Warnung vor Vorurteilen

Trauergottesdienst für getötete 15-Jährige in Kandel

 - 16:19

Bei einem Trauergottesdienst im pfälzischen Kandel haben am Donnerstag mehrere Hundert Menschen Abschied von der Ende Dezember getöteten 15-Jährigen genommen.

Neben dem Altar in der voll besetzten St. Georgskirche erinnerte ein überlebensgroßes Porträtfoto an das Mädchen, das am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt mit einem Messer tödlich verletzt worden war. Als tatverdächtig gilt der Ex-Freund der 15-Jährigen, ein Flüchtling aus Afghanistan.

Man könne jemanden, der einen anderen getötet habe, nicht damit entschuldigen, dass er aus einem anderen Land komme, sagte Pfarrer Arne Dembek in seiner Predigt.

Umgekehrt könne man aber auch nicht sagen, dass alle, die von dort kämen, Verbrecher seien. Wer das sage, mache es sich und dem Täter zu leicht.

Dembek mahnte, über der Frage nach dem Warum und den Motiven des Täters das Opfer nicht zu vergessen. Man solle sich an die 15-Jährige nicht erinnern, weil sie Opfer eines Verbrechens geworden sei, sagte er. „Nein, wir sollten uns an sie erinnern, weil sie ein wunderbarer Mensch war. Eine geliebte Tochter und Enkeltochter, eine tolle Nichte und Großnichte, eine gute Freundin und Mitschülerin.“

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die nicht persönlich an der Trauerfeier teilnahm, sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind mit den Eltern, der Familie und den Freunden des getöteten Mädchens“, erklärte sie und äußerte ihre Solidarität mit dem Bürgermeister von Kandel und den Flüchtlingshelfern vor Ort, die „derzeit unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt“ seien.

Als Vertreter der Landesregierung nahmen der stellvertretende Ministerpräsident Volker Wissing (FDP) und Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) an dem Trauergottesdienst teil. Die Bluttat müsse aufgeklärt und der Täter zur Rechenschaft gezogen werden, forderten die Politiker. Auch wenn der Verlust eines geliebten Menschen niemals wieder gut zu machen sei, stehe der demokratische Rechtsstaat dafür, dass dem Opfer und seinen Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren müsse.

Das getötete Mädchen soll im Kreis der engsten Angehörigen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit an einem anderen Termin beigesetzt werden.

Quelle: dpa/epd
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