Vorwurf der Vergewaltigung

Polen rollt Auslieferungsverfahren gegen Polanski wieder auf

 - 09:25

Polen will das Auslieferungsverfahren gegen den Regisseur Roman Polanski an die Vereinigten Staaten wieder aufrollen. Justizminister Zbigniew Ziobro kündigte am Dienstag im polnischen Rundfunk an, dass er gegen ein Urteil eines Gerichts in Krakau, das die Auslieferung im vergangenen November abgelehnt hatte, vor dem Obersten Gericht in Berufung gehen werde. Der Minister ist zugleich Generalstaatsanwalt in Polen.

Der Oscar-Preisträger Polanski ist polnischer und französischer Staatsbürger, er lebt in Frankreich. Die amerikanische Justiz wirft dem inzwischen 82 Jahre alten Regisseur vor, 1977 in Kalifornien die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt zu haben.

Polanski bekannte sich damals wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und saß dafür zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam. Vor der Urteilsverkündung floh der Filmemacher nach Europa. Er kehrte seitdem nicht mehr in die Vereinigten Staaten zurück, weil er fürchtete, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft höher als vereinbart ausfallen würde.

Zweifeln an fairem Prozess

Es dürfe keinen milderen Umgang mit Polanski geben, nur weil er prominent sei, sagte Ziobro über den polnisch-französischen Regisseur. „Vor dem Gesetz sind alle gleich.“ Zudem werde Polanski eines „abscheulichen Verbrechens gegen ein Kind“ beschuldigt. Das Krakauer Gericht hatte seine Entscheidung, Polanski nicht auszuliefern, auch mit Zweifeln an einem fairen Prozess in Los Angeles begründet.

Vor einigen Jahren waren die amerikanischen Justizbehörden in der Schweiz mit einem Auslieferungsantrag gescheitert. Zwar nahmen die Schweizer Behörden Polanski auf amerikanische Anweisung 2009 in Zürich fest und stellten ihn in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest. Nach zehn Monaten wurde Polanski aber wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freigelassen.

Minister Ziobro, der die Entscheidung der polnischen Justiz offiziell an die Behörden übermitteln muss, hatte sich in der Vergangenheit bereits für eine Auslieferung Polanskis ausgesprochen. Ziobro gehört der konservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an.

Quelle: phi., dpa, AFP
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenRoman PolanskiPolenUSAGerichtsurteilVergewaltigung