Fünfzehn Raubüberfälle

Geständnisse zum Auftakt

Von Reiner Burger, Düsseldorf
 - 14:55

Zum Auftakt des Prozesses um 15 Raubüberfälle auf Geldtransporter in Nordrhein-Westfalen haben drei der Angeklagten am Montag Geständnisse abgelegt. Die insgesamt sieben Angeklagten im Alter zwischen 31 und 60 Jahren müssen sich vor dem Landgericht Hagen verantworten. Sie haben nach Erkenntnissen der Ermittler zwischen 1997 und 2015 in unterschiedlicher Besetzung auf brutale Weise Geldtransporter überfallen und dabei mehr als fünf Millionen Euro erbeutet. Unter anderem in Langefeld, Neuss, Düsseldorf, Hagen, Wetter und Dortmund.

Die Überfälle liefen jeweils nach einem ähnlichen Schema ab: Die Täter keilten die Geldtransporter mit gestohlenen Autos ein und zwangen die Wachleute zum Anhalten. Sodann beschossen sie die gepanzerten Transporter aus Schnellfeuerwaffen. Besonders dreist ging die Bande bei einem Überfall Ende 2015 vor, als sie den Fahrer eines Geldtransporters mitten in einem Dortmunder Wohngebiet zum Halten zwangen und das Fahrzeug dann von hinten mit einem Trennschleifer aufschnitten.

Zwei der Angeklagten müssen sich auch wegen versuchten Mordes verantworten, weil sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bei Überfällen den Tod eines Geldtransporterfahrers beziehungsweise eines Pförtners billigend in Kauf genommen haben sollen. Der mutmaßliche Kopf der Bande räumte am Montag ein, bei 14 der Überfällen dabei gewesen zu sein. Er habe sich durch die Taten für seine Spiel- und Rauschgiftsucht Geld beschafft, sagte der 48 Jahre alte Mann. Eine Mordabsicht stritt er ab. Es sei jeweils gezielt an den Sicherheitsleuten vorbeigeschossen worden, es sei lediglich darum gegangen, die Opfer einzuschüchtern.

Nach intensiven Ermittlungen unter der Führung von Fachleuten für organisierte Kriminalität der Polizei Hagen hatten Ende September Spezialeinsatzkommandos mit mehr als 200 Beamten Wohnungen in Wuppertal, Hilden, Haan und Solingen durchsucht und mehrere der mutmaßlichen Banden-Mitglieder verhaftet. Zudem stellten die Fahnder einen hohen Bargeldbetrag, mehrere Autos und zahlreiche Waffen sicher. Allein bei einem der Beschuldigten fanden sie ein Sturmgewehr vom Typ AK 47, ein Repetiergewehr, eine Maschinenpistole, eine halbautomatische Waffe und einen Schießkugelschreiber.

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Quelle: F.A.Z.
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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