Handballstar Denis Špoljarić

Eine Klasse für sich

Von Fran Nucak, 18. Gymnasium Zagreb
 - 12:49

Handball war mein Leben. Alles, was ich wusste und konnte, war Handball.“ Denis Špoljarić aus Zaprešić, 20 Kilometer westlich von Zagreb, war von 2010 bis 2016 als Handballprofi für das Bundesligateam Füchse Berlin aktiv. Mehrfach war er mit seinen Teams zuvor bereits kroatischer Meister, gewann auch die Landestitel in der Schweiz und in Slowenien. Mit dem Berliner Club wurde er deutscher Pokalsieger und gewann den EHF-Pokal. Doch der Bruch eines kleinen Mittelhandknochens in der rechten Wurfhand beendete eine der größten Karrieren im Welthandball.

1,95 Meter groß und 100 Kilo schwer

So begann im Mai 2016 ungewollt ein neuer Lebensabschnitt für den 37-jährigen Kroaten. „Es ist nicht so einfach, wenn man weiß, dass so ein tolles Kapitel vorbei ist. Aber ich konnte mich wegen der Dauer der Verletzung darauf einstellen.“ Fast zwei Jahre laborierte er nach einem Trainingsunfall im September 2014 an der Verletzung herum. Zwei Operationen und Spezialisten konnten nicht helfen. „Ich kann mit Schmerzen noch immer etwas vom Boden aus hochziehen. Aber ein Glas Bier heben, mit ausgestrecktem Arm, das ist nicht mehr drin.“ Jetzt ist der dreifache Vater noch mehr Familienmensch, als er es schon immer war. Zum Gespräch in der großen Sporthalle in Zaprešić bringt Špoljarić seine Tochter mit. Nya, acht Jahre alt, ist ein Wirbelwind und zieht sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Vater dagegen, 1,95 Meter groß, gut 100 Kilo schwer, ist ruhiger. So spielte er auch und sagt schmunzelnd: „Bob Hanning, der Manager der Füchse Berlin, soll gesagt haben: Denis macht keinen Schritt zu viel. Aber auch keinen zu wenig.“

Beide Finalspiele gewannen sie gegen die Deutschen

Mit 14 Toren in vier Spielzeiten der Handball-Bundesliga ist die Wurfausbeute des „sanften Riesen“ zwar überschaubar. Aber wenn er im Mittelblock einer Handballmannschaft stand, dann kam kaum einer an ihm vorbei. Ob im Verein oder in der kroatischen Nationalmannschaft, er war einer der besten Verteidiger der Welt. 2003 wird er mit Kroatien Weltmeister, 2004 Olympiasieger. „Bei 2003 waren wir jung und selbst noch ein bisschen überrascht“, sagt Špoljarić lachend, „2004 waren wir aber von uns überzeugt.“ Die Geschichte hat eine Pointe. Denn beide Finalspiele gewann das kroatische Team gegen die deutsche Nationalmannschaft. Diese Spiele haben die Beziehung keinesfalls getrübt: „Damals waren wir das bessere Team, heute ist es im direkten Vergleich die deutsche Mannschaft. So ist das eben im Sport, es geht auf und ab“, sagt Špoljarić lakonisch. Diese deutsch-kroatische Geschichte habe eine weitere internationale Komponente, denn sie habe mit einem isländischen Trainer zu tun: „Dagur Sigurdsson war mein Trainer bei den Füchsen in Berlin. Jetzt war er Trainer der deutschen Nationalmannschaft und hat sie 2016 ganz überraschend zu Europameistern gemacht. Er ist ein sehr guter Psychologe und weiß, wie man mit den Spielern umgehen muss.“

Mit Talent, Willen und einem Plan B

Seine eigene, große Handballkarriere war allerdings alles andere als geplant. Eines Tages nahm ein Kumpel Denis Špoljarić, der gerade nichts anderes vorhatte, in Zaprešić einfach mal zum Handballtraining mit. Der Trainer war von Beginn an begeistert von dem damals 12-Jährigen. So blieb er dabei. Im Alter von 18 Jahren fand er die Unterstützung seines Trainers Boris Dvoršek, um eine Profi-Laufbahn zu starten. Der Karrierestart war problematisch, schon im ersten Jahr zieht sich Špoljarić eine schwere Verletzung zu, ein Bruch im linken Fuß. „Das hätte schon das Ende meiner Handballkarriere sein können.“ So rät er zwar jungen Menschen, wenn sie das Talent und den Willen haben, eine Profikarriere anzustreben: „Aber man sollte Schule und Ausbildung nicht vernachlässigen und immer einen Plan B haben!“ Für den späteren Weltmeister war das in seiner Jugend ein Ökonomiestudium. Dass er nicht ausschließlich und verbissen auf eine Handballkarriere setzte, bestätigt sein ehemaliger Klassenkamerad Hrvoje Matanović, der heute Sportlehrer in Zaprešić ist: „1996 war Kroatien zum ersten Mal als souveräner Staat bei den Olympischen Spielen dabei. Wir waren pubertierende Jungs, begeisterte Sportler. Dann gewannen unsere Handballer die Goldmedaille. Das alles hat uns emotional tief bewegt. Aber niemand hätte zu träumen gewagt, dass Denis selbst einmal Profi oder sogar Weltmeister und Olympiasieger werden würde.“ Nicht nur Karriere war international mit Stationen in Kroatien, der Schweiz, Slowenien und Deutschland, mit den Reisen und Spielen der Nationalmannschaft. Auch Familie Špoljarić ist multikulturell geprägt. Drei Kinder haben Denis und seine Frau Andjela, die tansanische Wurzeln hat. Ihre Mutter kam einst der Liebe wegen nach Kroatien. Auf dem afrikanischen Kontinent ist die Familie zwar noch nicht gemeinsam gewesen. Aber das ist geplant. In jedem Fall spielt die Sprache eine große Rolle. Im internationalen Team der Füchse Berlin, mit Spielern aus Kroatien, Polen, Russland und Spanien wurde Deutsch gesprochen. Wer dagegen verstieß, der musste in die Mannschaftskasse zahlen. „Nur wir verstanden diese Art von Deutsch“, sagt er lachend, „aber es hat funktioniert. Wir haben uns auf dem Spielfeld bestens verstanden und sind jedes Jahr besser geworden.“

Schülerteams aus Kroatien, Deutschland, Ungarn

Tochter Nya hatte in Berlin im Kindergarten Deutsch gelernt. Denis Špoljarić findet es wichtig, dass sie diese Kenntnisse ausbaut. Deshalb besucht sie die Grundschule „Augustinčić“ in Zaprešić, in der sie ab der ersten Klasse Deutsch lernen kann. Auch deshalb ist ihr Vater ein Fan des Internationalen Handball-Turniers „DSD-CUP Zaprešić“ das seit sechs Jahren in seiner Heimatstadt an zwei Tagen im November ausgetragen wird. Das Turnier fördert die Begegnung von Jugendlichen über die deutsche Sprache. Schülerteams aus Kroatien, Deutschland, Österreich, Slowenien, Ungarn und der Ukraine nehmen teil. 2016 spielte außer den sechs Jugendmannschaften erstmals das Handball-Team TED mit, das Team Europäischer Handball-Diplomaten, mit Diplomaten aus den Botschaften der fünf am Turnier beteiligten Länder. Denis Špoljarić ist als Teamkapitän dabei.

Tolle Aufwertung für das internationale Turnier

Vor einem Jahr spielte TED erstmals beim Turnier in Zaprešić, und zwar gegen das Team Zeus, was für Zentral Europäische Schüler steht und aus Spielern aller am Turnier beteiligten Mannschaften bestand. Das begeistert auch Georg Clarke, den Vizepräsidenten des Deutschen Handball-Bunds und einer der wichtigen internationalen Unterstützer des Turniers: „Die Teilnahme eines Zentral-Europäischen-Diplomaten-Teams im Rahmenprogramm mit dem kroatischen Handball-Weltmeister Denis Špoljarić als Kapitän gibt der Veranstaltung nochmals eine tolle Aufwertung.“ Das Spiel der beiden Teams vor großer Zuschauerkulisse verläuft und endet fair mit 7:7. Špoljarić ist begeistert: „Diese Idee des Initiators muss man einfach unterstützen, denn sie bringt über den Handball, die Schule und die deutsche Sprache Menschen aus so vielen Ländern zusammen: das perfekte Paket.“ An der Universität in Split hat er inzwischen ein Sport-Studium aufgenommen, später möchte er Trainer werden.

Quelle: F.A.Z.
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