Kellertheater

Der Beifall ist die Gage

Von Julika Rehm, Hotelfachschule, Heidelberg
 - 12:24

Stimmengewirr dringt aus dem Keller nach oben zur Eingangstür. Über eine steile Treppe gelangt man in den Untergrund in ein behagliches Gewölbe. Allerdings sollte man darauf achten, nicht über den Techniker zu stolpern, ihm nicht in den Rücken zu fallen oder direkt auf dem Regiepult zu landen. Freitagabend, 19.30 Uhr. Der Einlass für das Stück „Fünf Frauen und ein Mord“ nach Gladys Heppleworth, einer Eigenproduktion des PiPaPo-Kellertheaters in der Fußgängerzone von Bensheim im Kreis Bergstraße, hat begonnen. Um 20 Uhr wird sich der blaue Vorhang für das Publikum öffnen. Den Besucher erwartet ein uriges Gewölbe mit Fotografien der Darsteller an den Wänden. Es gibt Bistrotischgruppen mit Platz für 70 Gäste. Den Mittelpunkt des Zuschauerraums bilden die Theke und ihr gegenüber die Bühne. Das Kellertheater ist ein eingetragener Verein, der sich über den Kartenverkauf, über Gelder der Stadt und einen Förderverein finanziert. Neben Eigenproduktionen finden Gastspiele statt. Dazu gehören Konzerte, Lesungen und Kabarett.

Nicht nur das Geld war knapp

Mittlerweile ist jeder Platz belegt. Barkeeper und Servicekraft haben alle Hände voll zu tun. Jürgen Rehm, der 68-jährige PiPaPo-Chef, erzählt lachend, dass es schon Gäste gab, die erst zehn Minuten nach Vorstellungsbeginn eintrafen und fragten, ob das Stück schon angefangen habe oder ob das noch der Vorspann sei und ob sie noch Popcorn kaufen könnten. Die Vorstellungen der kommenden Wochen sind bereits ausverkauft. „Als ich vor 14 Jahren das Theater übernahm, war daran nicht zu denken“, sagt Rehm. Er ist auch Regisseur. „Wir mussten damals fast bei null anfangen. Das Geld war knapp, die Zuschauerzahlen waren gering, die Stimmung war schlecht, und die Gerüchteküche brodelte.“ Damals wollte der Vorstand zurücktreten, Rehm wurde die Position des ersten Vorsitzenden angeboten.

Lehrer, Musikwissenschaftler und Leiter

Obwohl er „nie hatte Lehrer werden wollen“, arbeitete er jahrzehntelang als Fachleiter und Gymnasiallehrer. Dabei wäre der promovierte Musikwissenschaftler lieber Dramaturg geworden. So überlegte er nicht lange und übernahm die Leitung des Theatervereins, elf Jahre lang machte er das nebenberuflich. Im Jahr 2015 wurde er pensioniert. Von Beginn an inszenierte er je Spielsaison mindestens zwei Eigenproduktionen, ein Abend- und ein Kinderstück. Aktuell sind es drei Eigenproduktionen, zwei Abendstücke und ein Kinderstück. Neben dem Kriminalstück wird das Ein-Mann-Stück „Die Sternstunde des Josef Bieder“ aufgeführt. Als Kinderstück stand bis Februar „Rumpelstilzchen“ auf dem Spielplan.

Dreimal in der Woche wird geprobt

Gegen 22.30 Uhr schließt sich der Vorhang. Das Publikum applaudiert begeistert. Das ist wohl die eigentliche Gage der Darsteller, die für ihre Auftritte lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten, und das obwohl sie fast jedes Wochenende auf der Bühne verbringen. Das Ensemble besteht ausschließlich aus Amateuren, die berufstätig, Studenten oder Schüler sind. „Wir sind nur nominell ein Verein. Tatsächlich sind wir ein richtig festes Schauspielensemble“, sagt Rehm. Eine besondere Belastung ist die Probenphase, wenn es auf die Premiere zugeht, dann wird bis zu drei Mal wöchentlich geprobt. In der Probenphase erhalten die Darsteller nicht einmal eine Aufwandsentschädigung. „Das funktioniert nur mit einer großen Leidenschaft für Theater, die Bühne und das PiPaPo.“ Wie kam es zu dem Namen? Rehm weiß es nicht und äußert vage die Vermutung, „dass die Wendung den kollektiven Wunsch nach einem Theater mit allem Drum und Dran zum Ausdruck gebracht haben könnte und damals einfach übernommen wurde.“

Quelle: F.A.Z.
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