufzusuchen.

Mit Orthopäden verbindet der Radfahrer nicht nur gute Erfahrungen. Er erinnert sich an halbe Tage im Wartezimmer, auf die ein 30-Sekunden-Gespräch folgte, und an Ärzte, die ihre Diagnose aus anderthalb Metern Entfernung stellten und lieber zum Röntgen schickten als nach den Beschwerden zu fragen. Seit zwei Jahren hatte er allerdings einen Orthopäden, der sich Zeit nahm und auch einmal mit dem Hinweis überraschte, die Muskelbeschwerden könnten mit der Ernährung zusammenhängen. Als er jetzt mit dickem Finger in die Praxis ging, teilte die Sprechstundenhilfe allerdings mit, der Arzt seines Vertrauens habe Frankfurt verlassen. Er könne einen Termin beim Nachfolger bekommen, aber erst im Frühjahr.

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Bei Anruf Termin

Bei Anruf Termin Seit zwei Jahren vermittelt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen Termine bei einem Facharzt, wenn ein Patient eine dringlich eingestufte Überweisung vom Hausarzt vorlegen kann. Nur Termine bei Augenärzten und Gynäkologen gibt es ohne „Notfallcode“. Maximal vier Wochen soll der Patient warten müssen. Nach Angaben der KV Hessen haben die sechseinhalb Mitarbeiter der Terminservicestelle bis einschließlich November 2017 knapp 16 000 Facharzttermine und rund 4000 psychotherapeutische Erstgespräche vermittelt. Die Zahlen sehen die Kassenvertreter als Beleg dafür, dass die Not nicht so groß ist. Die KV verweist zum Vergleich auf 6,2 Millionen Facharztbehandlungen, die sie jedes Quartal verzeichne. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, hatte Anfang des Monats kritisiert, viele Servicestellen seien kaum zu erreichen, so auch die KV Hessen. Bei einer Reihe von Testgesprächen hätten Anrufer erst in der Warteschlange gehangen, dann sei die Verbindung automatisch abgebrochen worden. (trau.) Die Terminservicestelle der KV Hessen ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr unter der Rufnummer 0 69/40 05 00 00 zu erreichen.
Quelle: F.A.Z.
Matthias Trautsch
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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