Schüsse in Las Vegas

FBI sieht keine Verbindung zwischen Täter und IS

 - 22:10

Die amerikanische Bundespolizei FBI sieht derzeit keine Verbindung zwischen dem Todesschützen von Las Vegas und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Das teilte das FBI am Montagnachmittag mit. Nach Angaben der örtlichen Polizei ist das Motiv des Schützen noch unklar.

Der IS hatte die Tat zuvor für sich reklamiert. Der Schütze, der am späten Sonntagabend (Ortszeit) bei einem Musikfestival in der amerikanischen Touristenmetropole Las Vegas mindestens 58 Menschen tötete und mindestens 515 verletzte, sei ein „Soldat“ der Organisation gewesen, verbreitete das IS-Sprachrohr „Amak“ am Montag.

Polizei: Schütze richtete sich selbst

Schütze war nach Polizeiangaben der 64 Jahre alte Amerikaner Stephen Paddock aus der Stadt Mesquite, rund 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas. „Wir glauben, dass er ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf“, sagte Bezirks-Sheriff Joe Lombardo am Montag. Paddock habe nach ersten Ermittlungsergebnissen keine Verbindungen zu militanten Gruppen gehabt. „Wir haben keine Erkenntnisse zu seiner Weltanschauung“, sagte Lombardo.

„Amak“ behauptete dagegen, der Mann sei „einige Monate“ vor der Tat zum Islam konvertiert. Die Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden, wurde aber über die für den IS üblichen Kanäle im Internet verbreitet. Der Inhalt erinnerte an frühere Bekennerschreiben der Dschihadisten.

Schießerei in Las Vegas
Polizei veröffentlicht Identität des Schützen
© AFP, Reuters

Laut Polizei hatte der Schütze am Sonntag gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) vom 32. Stockwerk des Hotels Mandalay Bay an der berühmten Casino-Meile aus auf Besucher des Konzerts geschossen. Zur Tatzeit sollen rund 30.000 Besucher dort gewesen sein. Nie zuvor in der Kriminalgeschichte der Vereinigten Staaten wurden bei einem derartigen Verbrechen mehr Menschen getötet.

Die Polizei teilte mit, dass der mutmaßliche Schütze offenbar Suizid begangen habe – was für einen IS-Terroristen unüblich wäre, da ein Suizid gemäß der Ideologie der Gruppe verboten ist. Die Beamten hätten in seinem Hotelzimmer im 32. Stockwerk mehr als zehn Gewehre gefunden. Zunächst hatte es geheißen, die Polizei habe den Angreifer getötet.

Kurz nach dem Blutbad hatte die Polizei nach der Lebensgefährtin des Schützen gefahndet. Später teilten die Ermittler mit, die Frau sei „im Ausland“ ausfindig gemacht worden. „Wir haben mit ihr gesprochen und denken nicht, dass sie beteiligt war“, sagte Lombardo.

„Menschen fielen wie Fliegen“

Der Angreifer hatte bei dem beliebten „Route 91 Country Music Harvest Festival“ am Strip Medienberichten zufolge hunderte Schüsse abgegeben. Viele Menschen hätten blutüberströmt am Boden gelegen, sagte ein junger Mann dem Sender CNN. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte: „Wir krochen über Tote.“ Sie habe viele Schüsse gehört, die vermutlich aus einem automatischen Gewehr abgegeben wurden. Dann sei sie zunächst in Deckung gegangen und schließlich geflüchtet.

Ein Konzertbesucher, der mit seiner Frau in der Menge stand, sagte dem Sender CNN: „Menschen fielen wie Fliegen.“ Viele hätten sich zu Boden geworfen, um sich vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen. „Die Menschen mussten sich aufeinander werfen.“ Seine Frau zeigte dem Sender Blutspritzer an ihren Beinen und sagte, diese stammten von Opfern aus der Menge. Eine Schweizer Touristin sagte dem Portal „20 Minuten“: „Wir hörten Schüsse von Maschinengewehren, als wir in unserem Hotelzimmer waren – das dauerte sicher 20 Minuten.“ Die Polizei rückte mit schwer bewaffneten Einheiten und Panzerwagen an.

In Videos von dem Country-Music-Festival ist das Geräusch einer automatischen Waffe zu hören, daraufhin bricht Panik unter den Besuchern aus. Country-Sänger Jason Aldean hört mitten im Lied auf zu singen und flüchtet von der Bühne. Er und seine Band blieben unversehrt, wie Aldean wenige Stunden nach dem Blutbad mitteilte. „Heute Nacht war mehr als schrecklich“, schrieb der Künstler auf Instagram. „Mir fehlen immer noch die Worte, aber ich wollte euch wissen lassen, dass ich und meine Crew in Sicherheit sind. Meine Gedanken und Gebete gelten allen, die heute betroffen waren.“

„Niemand weiß, woher die Schüsse kommen“

Es schmerze ihn zutiefst, fuhr der Sänger fort, dass dies Menschen zugestoßen sei, „die gekommen sind, um Freude zu haben“. Es hätte, so Aldean, „eine Nacht mit Spaß sein sollen“. Aldeans Auftritt war der Höhepunkt des überaus populären dreitägigen Country-Music-Festivals. Der Tatort befand sich nahe dem „Mandalay Bay Resort and Casino“ – es gehört wegen seiner goldschimmernden Fassade zu den markanten Gebäuden des Unterhaltungsboulevards Las Vegas Strip.

Tödlicher Vorfall
Twitter-Video zeigt Schießerei bei Konzert in Las Vegas
© Twitter/@davidsakach, Twitter/@davidsakach

Der Todesschütze konnte einem Experten der amerikanischen Bundespolizei FBI zufolge so viele Menschen töten, weil er aus einer erhöhten Position heraus schoss. Da rund 30.000 Menschen auf engem Raum zusammengestanden hätten, „musste er nur auf die Mitte zielen und den Abzug drücken“, sagte der ehemalige FBI-Beamte James Gagliano dem Sender CNN.

Zudem habe die Position des Schützen Verwirrung und Panik in der Menschenmenge verursacht. Wenn ein Schütze aus einer erhöhten Position schieße, „weiß niemand, woher die Schüsse kommen“, sagte Gagliano. „Menschen sind nicht darauf trainiert, nach oben zu gucken.“ Als Waffe habe der Täter vermutlich ein Maschinengewehr oder eine andere militärische Waffe benutzt. Darauf deuteten die Schussgeräusche hin, die auf Videos vom Tatort zu hören gewesen seien.

Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte, den Waffenlobbyisten in Amerika entschiedener entgegenzutreten. „Die Menschen sind geflohen, weil sie die Schüsse gehört haben. Stellt euch vor, wie viele Tote es gegeben hätte, wenn der Schütze einen Schalldämpfer benutzt hätte“, schrieb sie auf Twitter. Die NRA, Lobbyorganisation der Waffenproduzenten in Amerika, wolle durchsetzen, dass Menschen leichter an Schalldämpfer kämen. „Wir müssen uns der NRA entgegenstellen und zusammen daran arbeiten, dass so etwas nicht wieder passiert“, schrieb Clinton weiter.

Die Polizei rief die Bevölkerung kurz nach den Schüssen per Twitter dazu auf, die Gegend nahe der Meile voller riesiger Casinos sowie dem Flughafen zu meiden. Sie schrieb auch, dass einige Flüge, die eigentlich auf dem nahe gelegenen Flughafen der Stadt landen sollten, umgeleitet wurden. Der bekannte Boulevard der Metropole, der sogenannte Strip, wurde zeitweise voll gesperrt.

Quelle: FAZ.NET
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