FAZ plus ArtikelVater tötet Sohn

„Macht ihn wieder ganz“

Von Julia Schaaf
 - 13:55

Ein Stich, ein einziger Stich, 2,7 Zentimeter lang und mindestens zehn Zentimeter tief, mitten hinein ins Herz: Bei einer so schweren Verletzung, sagt der Gerichtsmediziner am Dienstag, ist der Notarzt machtlos. Das Herz funktioniert nur noch eingeschränkt, das Blut strömt ungehindert aus dem Körper. Fritz W. war 27 Jahre alt, als er starb.

Der Mann, der sich in Saal 704 des Berliner Landgerichts wegen Totschlags verantworten muss, greift nach einem Taschentuch. Rechtsmedizinische Gutachten sind eine technische Angelegenheit, und im Strafprozess kommt es oft auf Kleinigkeiten an. Also fachsimpeln das Gericht, der Gutachter und die Verteidigerin minutenlang über den Stichkanal, als sei in einer Bauanleitung aus dem Heimwerkermarkt ein Fehler aufgetaucht. Der Mann auf der Anklagebank schluckt. Er klimpert mit den Lidern, wie ein Schwimmer, der das Wasser abperlen lassen will. Er atmet schwer. Er presst die Lippen aufeinander. Er wischt sich die Augen. Der Mann heißt Peter W. Er ist der Vater des Toten.

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Quelle: F.A.S.
Julia Schaaf
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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