Tierfriedhof

Ruhestätte für Hunde und einen Gecko

Von Vivian Maas, Tannenbusch-Gymnasium, Bonn
 - 14:23

Auf dem gepflegten Grab ist eine Schiefertafel aufgestellt. Sie zeigt einen Hund mit langem, dichtem Fell und kugelrunden Augen. Vielleicht hat er einst in einer Familie gelebt und ist dort der beste Freund der Kinder gewesen. Vielleicht war er aber auch der treue Partner eines betagten, alleinstehenden Menschen, der ihn liebte. Wo und wie der abgebildete Hund gelebt hat, bleibt dem Betrachter des Grabes unbekannt. Gewiss ist nur, dass der Vierbeiner seine Ruhe gefunden hat. Die Wiese, auf der sich das mit einem weiß-grünen Blumenkranz verzierte Grab befindet, ist ein Teil des Tierfriedhofs Bönnschenhof im rheinländischen Königswinter.

Sie wurden belächelt

Es ist eine außergewöhnliche Idee, einen Friedhof ausschließlich für Tiere zu errichten. Das bestätigt auch Betreiberin Ricarda Jankowski. „Zunächst wurden wir eher belächelt: Einen Friedhof für Tiere? – ihr seid doch verrückt!, sagte man uns.“ Doch das Image von Haustieren hat sich gewaltig verändert, denn die Zeiten der Kettenhunde, die Häuser bewachen, und Katzen, die bloß für die Jagd von Mäusen angeschafft werden, sind in der Regel Vergangenheit. Heutzutage wird das Tier oft als ein Familienmitglied angesehen, das nicht unbedingt vermenschlicht, aber immerhin menschenähnlich behandelt wird. Somit gehört es für viele Besitzer dazu, ihrem jahrelang treuen Haustier einen würdevollen Abschied zu bereiten. „Unser Tierfriedhof ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet. So können die Angehörigen jederzeit, wenn ihnen danach ist, ihr verstorbenes Tier besuchen kommen“, erklärt Jankowski.

Das Erzählen gehört dazu

Neben der Empathie, Tierliebe und dem Verständnis ist auch die Freundlichkeit eine Eigenschaft, die für die Arbeit als Tierbestatter wichtig ist. Diese Charakterzüge besitzt Jankowski, deren Augen durch die Gläser ihrer Brille lächeln. Bei dieser Lebensfreude vergisst sie niemals den Ernst, den das Thema Tod – egal, ob der eines Menschen oder eines Tieres – begleitet. „Natürlich ist eine Bestattung immer ein trauriger Anlass. Andererseits empfinde ich es als schön, den Menschen im Trauerfall zu helfen und sie zu unterstützen. Dazu gehört, dass die Menschen uns von ihren Tieren erzählen – von lustigen, skurrilen oder auch traurigen Erlebnissen“, sagt die gelernte grafische Zeichnerin. Manche Bestattungen sind dennoch ganz besonders bewegend. „Vor kurzem haben wir einen erst wenige Monate alten Welpen beigesetzt.“ Er war aus einer schlechten Haltung gerettet worden, hatte es letztendlich aber nicht geschafft. „Wenn man bedenkt, dass die schönen Seiten des Lebens noch vor ihm lagen, ist das umso trauriger.“ Die Hündin von Ricarda Jankowski tollt freudig über die großzügige Wiese. Sanft streift der Wind durch ihr langes, seidiges Fell, das in der Sonne glänzt. Ob sie später auch auf dem Hof ihres Frauchens ihre letzte Ruhe finden wird?

Ihre Schwester ist Friedhofsgärtnerin

Bisher gibt es noch keinen anerkannten Lehrberuf für diese Tätigkeit. „Der Bundesverband der Tierbestatter, zu dessen Mitgliedern auch der Bönnschenhof gehört, setzt sich allerdings stark dafür ein, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird“, berichtet Jankowski. Sie habe sich den Beruf langsam angeeignet, die Idee dazu kam vor etwa zwanzig Jahren eher zufällig auf. „Als der Hund meiner Freundin verstarb, fragte sie mich, ob sie ihren Boxer nicht bei uns beerdigen könne.“ Die Gelegenheit bot sich, denn das Land des Hofguts, auf dem Ricarda Jankowski aufgewachsen ist, war nach der Einstellung des einstigen landwirtschaftlichen Betriebs ungenutzt. „Meine Schwester ist zudem Friedhofsgärtnerin – von daher ist uns das Thema nie wirklich fremd gewesen. Leben kann man von der Arbeit als Tierbestatter aber nicht.“

Papageien, Ratten und eine Möwe ruhen hier

Mittlerweile befinden sich auf dem großflächigen Wiesenstück Gräber von Hunden, Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen, aber auch Papageien, Ratten, ein Gecko und eine Möwe ruhen hier. Zwischen den Gräbern stehen zarte Bäume. Die Kieselsteine, die den Weg durch das Grundstück zieren, glänzen im Sonnenlicht. Im hinteren Teil der Wiese teilt sich der Pfad und macht Platz für einen hohen, schmalen Stein, der an der Weggabelung steht. Um den Stein herum sind unzählige Kerzen, Bilder, Blumensträuße und kleinere Steine mit eingravierten Namen und Daten aufgestellt. Es sind die Namen der Tiere, die anonym, also auf einem ausgewiesenen Wiesenstück, ohne Einfassung, Bepflanzung oder Gedenkstein, begraben worden sind. „Die Besitzer der Tiere können sich zwischen einem anonymen und einem Reihengrab entscheiden. Wir arbeiten aber auch mit einem seriös und familiär geführten Tierkrematorium zusammen, sodass wir außerdem Feuerbestattungen anbieten können. Die meisten Besitzer entscheiden sich dazu, ihr Haustier so bestatten zu lassen, wie sie es für sich selber haben wollen würden.“

Zwischen Kerzen und einer Box mit Taschentüchern

Bevor das Tier beerdigt wird, haben die Besitzer noch einmal die Möglichkeit, sich von ihrem Liebling zu verabschieden. Dies geschieht in dem mit Holz verkleideten Häuschen, das sich am Rand der Wiese befindet. Dort stehen auf der linken Seite einige Stühle um einen runden Tisch, auf dem eine Box mit Taschentüchern bereitsteht. In der anderen Ecke des Raumes befindet sich ein Tisch mit einem Sarg, der von Kerzen umgeben ist. Hier wird das Tier noch einmal aufgebahrt. „Die Verabschiedungen verlaufen ganz unterschiedlich“, sagt Ricarda Jankowski. „Manche Besitzer machen noch ein letztes Foto mit oder von ihrem Tier, andere schneiden sich ein wenig Fell ab, welches sie als Andenken behalten.“

Sogenannte Familiengräber

Später wird das Tier bestattet. „Es gibt bei uns fünf verschiedene Größen der Gräber. Auch wenn auf unserem Friedhof nur Kleintiere und keine Nutztiere bestattet werden können, haben wir schon einmal einen 90 Kilogramm schweren Neufundländer hier begraben.“ Es gibt auf dem Bönnschenhof auch sogenannte Familiengräber, in denen mehrere Tiere eines Besitzers ihre Ruhe finden können. „Wir lernen mit jeder Bestattung ganz verschiedene Geschichten und Familien kennen. Letztens haben wir das Tier einer türkischen Familie bestattet. Da war es ein Brauch, dass nach der Beerdigung eine Teigware gegessen wird. Also wurden nachher kleine Schokobrötchen an alle verteilt, die wir dann zusammen gegessen haben.“ Individuell sind ebenso die Gräber geschmückt. Auf manchen befinden sich viele Blumen, Keramikfiguren, das Lieblingsspielzeug des verstorbenen Tieres, bunte Windräder oder auch Landesflaggen. „Auf unserem Hof sind mitunter französische und niederländische Tiere begraben“, erklärt Jankowski. Doch egal, ob die Besitzer von weit her oder aus der Nachbarschaft kommen: „Die Menschen freuen sich, dass sie heutzutage auch andere Möglichkeiten haben, als ihren Liebling nur beim Tierarzt zu hinterlassen.“

Quelle: F.A.Z.
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