Ermittlungen in Kalifornien

Hochschule soll Missbrauch verschleiert haben

Von Christiane Heil, Los Angeles
 - 15:58

Nach Dutzenden Klagen wegen sexueller Übergriffe eines Gynäkologen der University of Southern California (USC) hat das amerikanische Bildungsministerium Ermittlungen gegen die Hochschule aufgenommen. Wie Bildungsministerin Betsy DeVos am Dienstag mitteilte, untersuche die Abteilung für Bürgerrechte, ob die USC die Aufklärung des mutmaßlichen Missbrauchs bewusst verhindert habe. Recherchen der „Los Angeles Times“ hatten vor einigen Wochen ergeben, dass in den vergangenen fast 30 Jahren immer wieder Beschwerden über den Mediziner George Tyndall die Universitätsleitung erreicht hatten. Dennoch verzichtete USC bis zum Frühjahr 2016 darauf, den Vorwürfen nachzugehen.

Der Gynäkologe soll Studentinnen bei Untersuchungen wiederholt anal und vaginal mit den Fingern penetriert haben. Zudem mussten sich viele der Frauen angeblich ohne medizinischen Grund vor Tyndall ausziehen. Eine interne Untersuchung der Universität kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass die vermeintlichen medizinischen Behandlungen sexuellen Missbrauch darstellten. Die USC mit Sitz in Los Angeles sah aber von einer Anzeige gegen den Einundsiebzigjährigen ab. Tyndall wurde vielmehr mit einer Abfindung in unbekannter Höhe in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.

Das Bildungsministerium prüft nun, ob die Hochschule bei der Causa Tyndall auch Bürgerrechte der Studentinnen verletzt hat. Der Title IX der amerikanischen Bildungszusätze verbietet die Benachteiligung von Frauen an Schulen und Universitäten. Wie der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschied, sind Bildungseinrichtungen verpflichtet, Vorwürfen zu Diskriminierung und sexuellen Übergriffen nachzugehen. Der Missbrauchsskandal an der USC erinnerte viele Amerikaner an den Fall des Sportmediziners Larry Nassar an der Michigan State University. Nassar, der auch die amerikanische Turnmannschaft betreute, wurde Anfang des Jahres zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Arzt hatte jahrzehntelang einige Hundert Turnerinnen sexuell missbraucht. Mit Rücksicht auf den eigenen Ruf sah die Universität trotz wiederholter Beschwerden davon ab, gegen Nassar vorzugehen.

Quelle: F.A.Z.
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