Lebenslange Haft

Höchststrafe für den „Silk Road“-Gründer

 - 05:13

Der Gründer der Untergrund-Handelsplattform „Silk Road“, Ross Ulbricht, soll lebenslang ins Gefängnis. Das entschied ein New Yorker Gericht am Freitag. Über „Silk Road“ wurden über Internet Drogen, Hacker-Software und gefälschte Ausweisdokumente verkauft. Die Plattform soll aber auch für illegale Aktivitäten wie Geldwäsche eingesetzt worden sein. All das waren Anklagepunkte gegen den 31-jährigen Ross William Ulbricht.

Er wurde auch dazu verdonnert, 184 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Der Betrag soll unter anderem durch den Verkauf beschlagnahmter Bestände der Digitalwährung Bitcoin ausgefüllt werden. Eine Verkürzung der lebenslangen Haftstrafe ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Ulbrichts Anwalt stellte eine Berufung in Aussicht.

Ulbricht war bereits im Februar schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass er unter dem Decknamen „Dread Pirate Roberts“ die illegale Plattform steuerte. Die Ermittler schätzten zunächst, dass über „Silk Road“ illegale Drogengeschäfte im Volumen von rund 1,2 Milliarden Dollar abgewickelt worden waren. Später wurde der erwiesene Betrag auf rund 200 Millionen Dollar reduziert.

Festnahme im entscheidenden Moment

Ulbricht selbst behauptete, er habe „Silk Road“ nur als „ökonomisches Experiment“ gestartet und dann in andere Hände gegeben. Allerdings hatten die Ermittler besonderen Wert darauf gelegt, ihn mitten in einem Online-Chat festzunehmen, den er als „Dread Pirate Roberts“ führte.

Das Notebook, das die Beamten Ulbricht buchstäblich unter den Fingern wegrissen, half der Anklage, Geschworene und Gericht davon zu überzeugen, dass Ulbricht in Wirklichkeit die ganze Zeit hinter „Silk Road“ steckte. Sie fanden dort ausführliche Chat-Protokolle im Namen von „Dread Pirate Roberts“ vor - und die Ereignisse in dessen Leben wie etwa Erkrankungen oder Reisen fielen mit denen in Ulbrichts Alltag zusammen. An einer Stelle schrieb er zudem einem Vertrauten, er habe mehreren Mitwissern zur Sicherheit die Lüge aufgetischt, dass er die Kontrolle über „Silk Road“ abgegeben habe.

Ulbricht soll auch versucht haben, mehrere Morde in Auftrag zu geben. Er scheint dabei zwar auf einen Trick hereingefallen zu sein, bei dem sich zunächst ein angeblicher Erpresser bei ihm meldete - und dann ein vermeintlicher Killer, der anbot, diesen auszuschalten. Richterin Katherine Forrest berücksichtigte bei ihrem Urteil aber, dass Ulbricht willig auf dieses Angebot angesprungen sei, auch wenn danach keine Hinweise auf tatsächliche Morde gefunden worden seien.

Schwierige Spurensuche

„Silk Road“ agierte im sogenannten „Dark Web“ hinter einem Schutzwall von Anonymisierungs-Servern, mit denen die Identität von Käufern und Verkäufern geheimbleiben sollte. Die Zahlungen per Bitcoin sollten ebenfalls dafür sorgen, dass die Geldströme nicht nachverfolgbar wären. Nach wie vor ist unklar, wie genau die Ermittler auf Ulbricht als die Person hinter „Dread Pirate Roberts“ kamen. Die Erklärung, dass er ganz zu Beginn eine Spur mit einer E-Mail-Adresse hinterlassen habe, zweifelten einige Prozessbeobachter an.

Die Richterin zitierte aus Online-Botschaften von Ulbricht, aus denen klar hervorgehe, dass er gewusst habe, was er tat und dass er geplant habe, sich ins Ausland abzusetzen. „Ich betreibe ein verdammtes kriminelles Multimillionen-Dollar-Geschäft“, las sie aus einer Botschaft vor. „Zutiefst bewegt“ hätten sie rund hundert Briefe, in denen Freunde und Verwandte Ulbricht als netten, intelligenten und geliebten Menschen beschrieben hätten.

Keine zweite Chance

Ulbricht, der aus gut situierten Verhältnissen stammt, verfolgte die Urteilsverkündung weitgehend reglos. Seine Mutter schlug sich dagegen die Hände vor das Gesicht. Emotionen zeigte der Angeklagte, als die jeweiligen Eltern eines 25-Jährigen aus Boston und eines 16-Jährigen Australiers angehört wurden - ihre Söhne waren an Drogen gestorben, die sie bei Silk Road gekauft hatten. Schluchzend sagte Ulbricht der Richterin, er wolle ihr seine Perspektive schildern. „Wenn ich eine Chance bekomme, werde ich nie wieder Gesetze brechen“, sagte er. „Ich bin keine selbstbezogene, soziopathische Person. Ich habe nur ein paar schwere Fehler begangen.“

Die Richterin ließ sich jedoch nicht erweichen. Ulbricht habe sich mit „Silk Road“ bewusst über das Gesetz stellen wollen und müsse nun die Konsequenzen tragen. Die Verteidigung hatte während des Prozesses die Mindeststrafe von 20 Jahren Haft gefordert. Rechtsanwalt Joshua Dratel hatte vergeblich versucht nachzuweisen, dass sein Mandant nicht der wahre Drathzieher von Silk Road gewesen sei.

Quelle: dpa/AFP
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