Samuraischwerter

Samuraischwerter an der Mosel

Von Dardan Ramadani, Gymnasium Traben-Trarbach
 - 14:11

An einem Magnolienbaum vorbei geht es im verträumten Traben-Trarbach an der Mosel zur Firma Nihonto, einem Geschäft für allerlei Dinge rund um das japanische Schwert. Der Leiter Mike Prill, hauptberuflicher Restaurator und Gutachter, verkauft, restauriert und begutachtet seit 17 Jahren antike japanische Kunstschwerter. Aufträge erhält er aus aller Welt, weshalb er immer alle Hände voll zu tun hat. Prill, ursprünglich aus Witten an der Ruhr, zog vor rund acht Jahren nach Traben-Trarbach und betreibt dort den seltenen Beruf des Schwert-Restaurators. „Die Techniken sind äußerst komplex, da man es hier mit Holz- und Metallverarbeitung, Oberflächenbearbeitung und Lacktechniken zu tun hat und sehr präzise und vorausschauend arbeiten muss. Der kleinste Fehler sorgt dafür, dass die zeitaufwendige Arbeitskette unterbrochen wird, weshalb ich dann wieder von vorne beginnen kann“, erklärt er.

Sensei im örtlichen Dojo

Der Beruf, für den es keine einheitliche Ausbildung gibt, setzt sich aus verschiedenen Tätigkeiten, die sich alle mit unterschiedlichen Teilen des Schwertes beschäftigen, zusammen, deren Lehrzeit sich von fünf bis hin zu mehr als zwanzig Jahren erstrecken kann: die des Schwertpolierers (Togishi), des Griffwicklers (Tsukamakishi), des Schwertgriff- und Schwertscheidenbauers (Sayashi), des Parierscheibenbauers (Tsubabauer) und des Beschlagteilbauers (Kodogumacher). Meister dafür seien auch in Japan selten geworden. So habe er sich alles selbst beigebracht. Wie ist er auf diesen Beruf gestoßen? Angefangen hat es mit seiner Ausbildung zum Gold- und Silberschmied sowie seiner Tätigkeit im lokalen Iaido-Verein. Zu dieser Zeit hat er für Vereinskollegen Schwertteile restauriert, da der Kodogumacher in Japan häufig auch Gold- und Silberschmied ist. Das fand Prill irgendwann so interessant, dass er sich mehr Wissen aneignete und lernte, wie ein Griff gewickelt wird und wie man Griffkappen anfertigt, so dass er das Hobby zum Beruf umwandelte. Durch seinen Vater Norbert fing er im Alter von sechs Jahren mit der Kampfkunst an. Der Architekt aus dem Ruhrgebiet ist nämlich Sensei im örtlichen Dojo für japanische Schwertkampfkunst (Iaido), japanischen Stockkampf (Iodo) und Kendo, eine japanische Kampfsportart, in der mit Bambusschwertern, sogenannten Shinais, gekämpft wird.

80 Stunden für die Politur

In der unterirdischen Werkstatt zeigt Mike Prill seine Arbeitsflächen, auf denen er mit verschiedenen Steinen und anderen Mitteln die teils uralten Schwertscheiden und Langschwerter bearbeitet. Auf einer liegt eine noch unfertige Arbeit, ein Schwert, dessen Saya neu lackiert werden musste. „Die Arbeitszeit muss man aufteilen, denn die verschiedenen Tätigkeiten sind unterschiedlich zeitaufwendig. So nimmt eine traditionelle Politur an der Klinge mit japanischen Steinen in der Regel 80 bis 90 Stunden in Anspruch, zum Teil aber auch wesentlich mehr, je nach Beschädigung der Klinge. Der Bau der Saya, der Schwertscheide, kann, inklusive Lackieren, eine gesamte Arbeitswoche in Anspruch nehmen, wobei das bei einer komplizierten Lackierung auch länger dauern kann. Währenddessen dauert beispielsweise das Wickeln des Griffes allein ungefähr zwölf Arbeitsstunden.“ Das spiegelt sich in den Preisen wider. So kostet eine Schwertpolitur bei einem Langschwert, einem Katana, je nach Zustand der Klinge mehr oder weniger. Schließlich kann es sein, dass die Politur nur etwas blind geworden ist, dass die Klinge nur leicht zerkratzt oder auch stark verrostet ist, weshalb die Politur zwischen 1000 und 2000 Euro kosten kann.

Bambuslangflöten buddhistischer Mönche

Der 43-Jährige hat schon mehrere Berufe ausgeübt: Der Gold- und Silberschmied hat Handwerk und Bildende Kunst auf Lehramt studiert und in der Oberstufe einer Privatschule im Ruhrgebiet unterrichtet. Das seien seine Traumberufe gewesen, doch am meisten liebe er die Komplexität seiner Arbeiten als Schwert-Restaurator, auch wenn diese manchmal anstrengend werden könnten. Über der Werkstatt führt Prill ein Geschäft rund um antike Schwerter und die Schwertkunst. In Vitrinen eines Ausstellungsraums sind kunstvolle Beschlagteile und Stichblätter zu sehen. Es gibt Regale und Ständer mit traditionellen Kleidungsstücken, aber auch Trainingsbekleidung, Schwerter, Stöcke und Shakuhachi, japanische Bambuslangflöten, mit denen buddhistische Mönche meditieren. An der Wand hängen Schwerter und das Mon, eine Art Familienwappen der Familie, das eine graue Rose auf schwarzem Grund zeigt. Hier können auch Mitglieder des örtlichen Kendo- und Iaido-Vereins mit einem Rabatt Qualitätsausrüstung wie Rüstungen und Kleidung oder Sportschwerter, sogenannte Bokken und Iaitos, bestellen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAusbildungJapanMosel