Saarland

13 Jahre Haft für Mord an Psychologen

 - 16:53

Für den Mord an einem Psychologen in einer DRK-Beratungsstelle hat das Landgericht Saarbrücken einen syrischen Flüchtling zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt. Das Gericht gehe von einem direkten Tötungsvorsatz aus, den der Angeklagte spätestens gefasst hatte, als er das Beratungszentrum betrat, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Weber am Montag. Dessen Behauptungen, er habe den Psychologen nicht umbringen wollen, bezeichnete Weber als unglaubwürdig und durch die Gutachten und Zeugenvernehmungen widerlegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (AZ.: 1 Ks 7 Js 519/17).

Die Psychologen hätten keine sicheren Anzeichen dafür gefunden, dass der Angeklagte unter einer „paranoiden Persönlichkeitsstörung“ leidet, die eine Schuldunfähigkeit hätte begründen können, erläuterte Weber weiter. Als strafmildernd sah das Gericht an, dass der Angeklagte nicht vorbestraft und überwiegend geständig war und dass er Schwierigkeiten hatte, sich in Deutschland zurechtzufinden. Vor der Tat waren bei dem Mann Anpassungsstörungen, die zu einer schweren Depression führten, diagnostiziert worden.

Das Gericht schloss sich der Forderung der Anklage nach 13 Jahren Haft an. Dagegen hatte die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Rosetta Puma, auf lebenslänglich plädiert. Der Verteidiger des Angeklagten, Fred Valentin, sagte, seiner Überzeugung nach habe sein Mandat nicht mir Vorsatz gehandelt, die Strafbemessung aber dem Gericht überlassen. Verteidigung und Anklage wollen jetzt prüfen, ob sie Revision einlegen. Oberstaatsanwalt Michael Müller verwies auf die Ansicht der Gutachter, dass die Anpassungsstörungen des Syrers nicht in der deutschen Psychiatrie behandelt werden könnten, sondern allenfalls „durch Rückführung in seine Heimat“.

Der als Asylbewerber anerkannte Syrer hatte zum Auftakt des Prozesses die Tat eingeräumt, aber bestritten, diese geplant zu haben. Der 27-Jährige war am 7. Juni in das Psychosoziale Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Saarbrücken-Burbach gekommen. Bei der Begrüßung stach er dem Psychologen unvermittelt ein Messer mit 16 Zentimeter langer Klinge zweimal in den Oberkörper.

Das Opfer, ein aus dem Irak stammender Mann, verblutete. Der Täter rammte sich anschließend das Messer selber in den Bauch, floh und wurde kurze Zeit später von der Polizei festgenommen. Er wurde zunächst ins Krankenhaus und später in die Forensik nach Merzig gebracht.

Der getötete Psychologe war 2004 zum Studium aus dem Irak nach Deutschland gekommen und hatte zunächst ehrenamtlich und seit 2014 als Festangestellter in der DRK-Flüchtlingshilfe gearbeitet. Seine Lebensgefährtin brachte jetzt ein Kind von ihm zur Welt, wie Puma am Montag berichtete.

Richter Weber erklärte, der Verurteilte habe letztendlich einen Mann getötet, der nur helfen wollte. Auch habe er „dem Kind seinen Vater, der Familie Sohn und Bruder und den DRK-Mitarbeitern einen geschätzten Kollegen“ genommen.

Quelle: epd
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