Wohl antisemitische Motive

Weitere Stolpersteine in Berlin-Neukölln gestohlen

 - 15:48

Die Zahl der gestohlenen Stolpersteine in Berlin-Neukölln hat sich offenbar auf 16 erhöht. Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin haben Anwohner in Neukölln am Mittwochmorgen weitere drei aus dem Gehsteig ausgegrabene Stolpersteine für von den Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Bürger gemeldet. Sie habe die Stellen aber selbst noch nicht in Augenschein nehmen können, sagte die Mitarbeiterin. Der Polizei waren die neuen Fälle noch nicht bekannt.

Die Behörden vermuten ein politisches – antisemitisches – Motiv hinter den Taten im Zusammenhang mit dem 9. November, dem Gedenktag an die Opfer der NS-Reichspogromnacht von 1938. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Eine Spur zu den Tätern gebe es bislang nicht, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Bis Dienstagabend waren in dem Berliner Bezirk bereits 13 gestohlene Stolpersteine bemerkt worden. Besonders betroffen ist die Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz. Die Gegend gilt als eines der Aktionsfelder der Berliner rechten Szene. Hier kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Attacken gegen Gewerkschafter, Buchhändler, Politiker oder Menschen, die sich gegen Rechts engagieren. Zuletzt brannte im Juli das Auto einer SPD-Politikerin.

„In dieser Form gab es das bislang nicht“

Nach Angaben der Leiterin der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, Silvija Kavcic, ist der massive Diebstahl der Gedenksteine in Berlin neu. „In dieser Form gab es das bislang nicht“, sagte Kavcic am Mittwoch. Beschmierungen und Schändungen der Steine komme immer wieder vor, aber keinen Diebstahl. Einen vergleichbaren Fall habe es 2012 in Greifswald gegeben, als vor dem 9. November alle Stolpersteine in der Hansestadt ausgegraben wurden.

Kavcic kündigte an, dass die gestohlenen Stolpersteine in Berlin zeitnah ersetzt werden. Es gebe eine große Spendenbereitschaft, sagte die Leiterin der Koordinierungsstelle.

Die „Stolpersteine“ sind ein bundesweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit den kleinen Betonquadern mit Messing-Oberseite wird vor der letzten freigewählten Wohnadresse an Menschen erinnert, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Seit 1996 wurden in Berlin weit mehr als 7.000 Stolpersteine für Juden, Sinti und Roma, Menschen aus dem politischen oder religiös motivierten Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der „Euthanasie“-Morde und für Menschen verlegt, die als vermeintlich „Asoziale“ verfolgt wurden.

Quelle: epd
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