Überfall in Paris

Beutezug im Ritz

Von Christian Schubert, Paris
 - 14:34

Standesgemäß genoss der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder am Mittwochabend einen Drink in der Hemingway Bar des Luxushotels Ritz. Der historische Ort, den der amerikanische Namensgeber der Legende nach im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern befreite und dies mit 51 Dry Martinis feierte, ist nicht zuletzt für seine Ruhe mitten im Herzen von Paris bekannt. Gegen 18.30 Uhr wurde der Friede an der eleganten Place Vendôme jedoch empfindlich gestört.

Denn fünf bewaffnete Diebe drangen in den Olymp der Pariser Luxushotellerie ein und stahlen Schmuck im Wert von geschätzten vier Millionen Euro. Die vermummten Männer schlugen mit Äxten die Vitrinen der Juweliere ein, die im Ritz ihre Ware feilbieten. Auch Faustfeuerwaffen hatten sie dabei, und so kam es zu einem Schusswechsel mit den Sicherheitskräften. Ein Teil der Gäste, darunter Beigbeder, verschanzte sich im Keller des Hotels.

Der Erfolg der Diebesbande hielt sich jedoch in Grenzen, denn ihr Plan lief ziemlich schief: Drei der fünf Räuber wurden festgenommen, unter anderem mit Tasern machte die Polizei sie laut französischer Presseberichte unschädlich. Sie hatten das Ritz durch einen Hinterausgang verlassen wollen, den sie aber versperrt vorfanden. So reichten sie ihre Beute durch ein Fenster hinaus. Zwei weitere Männer flohen mit einem Motorroller und einem Auto. Welche Schmuckstücke sie dabei mitnehmen konnten, wird derzeit noch ermittelt. Bei der Festnahme stellte die Polizei einen Teil der Beute beim Hotel sicher. Zudem verlor der Flüchtige auf dem Roller eine Tasche mit Schmuckstücken. Bei seiner Flucht fuhr er einen Passanten um, der sich leicht verletzte.

Das Auto ist inzwischen wieder gefunden worden. Bei den Festgenommenen handelt es sich nach Angaben der Polizei um vorbestrafte Männer aus dem Departement Seine-Saint-Denis nördlich von Paris. Die beiden flüchtigen Diebe wurden am Donnerstag landesweit gesucht.

Der französische Innenminister Gérard Collomb lobte die Polizei für ihre Intervention. Sie war wenige Minuten nach Beginn des Überfalls am Ort des Geschehens. Über die Feiertage am Jahreswechsel und während der Zeit des Winterschlussverkaufs sind in Paris mehr Polizisten auf Streife unterwegs als sonst. Seit drei Jahren steht zudem der Vendôme-Platz mit seinen zahlreichen Juwelieren unter verstärktem Schutz. Zwischen September 2013 und Mai 2014 war es dort zu einer Serie von fünf brutalen Überfällen gekommen.

Dennoch konnten im März 2016 zwei Täter den Juwelier Chopard ausrauben. Mit einer Pistole und einer Granate bewaffnet, erbeuteten sie Schmuck im Wert von sechs Millionen Euro. Im vergangenen Mai überfielen drei Männer zudem in der nahe gelegenen Rue de la Paix einen Juwelier und entkamen mit Schmuck im Wert von mehreren Millionen Euro. Viel Aufmerksamkeit erregte im Oktober 2016 auch der Überfall auf das amerikanische Fernsehstarlet Kim Kardashian, bei dem die Räuber eine Beute von neun Millionen Euro erzielt haben sollen.

Quelle: F.A.Z.
Christian Schubert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent in Paris.
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