Badminton

Rasant, aber unterschätzt

Von Lara Winter, Rosenstein-Gymnasium, Heubach
 - 12:21

Auf dem Fensterbrett liegen verschiedene Flyer, an der Wand hängen neben einer Uhr ein Mannschaftsfoto und ein Lageplan des Sportparks. Seit Januar ist Benjamin Wahl nicht nur Spieler der 2. Bundesliga im Badminton, sondern auch Geschäftsführer der SG Schorndorf. Sein Büro befindet sich mitten im Sportpark von Schorndorf, 30 Kilometer entfernt von Stuttgart. Neben den Büros, die umgeben sind von Fußballfeldern, liegt außerdem ein neues Fitnessstudio, das dem Verein gehört. Von Wahls Büro und jenen seiner 15 Angestellten aus kann man auf den danebenliegenden Fußballplatz schauen, auf dem trainiert wird. Die Geschäftsführung ist sozusagen der Dienstleister für die 19 Abteilungen des Vereins, da diese im Ehrenamt arbeiten. Neben klassischen Aufgaben wie Verwaltung muss Wahl sich um die Organisation von Veranstaltungen und die Mitgliederwerbung für das Fitnessstudio kümmern.

Der einzige Deutsche in der Mannschaft

Seit seinem zehnten Lebensjahr spielt Wahl Badminton. Angefangen hat der 32-Jährige in Kaisersbach. Da sein Talent früh erkannt wurde, wechselte er nach einem Jahr nach Winnenden. Mit zwölf Jahren entschied er sich für die SG Schorndorf, wo er heute noch spielt. Mit 16 Jahren spielte er bereits in der 2. Bundesliga und war Trainer der SG Schorndorf. Er war der einzige Deutsche in der Mannschaft, die anderen Spieler wurden eingeflogen. Um eine regionale Mannschaft zu gründen, stiegen sie ab und trainierten mit Spielern aus der Umgebung. Mit dieser Mannschaft gelang ihnen nach vier Jahren der Wiederaufstieg.

Mit mindestens 21 Punkten

Badminton ist ein Rückschlagspiel, das mit einem Federball und einem Badmintonschläger gespielt wird. Auf dem 13,40 Meter langen und 6,10 Meter breiten Spielfeld versuchen die Spieler den Ball so zu spielen, dass der Gegner ihn nicht zurückschlagen kann. „Beim Badminton gilt es grundsätzlich mehr von oben nach unten zu spielen“, erklärt Wahl.

Badminton kann als Damen-Einzel oder -Doppel oder Herren-Einzel oder -Doppel oder als gemischtes Doppel gespielt werden. Dabei wird nach Punkten und Sätzen gezählt, einen Punkt erzielt man bei einem Fehler des Gegners. Um zu gewinnen, benötigt man zwei gewonnene Sätze mit mindestens 21 Punkten. „Beim Badminton muss man viele konditionelle Eigenschaften vereinen.“ Das heißt, man muss schnell, koordinativ und beweglich sein, außerdem braucht man Ballgefühl und die richtige Technik, die viel Übung erfordert. Man müsse „auch ein bisschen Schach spielen“, meint Wahl, denn man muss den Ballwechsel vorbereiten und dann den passenden Angriffsschlag setzen.

Das Bedürfnis, den Schläger wegzuschmeißen

Trainiert hat Wahl früher jeden Tag, wobei er viermal in der Woche in der Halle trainierte, joggen war oder Krafttraining machte. Das sei vergleichsweise wenig gewesen, heute trainieren Jugendliche mehr als 20 Stunden in der Woche. „Das Training war hart, und ich hatte auch manchmal das Bedürfnis, den Schläger wegzuschmeißen.“

Der erste deutsche Badmintonverein wurde 1902 in Hessen gegründet. Aber erst 1950 erfuhr Badminton mehr Aufmerksamkeit, woraufhin 1953 die ersten deutschen Meisterschaften folgten. Badminton wird in 160 Nationen von 14 Millionen Spielern wettkampfmäßig betrieben und ist seit 1992 olympische Disziplin. Dass Badminton eine Randsportart ist, liegt nach Benjamin Wahls Meinung daran, dass viele es nicht kennen und unterschätzen. Das Problem sei auch, dass Badminton im Fernsehen zu leicht aussehe, weil man nicht mitkriegt, wie anstrengend es ist. Außerdem würde in den Medien nur selten darüber berichtet.

Am liebsten Doppel oder Mixed

Mit 21 Jahren litt Wahl an Krebs und hätte beinahe seinen linken Arm verloren. Heute hat er noch Probleme mit dem linken Arm. „Die Krankheit hat mich körperlich zurückgeworfen.“ Seitdem spielt er am liebsten Doppel oder Mixed. Man habe einen Partner mit einem gemeinsamen Ziel. „Geteilte Freude ist doppelte Freude, und geteiltes Leid ist halbes Leid“, erklärt er.

Quelle: F.A.Z.
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