Islandreise

Wie schön es ist, wenn Feuer und Eis aufeinandertreffen

Von Katharina Salbaum, Dossenberger-Gymnasium, Günzburg
 - 17:30

Auf die Frage, ob er Island als Urlaubsziel empfehlen würde, antwortet Xaver Aubele mit einem klaren Ja. Der ehemalige Bauingenieur aus dem schwäbischen Weisingen hat die Insel im Norden 1979 und 2016 besucht. „Wegen der schönen und einmaligen Landschaft. Jeder, der dort war, wird hinterher sagen: Es war eigentlich viel zu kurz“, sagt er. Die knapp 323 000 Menschen, von denen fast 120 000 in der Hauptstadt Reykjavík leben, teilen sich eine Insel, auf der Feuer und Eis aufeinandertreffen. Der bekannteste Vulkan ist Eyjafjallajökull, der im Jahr 2010 ausbrach und weltweit für Aufsehen sorgte. Island ist die Insel auf dem Pulverfass, das jederzeit in die Luft gehen kann. Seit einiger Zeit ist der Vulkan, der im Volksmund auch als „große, böse Katla“ bezeichnet wird, überfällig und wird von Experten im Auge behalten. Der letzte Ausbruch vor knapp hundert Jahren war verheerend, selbst heute mit moderner Technik und Transportmitteln sind die Folgen einer erneuten Lavawelle kaum abzusehen.

Szenen für James Bond

Aber nicht nur feuerspuckende Vulkane gibt es zu bestaunen, auch weitläufige Gletscherregionen sind auf Island verbreitet. Diese werden meist nicht etwa als Skigebiete genutzt, sondern von den Isländern geschützt. Die großen Eismassen haben über die Jahrhunderte hinweg eine einzigartige Landschaft geschaffen, selbst dort, wo kein Schnee mehr liegt und das Eis längst getaut ist. Manche Berge wurden durch die Bewegungen der Gletscher geformt, noch heute sind die Spuren zu sehen. Auch an Islands weißen Plätzen zeigen sich beeindruckende Landschaften, so an der Gletscherlagune Jökulsárlón, wo Touristen auf einer Bootstour etwas über die Geschichte des angrenzenden Gletschers erfahren. Vor einigen Jahren hatte man die Verbindung zwischen Lagune und Meer abgesperrt, damit dort das Eis dick genug wurde, um darauf einige Szenen für den James-Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“ zu drehen.

Nur gelegentlich sahen sie ein Auto

Der Vulkan Eyjafjallajökull brachte Island weltweit Medienaufmerksamkeit und wird für den gewachsenen Tourismus verantwortlich gemacht. Er sei eine gute Werbung für die Insel gewesen, meint Xaver Aubele, aber für den einzigen Grund hält er ihn nicht. Während andere Urlaubsorte damit zu kämpfen hätten, höre man aus Island nichts von Anschlägen und Gewaltausbrüchen. „Aber der Tourismus hat sicher vorher schon zugenommen“, sagt der 76-Jährige. Bei seinem ersten Besuch in Island hat er jedenfalls kaum Touristen gesehen. „Nach acht Tagen haben wir an der Ostküste ein paar Österreicher getroffen, die mit uns im Flieger waren. Das war eine Gruppe mit 25 Wanderern. Ansonsten hat man nur mal gelegentlich ein Auto gesehen. Am Tag vielleicht zwei.“ Ganz anders vor zwei Jahren. Beim ersten Mal hatte er die Insel praktisch für sich allein, nun wimmelt es überall von Menschen. Besonders an den Geysiren oder dem Wasserfall Gullfoss war der Andrang groß. Auch die Unterbringung habe sich seit damals verändert. „Außer in Reykjavík und Akureyri gab es nur Sommerhotels. Also Schülerinternate, die im Sommer als Hotels benutzt wurden. Es hat keine Hotels gegeben so wie jetzt.“

Kaum Kontakt mit den Einheimischen

Der Island-Tourist hat zweimal eine Rundfahrt um die gesamte Insel gemacht und einige Veränderungen bemerkt. „Am deutlichsten verändert hat sich, dass in Island wieder Bäume stehen. Tausende von Bäumen sind gepflanzt worden. Damals war der höchste Baum des Landes zwölf Meter hoch. Eine Fichte.“ Nur Pflanzgärten habe es gegeben, 2016 jedoch hat er in einem Hotel übernachtet, das in einem kleinen Wald steht. Bei der Infrastruktur hat sich einiges getan. „Es hat nur Schotterpisten gegeben“, erinnert er sich. „Nur eine ganz kurze Strecke war asphaltiert.“ Seine jüngste Rundreise sei daher wesentlich angenehmer gewesen. Aber nicht nur das Land und der Tourismus haben sich verändert, auch die Menschen seien anders, sagt Xaver Aubele. 1979 hätte er viele Isländer in den Hotels getroffen, wurde dort von ihnen versorgt. „Wenn sie Deutsch gesprochen haben, dann sehr gut. Damals haben erstaunlich viele Deutsch gesprochen, sie sind immer freundlich gewesen zu uns. Einmal sind wir an einem Bauernhof vorbeigekommen, dann sind Kinder von dem Hof bis runter zur Straße gekommen, haben ihre Kisten gepackt, aufgestellt und haben uns Mineralien verkauft, Fundstücke. Aber sie waren nicht aufdringlich, wie in anderen Ländern.“ Vor zwei Jahren hingegen hatte er kaum Kontakt mit der Bevölkerung, außer in den Läden. „Das Hotelpersonal ist jetzt ja viel beschäftigt.“

Stolz auf ihr Land

Heute sprechen und verstehen die meisten Menschen auf Island gut Englisch, schon von klein auf kommen die Kinder damit in Kontakt. Für Kinofilme oder Fernsehserien gibt es keine isländische Synchronisation, stattdessen sehen die Leute alles auf Englisch mit Untertitel. „Das bringt auch der Tourismus mit sich. Damals wäre keiner von uns auf die Idee gekommen, mit den Isländern Englisch zu sprechen. Die haben Isländisch gesprochen, und wenn sie gemerkt haben, dass wir Deutsche sind, hat es meist jemanden gegeben, der mit uns Deutsch gesprochen hat.“ Auch die Einstellung der Isländer zu ihrem Land habe sich gewandelt, so hat er beobachtet. „Man merkt, dass sie stolz auf ihr Land sind. Unsere Reiseführerin Julia vor zwei Jahren hat uns auch einige kleinere Orte abseits gezeigt, einfach weil sie uns zeigen wollte, wie schön es dort ist.“ 1979 habe er andere Erfahrungen gemacht. „Ganz besonders die jungen Leute, die wollten weg, woanders studieren. Die wollten alle nach Italien an den Strand. Sie dachten, da wäre es warm und schön und sie hätten einen genauso leeren Strand wie in ihrer Heimat.“

Sieben Universitäten

Bei seinem zweiten Besuch habe er von diesem Fernweh nichts mehr gespürt. Das kommt sicher einerseits vom wachsenden Selbstbewusstsein der Nation, als auch von Schutzmaßnahmen für die Landschaft und der gestiegenen Zahl an Universitäten. Sieben an der Zahl sind es aktuell. Eines sei auch nach 30 Jahren für ihn gleich geblieben, die außergewöhnliche Schönheit, die das Land zu bieten hat. Dort gibt es noch freie, unberührte Natur. Die Isländer bemühen sich nach Kräften, diese zu schützen.

Quelle: F.A.Z.
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