Leiche in Dorf zurückgelassen

Fünfjähriges Albino-Mädchen in Mali entführt und getötet

 - 15:11

Ein Mord an einem Albino-Mädchen hat in Mali für Entsetzen gesorgt. Die fünfjährige Djéneba Diarra wurde am Sonntag von bewaffneten Männern aus dem Dorf Fana 125 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako entführt und enthauptet, wie die Polizei mitteilte.

Die Ermittler gehen von einem Ritualmord aus: In Teilen Afrikas kommt es immer wieder zu brutalen Angriffen auf Albinos, bei denen die Opfer verstümmelt oder getötet werden, weil ihren Körperteilen glücksbringende und magische Kräfte zugesprochen werden.

Die Kidnapper waren den Angaben zufolge in der Nacht zum Sonntag in den Hof eingedrungen, in dem das Mädchen mit seiner Mutter und seiner Schwester geschlafen hatte. Die Mutter versuchte zunächst, die Männer, die ihr Kind über eine Mauer zerrten, zu verfolgen, kehrte dann aber zu ihrer zweiten Tochter - ebenfalls ein Albino-Mädchen - zurück.

„Wir haben überall nach dem Mädchen gesucht“, sagte der Dorflehrer Oumar Diakité. „Wir haben ihre Leiche neben einer Moschee gefunden, aber sie hatte keinen Kopf.“ Dorfbewohner warfen der Polizei vor, das Dorf nicht ausreichend zu schützen. Aus Protest zündeten sie nach Angaben von Augenzeugen am Sonntag das Hauptquartier der paramilitärischen Polizei in Fana an, das teilweise abbrannte.

„Wir verlangen Gerechtigkeit“, sagte der Generalsekretär des Verbands der Albinos in Westafrika, Mamadou Sissoko, nach einem Besuch am Tatort. „Ihr Kopf wurde mitgenommen. Das war ein Ritual-Verbrechen.“

Albinismus ist eine genetisch bedingte Störung der Pigmentbildung in Haut, Haaren und Augen. In vielen afrikanischen Ländern werden Albinos diskriminiert. In Ländern wie Malawi, Mosambik, Tansania und Simbabwe werden jedes Jahr zudem dutzende Albinos angegriffen, getötet und verstümmelt. Selbsternannte Medizinmänner verwenden ihre Körperteile, um daraus Zaubertränke zu brauen, die Glück und Wohlstand bringen sollen.

Mali ist das Heimatland des bekannten Sängers Salif Keita, der selbst Albino ist. Er setzt sich seit Jahren für den Schutz der Betroffenen ein.

Quelle: AFP
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