220 Ermittler im Einsatz

Erpresser vergiftet Babynahrung

 - 12:40
© Polizei Konstanz, reuters

Ein unbekannter Erpresser droht der Polizei zufolge in einem bundesweit bedeutsamen Fall damit, Lebensmittel zu vergiften. Das teilte die Polizei Konstanz am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit. Der Täter drohte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne damit, am Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er fordert einen „niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag“. Angaben darüber, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen, machte der Täter nicht. Wie der Sprecher der Polizei mitteilte, nehme man die Drohung „sehr ernst“.

Der Täter hatte bereits am Samstag, den 16. September, kurz vor Ladenschluss fünf Produkte in einem Supermarkt in Friedrichshafen am Bodensee plaziert. Anschließend informierte er die Polizei. Diese konnte die Produkte nach eigenen Angaben in einem aufwendigen Prozess sicherstellen. Bei dem Gift handelt es sich laut Polizei um Äthylenglykol. „Es wurde in die Nahrung eingerührt“, sagte Ministerialrätin Petra Mock. Es handele sich um eine klare, süß schmeckende Flüssigkeit. „Schon 30 Milliliter sind bei Erwachsenen gesundheitsgefährdend“, sagte sie. Äthylenglykol müsse aber nicht tödlich sein, wenn rechtzeitig ärztlich dagegen vorgegangen werde, so Mock.

Bei den betroffenen Produkten handelte es sich unter anderem um Babynahrung. Darüber hatte zuerst die „Bild“ berichtet. Es seien aber auch andere Waren betroffen gewesen, so Polizeivizepräsident Uwe Stürmer, und bisher nur in Friedrichshafen.

Die Bevölkerung soll beim Einkauf aufmerksam sein

Der mutmaßliche Täter ist auf den Bildern der Überwachungskamera in dem betroffenen Markt zu sehen. Die Polizei beschreibt ihn als etwa 50 Jahre alt, mit schmalem Gesicht und schlanker Statur. Außerdem trägt der Mann, möglicherweise zur Tarnung, eine Brille. Besonders auffällig sind laut Polizei seine Mütze und die hellen Schuhe mit einem auffällig hellen Rand. Die Polizei bittet um Hinweise.

Die Polizei sprach von einem „herausragenden Fall“. Der Täter sei „skrupellos und nimmt Gesundheitsgefahren und den Tod von Menschen billigend in Kauf.“ Er drohe außerdem, die Waren auch im europäischen Ausland zu plazieren. Für die Geldübergabe habe er einen detaillierten Plan entworfen. Diese solle außerhalb des Bodenseekreises stattfinden. Wo genau, wollte die Polizei nicht sagen. In der Spitze seien 220 Ermittler im Einsatz, Chemiker noch nicht mitgerechnet. Auch der Verbraucherschutz gab an, die Kontrollen zu intensivieren, wo erforderlich. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber nicht möglich, zielgerichtet Lebensmittel aus dem Verkauf zu nehmen.

„Es gibt keinen Anlass zur Panik oder Hysterie“, so die Polizei. Aber die Bevölkerung solle beim Einkaufen aufmerksam sein. Wer im Laden oder Zuhause eine manipulierte Verpackung bemerke, solle sich an die Marktleitung wenden. Bei Gläsern ist beispielsweise darauf zu achten, dass der Deckel nach innen gewölbt ist und es beim Öffnen klackt.

Quelle: jant./dpa
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