Unfall in Cottbus

Ungeklärte Umstände beim Tod einer ägyptischen Studentin?

 - 15:11

Der tödliche Unfall einer ägyptischen Gaststudentin in Cottbus hat sich möglicherweise anders zugetragen als bisher berichtet. Das lassen Aussagen von Zeugen vermuten – die Staatsanwaltschaft Cottbus bezweifelt allerdings deren Stichhaltigkeit.

Die 22 Jahre alte ägyptische Austauschstudentin Shaden N. starb im April im Krankenhaus, nachdem ein Auto sie in der Nacht auf den Ostersamstag erfasst hatte. Als sie blutend auf der Straße lag, sollen die Insassen des Unfallautos sie rassistisch beschimpft haben. Gegen sie wird ermittelt.

Jetzt hat der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) mit Unfallzeugen gesprochen, die sagen, der Wagen sei extrem schnell gefahren. Der Schätzung eines unbeteiligten Zeugen zufolge könnten es 60 bis 70 Kilometer pro Stunde gewesen sein – in einer Tempo-30-Zone. Und die ägyptischen Kommilitonen der getöteten Shaden M. wollen beobachtet haben, dass der Wagen noch beschleunigte, bevor er mit dem Mädchen zusammenstieß.

Fremdenfeindliche Äußerungen ignoriert?

Laut rbb stellen diese Aussagen die bisherigen Berichte, wonach das Mädchen plötzlich auf die Straße getreten sein soll und der Unfall für den Fahrer nicht zu verhindern gewesen sei, in Frage. Fragen werfe demnach auch auf, was der unabhängige Zeuge nach dem Unfall beobachtet haben will: dass die anwesenden Beamten die fremdenfeindlichen Äußerungen eines der Auto-Insassen weitgehend ignoriert haben sollen.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus auch wegen Beleidigung beziehungsweise Volksverhetzung gegen einen der Autoinsassen. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt dennoch die Stichhaltigkeit der Zeugenaussagen. „Die zitierten Aussagen decken sich nicht mit unseren bisherigen Erkenntnissen und Zeugenbefragungen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus, Horst Nothbaum, der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „Neues Deutschland“ (Wochenendausgabe). „Wir haben den rbb gebeten, uns die Namen der von ihm zitierten Zeugen mitzuteilen.“

Ermittler gehen weiter von Unfall aus

Die Ermittlungen zum Tod der ägyptischen Gaststudentin sind noch nicht abgeschlossen. Nach bisherigem Stand gehen die Ermittler weiter von einem tragischen Unfall mit Todesfolge aus. Das ergebe sich aus einem Dekra-Gutachten, so Nothbaum. Demnach sei der Unfallfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren, wissenschaftlich wahrscheinlich sei Tempo 50. „Der Unfall wäre erst bei einer Geschwindigkeit von weniger als 18 Stundenkilometer vermeidbar gewesen“, sagte der Sprecher.

Man habe bis Ende Juli 30 Zeugen vernommen. Zwar hätten sich bisher keine belastbaren Aussagen zu rassistischen Beleidigungen des Opfers ergeben, doch werde dazu weiter ermittelt, sagte Nothbaum.

Die ägyptische Heimatuniversität hatte ihre Studenten nach den Vorfällen aus Cottbus abgezogen.

Quelle: lfe.
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