Gefährliche Szene?

Innenminister nehmen „Prepper“ in den Blick

Von Jörn Wenge
 - 14:30

Die Innenminister der Länder wollen die Szene der sogenannten Prepper unter die Lupe nehmen. Am Donnerstag kommen sie in Leipzig zu ihrer Konferenz zusammen. In Vorbesprechungen sei es einhellige Meinung gewesen, sagte ein Pressesprecher des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern FAZ.NET, „dass wir bundesweit ein Lagebild erstellen möchten“. Ziel sei es, abschätzen zu können, inwieweit innerhalb der Szene „Affinitäten zu Waffen oder extremistische Tendenzen“ bestehen. Die Vorbereitung auf Krisenfälle im Sinne des Katastrophenschutz sei zwar wünschenswert. Allerdings sehe man bei den Preppern durchaus Parallelen zur Reichsbürgerbewegung, die lange unterschätzt worden sei.

Der Begriff des Preppers stammt aus den Vereinigten Staaten. Er dient einer heterogenen Gruppe von Menschen zur Selbstbeschreibung, die sich auf kleinere oder größere Katastrophenszenarien vorbereiten wollen, indem sie etwa Vorräte im ausgebauten Keller horten oder lernen, in der freien Natur zu überleben.

In Mecklenburg-Vorpommern waren Ende August die Wohnungen sowie Arbeits- und Geschäftsräume zweier Männer durchsucht worden, denen die Generalbundesanwaltschaft die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorwirft. Laut Bundesanwaltschaft fürchteten die Männer vor allem wegen der Flüchtlingspolitik einen Verfall der politischen Ordnung der Bundesrepublik. Sie sollen Lebensmittel und Munition für legal beschaffte Waffen gesammelt und eine Liste erstellt haben, auf der sie Namen von Personen aus dem politisch linken Spektrum vermerkten. Ihnen wird vorgeworfen, geplant zu haben, diese Personen im Krisenfall anzugreifen oder gar zu töten. Einer der beiden Männer ist Polizeibeamter.

Weil sich die beiden Beschuldigten, die sich mit weiteren Personen in Chats ausgetauscht haben sollen, offenbar dem Prepper-Spektrum zuordnen ließen, hat das Land Mecklenburg-Vorpommern bereits eine Kommission gebildet. Deren Mitglieder, darunter etwa Vertreter von Ermittlungsbehörden, dem Verfassungsschutz und Sozialwissenschaftler, sollen das Phänomen analysieren.

Zu einem Nachfrageschub führte das neue Zivilschutz-Konzept

Tatsächlich fehlen bisher wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu den Preppern. Fest steht, dass beinahe jedes Wochenende in Deutschland Kurse stattfinden, in denen Menschen dafür bezahlen, dass ihnen jemand zeigt, wie sie für ein paar Tage im Freien ohne fließendes Wasser, Strom und die Fülle eines Supermarktregals zurechtkommen. Mitunter gehört auch das Erlernen von Kampftechniken oder etwa die Tötung und das Ausnehmen eines Hasen zum Programm. Unter den Anbietern sind auch ehemalige Angehörige von Polizei und Bundeswehr.

Zu einem Nachfrageschub in Deutschland führte im vergangenen Jahr die Vorstellung eines neues Konzepts der Bundesregierung für den Zivilschutz. Dieses hält die Bevölkerung dazu an, für den Katastrophenfall vorzusorgen. Prepper-Geschäfte, die über das Internet Gaskocher, Militärrucksäcke und haltbare Nahrung wie Panzerkekse vertreiben, bemerkten in der Folge einen deutlichen Anstieg der Bestellungen. Videos von Preppern auf Youtube werden ohnehin zehn- und hunderttausendfach geklickt.

Eine Vorbereitung im Sinne des Katastrophenschutzes ist den Behörden willkommen. Viele Prepper bekunden, dass es ihnen auch nur darum geht, und nicht um etwaige Bürgerkriegsszenarien. Sie sagen, dass sie etwa bei einem längeren Stromausfall zurechtkommen möchten. Auch Menschen, die sich von der Natur entfremdet fühlen und lernen wollen, zumindest für ein paar Stunden oder ein Wochenende ohne die Annehmlichkeiten der Industriegesellschaft überleben zu können („Bushcrafter“), sind unter den Preppern.

Gleichwohl gibt es auch Prepper, die erhebliche Zweifel am Fortbestand der staatlichen Ordnung haben und sich auf Bürgerkriegsszenarien vorbereiten wollen. Die Flüchtlingskrise und Terroranschläge haben sie in ihrer Angst vor einem Kontrollverlust bestärkt. Dieses Unbehagen wird mitunter von verschwörungstheoretischen Ansätzen und einem Misstrauen in die Berichterstattung etablierter Medien flankiert. So ist es nicht verwunderlich, dass etwa der Kopp-Verlag im Internet Prepper-Zubehör vertreibt.

In den Vereinigten Staaten existiert sogar eine regelrechte Prepper-Kultur. In Deutschland ist diese stark rezipiert worden, etwa durch die Fernsehdoku „Doomsday Preppers – Bereit für den Weltuntergang“. In Amerika können sich viele Prepper aufgrund der dortigen Waffengesetze auch mit Schusswaffen rüsten. Inwieweit deutsche Prepper dem amerikanischen Vorbild in dieser Hinsicht nacheifern und sich illegal Waffen beschaffen, ob manche wegen ihres pessimistischen Blicks in die Zukunft mit extremistischen Gruppen in Verbindung stehen, wollen die Innenminister nun in Erfahrung bringen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wenge, Jörn
Jörn Wenge
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