Kriminalität
Gestohlenes Kunstwerk

Das wertvolle Borghorster Kreuz ist wieder da

Von Reiner Burger
© dpa, F.A.Z.

Felix Genn machte es am Freitagmorgen bis zuletzt spannend. Kurzfristig hatte der Bischof von Münster zu einer Pressekonferenz gebeten, „um über einen Sachverhalt zu informieren, der die Öffentlichkeit sicher interessieren wird“. Pünktlich um 9.45 Uhr schritt Genn dann im Bischofshaus am Domplatz durch eine Tür – und in seinen Händen hielt er das lange verschollene Borghorster Reliquienkreuz. „Ich heiße ja Felix“, sagte der Bischof, „und heute bin ich auch der Glückliche.“

Das vergoldete und mit Halbedelsteinen verzierte Kreuz aus dem elften Jahrhundert gilt als eines der herausragenden Zeugnisse sakraler Kunst der Salierzeit. Am hellichten Tag hatten drei Männer in der katholischen Pfarrkirche St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst am 29. Oktober 2013 die diebstahlgesicherte Glasvitrine des Reliquiars eingeschlagen und das 40 Zentimeter hohe Kreuz mitgenommen.

Bischof Felix Glenn  am Freitag in Münster
© dpa, F.A.Z.

Die Männer, die einer libanesischen Großfamilie aus Bremen entstammen, konnten später festgenommen werden. Nach einem aufsehenerregenden Prozess in Münster wurden sie im Oktober 2015 wegen Diebstahls zu Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb und fünf Jahren verurteilt. Das Kreuz aber blieb verschollen.

Das Kunstwerk ist unversehrt geblieben

Bewegung kam in die Ermittlungen erst, als im September ein Verwandter der Täter in Bremen festgenommen wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dem Trio das Kreuz abgekauft zu haben. Der Mann bestreitet, Mittäter zu sein. Doch nach vielen Wochen in Untersuchungshaft teilte er den Ermittlern mit, er kenne den aktuellen Besitzer und könne das Kreuz womöglich an die Kirche zurückführen.

Am Dienstagabend konnten Mitarbeiter des Bistums Münster das wertvolle Stück dann tatsächlich wieder in Empfang nehmen – in einer Anwaltskanzlei in Bremen. Nach der Rückkehr des Kreuzes wurde der Haftbefehl gegen den 42 Jahre alten Mann, dem im März der Prozess gemacht werden soll, wegen des „gesunkenen Fluchtanreizes“ aufgehoben. Wie das Landgericht Münster zudem mitteilte, kann er wegen „der herausgehobenen historisch-religiösen Bedeutung des Stiftskreuzes“ nach dessen „unentgeltlicher Rückführung“ mit einem Nachlass beim Strafmaß rechnen.

Wo genau sich das Kreuz all die Jahre über befand, wollten Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Fest steht nach eingehender Begutachtung dagegen, dass das Kunstwerk mit einem Versicherungswert von mehreren Millionen Euro unversehrt geblieben ist. Bevor es in die Pfarrkirche St. Nikomedes zurückkehrt, sollen dort allerdings die Sicherheitsmaßnahmen eingehend geprüft werden.

Quelle: F.A.Z.
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