Suche wird erschwert

Keine Kinderpornografie bei Google und Microsoft

Von Andreas Nefzger
 - 16:27

Wer den freien Fluss von Informationen durch das Internet erschwert, findet naturgemäß Kritiker, die darin einen Angriff auf die Freiheit sehen. Ursula von der Leyen (CDU) büßte ihren vergeblichen Versuch, kinderpornographische Websites zu sperren, mit dem Spitznamen „Zensursula“. Auch der jüngste Vorstoß im Kampf gegen Kinderpornographie rief Bürgerrechtler auf den Plan, die unkten, es sei leicht, die dafür genutzte Technik auf andere Lebensbereiche auszudehnen, also zur Überwachung der Bürger zu nutzen.

Die Initiative ergriffen dieses Mal Google und Microsoft, deren Suchmaschinen rund 95 Prozent aller Anfragen auf der Welt abwickeln. Bislang hatten sich die beiden amerikanischen Unternehmen kaum dadurch hervorgetan, auch Verantwortung für die gefundenen Inhalte zu übernehmen. Die gemeinsamen Vorkehrungen, die Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt am Montag in einem Beitrag für die britische Zeitung „Daily Mail“ vorstellte, sind also eine Überraschung.

Die Unternehmen haben die Suchergebnisse von mehr als 100.000 Anfragen um Verweise auf kinderpornographisches Material bereinigt. Bei den 13.000 Anfragen, die am wahrscheinlichsten auf die Suche nach Kinderpornographie abzielen, werden die Anbieter zudem einen Hinweis einblenden, dass solches Material illegal ist, sowie Links zu Organisationen, die Hilfe anbieten. Schmidt kündigte an, die Anpassung der Suchergebnisse in 150 Sprachen zu verwirklichen: „Damit werden die Maßnahmen tatsächlich auf der ganzen Welt Wirkung zeigen.“

Auch ihren Kampf gegen kinderpornographische Bilder wollen Google und Microsoft verstärken. Jedes als illegal eingestufte Bild soll einen digitalen Fingerabdruck erhalten, damit es immer wieder herausgefiltert werden kann. Die Technik dafür kommt von Microsoft. Entwickler der zum Google-Konzern gehörenden Videoplattform Youtube arbeiten an einer ähnlichen Software für Videos.

Eric Schmidt hat den Zeitpunkt, die Pläne der Öffentlichkeit vorzustellen, geschickt gewählt. Der britische Premierminister David Cameron lud am Montag unter anderem Vertreter von Google und Microsoft zu einem Spitzentreffen zur Sicherheit im Internet. Im Juli hatte Cameron erklärt: „Ich habe sehr klare Worte für Google, Bing, Yahoo und den Rest. Sie haben die Pflicht, hier aktiv zu werden, und es ist eine moralische Pflicht.“ „Wir haben zugehört“, schrieb nun Eric Schmidt in der „Daily Mail“: „Wir begrüßen, dass die britische Regierung die Initiative ergriffen hat.“

Nach Darstellung David Camerons standen die Internet-Unternehmen seinem Vorstoß zunächst nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. In einem Interview mit der „Daily Mail“ vom Montag sagte der Premierminister: „Sie argumentierten, dass es gegen die grundlegenden Prinzipien des Internets und von Suchmaschinen verstoße, selbst wenn es keinen Zweifel daran gäbe, dass manche der Suchbegriffe von Pädophilen genutzt würden.“

Cameron selbst kann dieser Sichtweise nichts abgewinnen: „Manche Begriffe sind so schockierend und unzweideutig, dass sie zu überhaupt keinen Ergebnissen führen sollten. Das ist keine Einschränkung der freien Rede, das ist verantwortungsvolles Unternehmerhandeln.“ Cameron nannte die Ankündigung von Google und Microsoft zwar einen „wesentlichen Schritt nach vorne“, drohte aber gleichzeitig mit gesetzgeberischen Maßnahmen, sollten die Ankündigungen nicht verwirklicht werden oder sich als unzureichend erweisen.

Nach Ansicht von Fachleuten findet der Austausch von Kinderpornographie ohnehin nur zum geringen Teil in dem Bereich des Internets statt, den Suchmaschinen erfassen. „Die nutzen nicht Google, um nach diesen Bildern zu suchen“, sagte Jim Gamble von der Organisation Child Exploitation and Online Protection der BBC. „Die gehen in die dunklen Ecken des Internets auf Peer-to-Peer-Websites.“ Dort werden Dateien direkt zwischen Nutzern ausgetauscht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nefzger, Andreas
Andreas Nefzger
Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.
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