Tanzsport

Getanzte Geschichten

Von Antonia Saath, Gymnasium Oedeme, Lüneburg
 - 12:24

Schon beim Betreten der Sporthalle Oedeme in Lüneburg hört man poppige Musik. Frauen und Mädchen drehen sich um die eigene Achse, bewegen sich flott und kommen mit einer Drehung wieder auf die Beine. Die Mischung der Bewegung, die die Tänzerinnen zeigen, und die Mischung der Musik, die sie dazu verwenden, lässt sich am ehesten mit dem Showtanz vergleichen. Birte Dreyer hat in Lüneburg mit ihren Tanzgruppen einen ganz eigenen Tanzstil geschaffen. Dabei werden Elemente aus vielen Tanzstilen verwendet und kombiniert. Die „Vivas“ erzählen mit ihren Tänzen Geschichten zu bestimmten Themen wie Krieg, Geistern, Irrenhaus, Weltraum, Showgeschäft, Puppen und Zeit.

Beim Thema „Geister“ beispielsweise stellen die Tänzerinnen die Geschichte von Geistern dar, denen zur Geisterstunde ein verliebtes Paar auf dem Friedhof begegnet, das sie auch zu Geistern verwandeln wollen. Dieses Paar befindet sich auf einem romantischen Spaziergang, was durch innige Drehungen, Bewegungen und Mimik ausgedrückt wird. Währenddessen beginnen die Geister zu erwachen. Dies zeigen die Tänzerinnen, indem sie zu Beginn starr auf dem Boden liegen und dann mit gruseligen Gesichtern in monotonen Bewegungen aufstehen. Dann ziehen sie die Frau des Paares weg, und durch Bildung eines Kreises um sie herum, verwandelt sie sich.

Boshaft und sentimental

Zum geisterhaften Kostüm zählt auch das Make-up: ein weißes Gesicht, schwarze Augenlider, blutige Lippen, Augen mit roten, weißen oder schwarzen Kontaktlinsen und zerzauste Haare. Dadurch werden die boshaften Grimassen der Tänzerinnen noch verdeutlicht. Auch eine sentimentale Seite wird zum Ende des Tanzes gezeigt. Dafür wird weiche, gefühlvolle Musik verwendet, und die Tänzerinnen bewegen sich paarweise dazu. So trifft auch das zu Geistern verwandelte Paar wieder aufeinander. Und der Tanz endet mit wieder einschlafenden Geistern, die dabei ein Herz bilden. Für solche Tänze sind die „Vivas“ bekannt. Neben der Technik gibt es viele Geschichten und Emotionen. Die Schritte zu den Geschichten überlegen sich die Tanzgruppen eigenständig und kombinieren sie.

Dieser eigene Tanzstil hat mittlerweile so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene begeistert, dass aktuell zwölf verschiedene Tanzgruppen zur Viva-Dance-Abteilung gehören. Darunter sind sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Tanzgruppen, auch die Wettkampfgruppen. Bei ihnen ist der Aufwand um einiges größer, und die Arbeit wesentlich härter. Neben dem normalen wöchentlichen Training müssen die Tänzerinnen zur sogenannten Power Hour kommen. Dort wird Kraft- und Koordinationstraining absolviert und intensiviert. In der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung stehen auch Trainingsstunden an den Wochenenden an. „Ich glaube, acht Stunden an jeweils beiden Wochenendtagen war unser Rekord“, berichtet Anna Herkes, Tänzerin der Wettkampfgruppe „Viva – NoNames“. Sie lacht dabei. „Denn letztlich wissen wir, dass es nötig ist.“

Konzentration, Ehrgeiz, Freude

Man sieht den Tänzerinnen an, wie viel Konzentration und Ehrgeiz, aber vor allem auch Freude jede verspürt. Darauf deutet der Name Viva, der die pure Freude am Tanzen ausdrücken soll. „Ich wollte als Jugendliche unbedingt tanzen“, sagt Gründerin Birte Dreyer. „Aber nichts von dem, was angeboten wurde, sprach mich an. Ich wollte nicht nur Technik lernen, sondern Emotionen beim Tanzen erleben.“ So entschloss sich die Sozialpädagogin, die als Aerobic- und Fitnesstrainerin für den VfL Lüneburg tätig ist, Tanztrainerin und Choreographin zu werden. Birte Dreyer ist in einer 30-Stunden-Woche als Leiterin einer Jugendhilfeeinrichtung bei der Stadt Winsen (Luhe) angestellt. Dort hilft sie Jugendlichen, die wegen Benachteiligungen Schwierigkeiten haben, am sozialen Leben teilzunehmen. Ihre Teilzeitanstellung gibt ihr die Möglichkeit, auch neun Stunden in der Woche für den VFL Lüneburg tätig zu sein. So kommt es, dass vor 18 Jahren „Viva-Dance“ ins Leben gerufen wurde und heute einige Pokale im „Viva-Zimmer“ in ihrem Haus stehen. Darunter zählen Gewinne der Wettkämpfe German Dance Trophy, Dance 2U und Müritz Dance Coup. Zu den größten Erfolgen zählen Mehrfachteilnahmen beim „Feuerwerk der Turnkunst“ und die Gewinne des Titels „DTB-Showgruppen“.

Neben dem eigenen Tanzstil zählt zum Erfolgskonzept der Zusammenhalt der Gruppen. Birte gibt ihren Schützlingen auch die Bedeutung von Teamgeist mit auf den Weg. Bei Auftritten und Wettkämpfen machen die zusehenden Gruppen der „Vivas“ ordentlich Stimmung für die auftretende Gruppe. Die Gruppen fahren gemeinsam zu Trainingscamps und feiern zusammen. Während Dreyer zu Beginn alle Gruppen selbst trainiert hat, ist dies mit der heutigen Anzahl nicht mehr zu bewältigen. Die drei anderen Trainerinnen stammen aber aus den Reihen der „Vivas“. Die aktuellen Wettkampfgruppen sind neben den „Viva Forevers“, die „Viva NoNames“, die „Viva Maniacs“ und die Gruppe „The Viva Fusion“.

Quelle: F.A.Z.
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