Hollywood-Produzent

Landet der Fall Weinstein nun beim Staatsanwalt?

 - 11:54

Seit Tagen melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die der Filmproduzent Harvey Weinstein belästigt hat. Schaltet sich jetzt die Staatsanwaltschaft ein? Sie hatte schon einmal gegen Weinstein ermittelt, damals kam es aber nicht zur Anklage. Ob wieder Ermittlungen gegen den 65-Jährigen aufgenommen werden, ist derzeit noch unklar.

New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance geriet unter Druck, weil sein Büro Weinstein nach den Ermittlungen vor zwei Jahren nicht angeklagt hatte. Vance beschuldigte seinerseits die New Yorker Polizei, nicht ausreichend Beweismittel für einen solchen Schritt geliefert zu haben. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Tonaufnahme der verdeckten Ermittlungen von 2015.

Weinstein ist bei dem Versuch zu hören, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er sie tags zuvor mutmaßlich begrapscht hatte. „Warum hast Du gestern meine Brust angefasst?“, fragt Gutierrez. „Oh bitte, es tut mir leid, komm’ einfach rein. Ich bin das gewohnt“, sagt Weinstein. „Du bist das gewohnt?“, fragt das damals 22 Jahre alte Model. „Ja, komm’ rein“, sagt Weinstein.

Schon 13 Frauen machen Weinstein Vorwürfe

Öffentlich gemacht hatte die Tonaufnahme das Magazin „New Yorker“. In dem Bericht erzählen die italienische Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento sowie zwei weitere Frauen, dass Weinstein an ihnen Oralsex verübt oder sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Insgesamt hätten 13 Frauen behauptet, zwischen den neunziger Jahren und 2015 von ihm sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs geworden zu sein.

Affäre Weinstein
Immer mehr Vorwürfe gegen Filmboss
© dpa, afp

Die französische Top-Schauspielerin Léa Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“, „James Bond 007: Spectre“) beschreibt im britischen „Guardian“, wie Weinstein in seinem Hotelzimmer auf sie gesprungen sei, um sie zu küssen. „Ich musste mich verteidigen. Er ist so groß und dick, dass ich viel Kraft brauchte, um mich zu widersetzen.“ Alle Mädchen hätten Angst vor Weinstein gehabt. „Er nutzte seine Macht aus, um Sex zu bekommen“, berichtet Seydoux. Das Ekelhafteste sei gewesen: „Jeder wusste, was Harveys vorhatte, und keiner tat etwas. Es ist unglaublich, dass er jahrzehntelang so handeln und trotzdem noch Karriere machen konnte.“

Frühere Vorsitzende und Kollegen in Weinsteins Unternehmen beschrieben, dass sie Zeuge seiner sexuellen Annäherungsversuche geworden sein oder davon gewusst hätten. Immer mehr prominente Schauspieler bezogen Stellung, nachdem Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Heather Graham ähnliche Vorwürfe gegen Weinstein erhoben hatten. Die aus London stammende Schauspielerin Cara Delevingne beschrieb auf Instagram einen Vorfall mit Weinstein, bei dem sie sich „machtlos“ gefühlt habe, als er sie in sein Zimmer einlud und versucht habe, sie auf den Mund zu küssen.

„Solche Sachen dürfen nicht passieren. Heute Morgen war mir absolut schlecht“, sagte Schauspieler Matt Damon dem Portal „Deadline“. Damon hatte mehrere Filme mit Produzent Weinstein gedreht. Sein Kollege Ben Affleck erklärte auf Twitter: „Ich bin traurig und wütend, dass der Mann, mit dem ich zusammenarbeitete, seine Machtstellung nutzte, um viele Frauen über Jahrzehnte einzuschüchtern, sexuell zu belästigen und zu manipulieren.“ Weil Affleck selbst im Jahr 2003 der Schauspielerin Hilarie Burton vor laufender Kamera an die Brust gefasst haben soll, kritisierten ihn aber viele Twitter-Nutzer für sein Statement.

Neben zahlreichen weiteren Filmgrößen wie Leonardo DiCaprio distanzierten sich auch ranghohe Demokraten wie Hillary Clinton und Barack Obama, die Wahlkampfspenden von Weinstein erhalten hatten. Zudem trennte sich Ehefrau Georgina Chapman (41) von Weinstein.

„Ich unterstütze ihre Entscheidung“, teilte Weinstein mit. Er habe eine Therapie begonnen und könne die Beziehungen vielleicht wieder aufbauen, wenn es ihm „viel besser“ gehe. Er übernahm die Verantwortung für das „viele Leid“, das seine Familie über die vergangene Woche erfahren habe.

Quelle: dpa
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