Anzeige

Islandpferde

Misten und arbeiten für das eigene Islandpferd

Von Lea Kroiher, Karolinen-Gymnasium, Rosenheim
 - 12:04

Duftendes Heu, zufriedenes Schnauben, eine Katze mit einer Maus im Maul huscht durch die Stallgasse. Es ist Samstag, acht Uhr morgens auf einem Islandpferdehof in Happing, Oberbayern. Rund 120 Isländer strecken ihre Köpfe durch die Fressgitter und kauen zufrieden ihr Heu. Die Robustpferde werden ganzjährig draußen in Herdenverbänden gehalten. Während die „Isis“ gemütlich weiterfressen, fährt Christian Oberauer mit einem Traktor durch die Offenstallungen und schiebt den Mist weg.

Anzeige

Der 16-Jährige besucht die 10. Klasse des Raublinger-Gymnasiums bei Rosenheim. Er ist braungebrannt, hat blonde Haare, durchtrainierte Arme, einen athletischen Körper und trägt dreckige Kleidung – und passt so gar nicht in das Bild eines typischen Turnierreiters, den man sich fein angezogen mit gegelten Haaren vorstellt. Samstags arbeitet er von sieben bis zwölf Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Stall, um die monatliche Stallmiete von rund 300 Euro zahlen zu können und sein Taschengeld aufzubessern. Dafür fährt er 20 Kilometer von Nussdorf nahe der österreichischen Grenze mit dem Fahrrad zum Hof.

Sie beherrschen auch den Tölt

Zu seinen Aufgaben zählen das Ausbilden junger Pferde, die Pferdepflege und Stallarbeit. Dabei ist dieser Job gar nicht so ungefährlich. „Manche Jungpferde buckeln und steigen so lange, bis man am Boden liegt“, schildert Christian lachend. Bis auf ein paar Prellungen hat er sich bis jetzt noch nie verletzt. Nach der Arbeit reitet er noch die Pferde von Einstellern und schließlich sein eigenes Pferd. Den sechsjährigen Wallach Noi hat er vor eineinhalb Jahren gekauft und selbst ausgebildet. Inzwischen reitet er Turniere mit ihm.

Seine größten Erfolge bisher waren ein erster Platz bei der Steirischen Meisterschaft und ein dritter Platz bei der Bayerischen Meisterschaft. Das Besondere an Isländern ist, dass sie neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch den Tölt und manche den Rennpass beherrschen. „Der Tölt ist ein Viertakt und hat keine Sprungphase, deshalb ist er sehr bequem, man fühlt sich, als würde man schweben. Rennpass reiten ist eigentlich unbequem, weil er ein Zweitakt mit Flugphase ist, das heißt, es fühlt sich ziemlich holprig an. Aber das hohe Tempo macht es wieder wett“, erklärt Christian. Es gibt eigene Isländer- Turniere mit speziellen Prüfungen.

Anzeige

Unterbrochen von einer Flugphase

Die meisten Prüfungen werden auf einer 250 Meter langen Ovalbahn geritten: Dabei kommt es darauf an, die Gangarten in vorgegebenen Zeiten in verschiedenen Tempi vorzustellen. Sowohl die Einwirkung und der Sitz des Reiters als auch die Form und Durchlässigkeit des Pferdes werden bewertet. Ein durchlässiges Pferd reagiert harmonisch und willig auf die Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters. Außerdem gibt es spezielle Passbahnen, auf denen Passrennen stattfinden. Dabei wird die Schnelligkeit der lateralen Gangart bewertet, bei der die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd, unterbrochen von einer Flugphase, abfußen. Es gibt auch Dressur- und Springprüfungen. Alle zwei Jahre findet die Isländer Weltmeisterschaft statt, dieses Jahr in Oirschot in den Niederlanden.

Von den Wikingern geritten

Gerade in Deutschland sind Isländer aufgrund ihrer Vielseitigkeit beliebt. Sie sind durch ihre ruhige Art perfekte Familien- und Freizeitpferde. Islandpferde kann man erst ab rund vier Jahren einreiten, da sie Spätentwickler sind. Sie können bis zu 35 Jahre alt werden. Selbst Christian ist für die 1,29 bis 1,48 Meter großen Isis mit seinen 1,81 Metern nicht zu groß. Diese wurden vor über 1000 Jahren auf ihrer Heimatinsel Island sogar von den Wikingern mit ihren schweren Rüstungen geritten. Christian möchte später eine eigene, kleine Zucht haben.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenIslandRosenheimIS

Anzeige