Kokain bei Mieter gefunden

Wer fuhr das Unfallauto von Berlin?

 - 13:26
© dpa, reuters

Ein sonderbarer Unfall mit Fahrerflucht gibt den Ermittlern in Berlin Rätsel auf. Ein Autofahrer fuhr am Freitagabend im Bezirk Reinickendorf mit hoher Geschwindigkeit über einen Gehweg auf eine Gruppe Passanten zu. Sieben Menschen konnten sich durch Sprünge zur Seite retten – ein gezielter Anschlag wurde zunächst nicht ausgeschlossen. Verletzt wurde niemand. Nach Auswertung von Videomaterial aus der Nähe des Unfallorts gab die Polizei jedoch Entwarnung: Es sei kein Anschlagsversuch gewesen, erklärte sie am Samstag. Der Fall hatte in der Stadt Angst vor einem Terroranschlag geweckt.

Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mietwagenfahrer von der Straße abgekommen sei, als er offenbar einem wendenden Auto habe ausweichen wollen, teilte die Polizei mit.

Der Mieter des Unfallwagens, nach dem gefahndet worden war, stellte sich am Samstagnachmittag im Stadtteil Moabit. Er konnte über das Kennzeichen ermittelt werden, das sich Zeugen gemerkt hatten. Er gab in seinen Verhören an, nicht selbst am Steuer des Wagens gesessen zu haben, wie eine Polizeisprecherin am Sonntag sagte.

Er habe den Mietwagen an einen Mann verliehen, habe er ausgesagt. „Die Aussagen zu diesem Mann sind allerdings sehr unpräzise“, sagte die Sprecherin. Die Fahndung nach ihm laufe noch. Auch der Fahrer des zweiten Wagens, der in den Unfall verwickelt war sowie das Mietauto selbst seien bisher nicht gefunden worden.

Hochwertiger Sportwagen mit vielen PS

Die bisherigen Ermittlungen stützten die Angaben des 35-Jährigen, sagte die Polizeisprecherin auf entsprechende Fragen. Die Personenbeschreibung der Zeugen und das Videomaterial deuteten darauf hin, dass der Fahrer des Mietwagens nicht dessen Mieter gewesen sei.

Dennoch wurde der Mann am Samstag zunächst festgenommen. Der Grund sei allerdings nicht der Unfall, sondern der Besitz von Rauschgift gewesen, sagte die Sprecherin. Die Polizei hatte in der Nacht zu Samstag dessen Wohnung in Wedding durchsucht und dabei unter anderem Kokain beschlagnahmt. Bei dieser Durchsuchung war der Mann nicht angetroffen worden. Am Sonntag wurde er nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Unfall mit einem Mietwagen hatte sich am Freitagabend gegen 20.10 Uhr in der Nähe einer Bushaltestelle und eines S- und U-Bahnhofs ereignet und in Berlin sofort Erinnerungen an den Terroranschlag vor knapp einem Jahr geweckt. Dabei war ein Attentäter mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gefahren. Zwölf Menschen kamen ums Leben.

Die Auswertung des Videomaterials von einem Geschäft in der Nähe der Bushaltestelle habe „entscheidend zur Klarheit beigetragen, was der Hintergrund des gestrigen Vorfalls war“, sagte der Leiter der Pressestelle der Berliner Polizei, Winfrid Wenzel. Ursächlich für das Fahren auf den Gehsteig sei dieses Ausweichmanöver gewesen.

Bei dem Mietwagen handele es sich um einen hochwertigen Sportwagen mit vielen PS, sagte Wenzel. Der Fahrer habe einem zweiten wendenden Wagen ausweichen müssen, um einen Aufprall zu vermeiden. In Richtung Gehsteig habe der Sportwagen zuerst das Heck eines Busses gestreift, dann sei er mit einem geparkten Motorroller kollidiert. Der Fahrer fuhr weiter – auf eine Bushaltestelle mit Passanten zu, wie der Polizeisprecher schilderte. Danach gefragt schloss Wenzel ein illegales Autorennen sowie Drogen oder Alkohol am Steuer nicht aus.

Quelle: dpa
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