Touren für Touristen

Ärger über Hubschrauber-Rundflüge

Von Bernd Günther
 - 15:34

Aus der Luft betrachtet, haben Frankfurt und sein Häusermeer einen ganz besonderen Reiz. Wer das erleben möchte, kann sich im Hubschrauber über die Mainmetropole fliegen lassen. Etwa ein halbes Dutzend Anbieter hat Helikopter-Rundflüge im Programm: 99 Euro kostet eine halbe Stunde aus der Vogelperspektive, und für 300 Euro darf der Passagier sogar neben dem Piloten Platz nehmen und die bessere Sicht genießen.

Die Hubschrauber-Rundflüge sind bei Einheimischen und Touristen außerordentliche beliebt – aber längst nicht jeder Frankfurter freut sich über den Helikopter-Boom: Vor allem die ohnehin vom Fluglärm geplagten Bewohner der südmainischen Stadtteile empfinden die Rundflüge zunehmend als Belastung. Der für Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad zuständige Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) berichtet von „zahlreichen Beschwerden“ von Bürgern, die ihn in jüngster Zeit erreicht hätten. Vor allem in Sachsenhausen hätten die Menschen den Eindruck, dass die Flüge deutlich zugenommen hätten. Zumal viele der Rundflüge vom Flugplatz Egelsbach aus offenbar bevorzugt über Sachsenhausen und Oberrad hinweg nach Frankfurt flögen.

Gespräch ausdrücklich abgelehnt

Nach Ansicht von Becker und der CDU im Ortsbeirat sollte die Zahl der Flüge künftig beschränkt werden. Die CDU-Fraktion hat deshalb einen Antrag vorbereitet, der bei der Sitzung des Ortsbeirats morgen auf der Tagesordnung stehen soll. Demnach soll sich der Magistrat bei den zuständigen Behörden für eine Begrenzung der Flüge einsetzen.

Die Anbieter von Hubschrauber-Rundflüge äußern sich dazu ausgesprochen zurückhaltend, die meisten lassen Anfragen zum Thema unbeantwortet. Eine Firma lehnt ein Gespräch explizit aus Sorge vor negativen Schlagzeilen ab. Auch Heiner Börger ist zunächst skeptisch, dann aber doch gesprächsbereit: Der Pilot bietet über sein Unternehmen Helifliegen.de im Internet „Skyline-Flüge“ an. Dazu nutzt er Hubschrauber von zwei Flugunternehmen, die in Egelsbach stationiert sind. Dort gibt es laut Börger eine ganze Reihe von Firmen, die Rundflüge im Hubschrauber anbieten. Die Touren führten nicht nur nach Frankfurt, sondern auch ins Umland, etwa zur „Burgen- und Schlösser-Tour“ oder als „VIP-Flug“ zu individuell gewählten Zielen. Der Preis richte sich jeweils nach der Flugzeit, besonders beliebt seien aber halbstündige Ausflüge zum Hochhaus-Gucken.

Die Hauptsaison für dieses Vergnügen ist die Zeit zwischen April und Oktober, wenn die Landschaft grün, das Wetter schön und die Sicht gut sind. Und laut Börger bietet sich für die Piloten von Egelsbach aus tatsächlich der Weg über Sachsenhausen an. Aber auch wenn sich an manchen Tagen die Flüge häuften, kann sich Börger nicht vorstellen, dass das zu einer übermäßigen Lärmbelastung in den überflogenen Quartieren führt. Zudem wechselten je nach Wind und Wetter die Flugstrecken über die Stadt, und außerdem seien die Rundflug-Helikopter deutlich kleiner und weniger laut als etwa Polizei- oder Rettungshubschrauber. Diese dürften zudem deutlich niedriger fliegen.

Er selbst sei durchaus für das Thema Fluglärm sensibilisiert, sagt Börger. Deshalb fliege er zum Beispiel nicht zur Mittagszeit. Ansonsten gebe es genaue Vorgaben hinsichtlich der einzuhaltenden Flughöhen, der Abstände zu Hindernissen und der zwingend zu meidenden Zonen rund um den Frankfurter Flughafen. Das bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen: Die Piloten müssten sich an bestimmten Kontrollpunkten bei den Lotsen im Tower des Flughafens ankündigen, und diese müssten den Einflug in die Kontrollzone genehmigen. Ansonsten würden die Regeln der Luftverkehrsordnung gelten. Diese schreibe etwa vor, dass bei Überlandflügen eine Mindesthöhe von 600 Metern einzuhalten sei. Diese dürfe allerdings unterschritten werden, wenn die Luftraumordnung dies erfordere. Das sei wegen der An- und Abflugkorridore des Flughafens zum Beispiel über dem Stadtgebiet von Frankfurt der Fall. Doch auch hier gebe es Mindesthöhen: So dürfe zu hohen Hindernissen in einem Umkreis von 600 Metern eine Flughöhe von 300 Metern nicht unterschritten werden.

Die Zahl der Helikopter-Flüge, die von den Flugplätzen in Egelsbach, Aschaffenburg, Friedrichsdorf oder Mannheim aus die Mainmetropole ansteuerten, wird nach Auskunft der Sprecherin nicht erfasst. Die Flugsicherung achte aber jeweils genau auf die Einhaltung der Regeln, und das Regierungspräsidium Darmstadt ahnde als zuständige Behörde Verstöße mit empfindlichen Bußgeldern.

RP: Beschränkung nicht möglich

Diese können einem Sprecher des Regierungspräsidiums zufolge durchaus mehrere hundert Euro betragen. Im vergangenen Jahr habe es tatsächlich einige Verstößen gegeben, in diesem Jahr allerdings noch keine. Grundsätzlich sei die Behörde dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung zu möglichem Fehlverhalten von Piloten. Um diesen nachgehen zu können, müssten allerdings möglichst das Kennzeichen des Hubschraubers, die Flugrichtung, die Uhrzeit und der Standort des Beobachters angegeben werden. Nur in begründeten Einzelfällen, etwa für Lastentransporte oder für Film- und Fotoflüge, werde das Unterschreiten der Sicherheitsmindesthöhe erlaubt.

Eine Beschränkung der Hubschrauber-Rundflüge, wie sie Ortsvorsteher Becker und seiner Fraktion vorschwebt, ist laut Regierungspräsidium gar nicht möglich. Es könne allenfalls eine allgemeine Flugverbotszone ausgewiesen werden, wie sie etwa über dem Regierungsviertel in Berlin bestehe. Über einen solchen Antrag hätte das Verkehrsministerium zu entscheiden. Ansonsten sei der Luftraum gemäß Luftverkehrsgesetz grundsätzlich zur Nutzung durch Luftfahrzeuge frei – also auch für Helikopter mit Touristen an Bord.

Quelle: F.A.Z.
Günther Bernd  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Bernd Günther
Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.
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