Mutmaßlicher Johanna-Mörder

„Das hätte mit meiner Tochter genauso passieren können“

Von Sebastian Eder
 - 13:10
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Herr Voigt, Ihre damalige Frau hat am Montag öffentlich gemacht, dass Ihre gemeinsame Tochter 2011 in Friedrichsdorf-Köppern von dem mutmaßlichen Mörder der kleinen Johanna attackiert wurde. Wie haben Sie den Tag damals erlebt?

Es war so zwischen 18.30 und 19 Uhr, ich bin von der Arbeit nach Hause gekommen und meine Tochter war gerade auf einer Wiese vor unserem Haus, auf der immer Schafe stehen. Sie beschäftige sich mit den Schafen, als der Mann plötzlich auf sie zugerannt kam. Er war sehr spärlich bekleidet, hatte nur eine schwarze Hose an, kein Oberteil, keine Schuhe und wollte meine Tochter packen. Sie ist auf die andere Straßenseite zu unserem Haus gerannt, dort hat er sie dann erwischt und gepackt. Mittlerweile war ich aus dem Auto ausgestiegen, bin ihr zur Hilfe gekommen und wollte sie aus seiner Umklammerung befreien. Er hatte aber solche Kräfte entwickelt, wohl auch weil er unter Drogen stand, dass es mir alleine nicht gelungen ist, ihn abzuwehren. Zum Glück ist mir dann noch ein Nachbar zu Hilfe gekommen. Meine damalige Frau befand sich innerhalb des Grundstücks, hat auch noch versucht zu helfen. Mit vereinten Kräften ist es uns gelungen, unsere Tochter aus den Fängen des Mannes zu befreien. Bei der Schlägerei habe ich mir zwei Mittelhandknochen gebrochen und musste infolgedessen zweimal operiert werden.

Wie ging es nach der Schlägerei weiter?

Der Mann ist geflüchtet, ich bin mit dem Handy meiner Ex-Frau hinterher, von dem aus sie mittlerweile die Polizei gerufen hatte. Ich war die ganze Zeit mit der Polizei in Kontakt und habe durchgegeben, wo der Kerl hinläuft. Gegenüber eines Dönerladens ist er in eine Einfahrt rein, dort hat die Polizei ihn dingfest gemacht. Bei der Festnahme hat er sich aber noch vehement gewehrt.

Wie ging es Ihrer Tochter danach?

Erst mal war das ein Riesenschock, aber sie hat es sehr gut überstanden, Verletzungen hatte sie kaum, nur blaue Flecken. Und auch psychisch hat sie keine Schäden davongetragen, weil die Eltern ja sofort zur Stelle waren und ihr helfen konnten.

In der Lokalzeitung lautete die Schlagzeile nach dem Vorfall: „Mann will kleines Mädchen entführen“. Wegen eines Entführungsversuch wurde aber nicht ermittelt. Wissen Sie, wieso nicht?

Es war natürlich schwer zu beweisen, dass er sie wirklich entführen wollte. Für mich schien es schon so, aber ich wusste auch nicht, was er wirklich vorhat. Er stand unter Drogen und hat, als er meine Tochter in seinen Fängen hatte, immer geschrien, dass sie seine Tochter sei. Er war schon merklich verwirrt.

Glauben Sie, dass er Ihre Tochter mitgenommen hätte, wenn niemand da gewesen wäre?

Davon gehe ich schon aus. Wenn keiner da gewesen wäre, dann hätte er sie mitgenommen. Auf alle Fälle.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt sagt, man habe damals keine Verbindung zum Fall Johanna hergestellt, weil nur wegen Körperverletzung gegen den Mann ermittelt worden sei. Wie kam es dazu, dass Sie Anzeige wegen Körperverletzung gestellt haben?

Die Polizei war direkt im Anschluss bei mir zu Hause und wir haben über das Thema gesprochen. Es wurde mir geraten, eine Anzeige zu stellen wegen Körperverletzung. Das habe ich gemacht. Letztlich war das aber ohne jeglichen Erfolg. Von der Frankfurter Staatsanwaltschaft kam Monate später die Information, dass der Fall im Prinzip wegen Nichtigkeit eingestellt wurde, weil in einem anderen Verfahren bestraft wird. Das hat mich schon geärgert. Für mich war das nicht nichtig. Ich war verletzt, ich bin operiert worden, ich hatte Arbeitsausfall, ich hatte Kosten, auf allem bin ich sitzen geblieben. Und dann kommt ein Brief von der Staatsanwaltschaft, dass es nichtig ist. Das war schon etwas frustrierend.

Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass der Angreifer von damals jetzt verhaftet wurde, weil er vor 18 Jahren 35 Kilometer entfernt von Ihrem Wohnort die kleine Johanna umgebracht haben soll?

Das fand ich extrem heftig. Das hätte mit meiner Tochter genauso passieren können, wenn er es geschafft hätte, sie mitzunehmen. Und auf der anderen Seite ist natürlich die Frage: Hat die Polizei da 2011 ausreichend ermittelt? Es wurden ja wahrscheinlich Fingerabdrücke genommen und jetzt wurde der Mann auch anhand eines Fingerabdrucks überführt. Das hätte man damals vielleicht auch schon machen können. Ich glaube nicht, dass die Kriminaltechnik seit 2011 bis heute so viel besser geworden ist.

Die Fragen stellte Sebastian Eder.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Sebastian Eder
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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