Kriminalität
Beisetzung von Mordopfer Jaden

„In den Farben getrennt, in der Sache vereint“

Von Reiner Burger
© dpa, F.A.Z.

Eineinhalb Wochen nach dem Mord an dem neun Jahre alten Jaden in Herne ist der Junge am Donnerstagvormittag beerdigt worden. Die Beisetzung fand auf Antrag von Jadens Eltern mit einer Sondergenehmigung auf dem Waldfriedhof in Wanne-Eickel statt. Die Familie wohnt in der Nähe des Friedhofs, auf dem eigentlich schon seit mehreren Jahren keine Beerdigungen mehr stattfinden. Jaden war am Montag vor einer Woche das erste Opfer von Marcel H. Der 19 Jahre alte Jugendliche hatte den Nachbarsjungen unter einem Vorwand in den Keller des Hauses gelockt, in dem er bis vor kurzem mit seinen Eltern gewohnt hatte. Dort tötete H. den Jungen mit mehr als 50 Messerstichen. Wenig später tauchten Fotos, die H. von sich und seinem toten Opfer angefertigt hatte, im Internet auf. Tags darauf erstach H. auch noch seinen Bekannten Christopher W., als dieser ankündigte, ihn bei der Polizei zu melden.

Rocker filmen die Beisetzung des neunjährigen Jaden.
© dpa, F.A.Z.

An der Beerdigung nahmen am Donnerstag rund 1000 Personen teil. Bei den meisten von ihnen handelte es sich offensichtlich um Mitglieder verschiedener Rockerclubs. Der Stiefvater von Jaden ist nach Angaben des Anwalts der Familie Mitglied der „Bandidos“ in Essen. Neben „Bandidos“ waren auch Mitglieder der „Freeway Riders“, der „Ghostgang“, von „Gremium MC“, der „Osmanen Germania“ und sogar Dutzende Rocker der mit den „Bandidos“ verfeindeten „Hells Angels“ gekommen. Auch der Bordellbetreiber Frank Hanebuth, der lange Jahre die „Hells Angels“ in Hannover geführt hatte, nahm an der Beerdigung teil. Die „Bild“-Zeitung zitierte ein Vorstandmitglied der „Freeway Rider“ mit den Worten: „Heute gilt: In Farben getrennt, in der Sache vereint.“

Aufgrund des just seit Donnerstag geltenden sogenannten Kuttenverbots für zahlreiche Clubs erschienen die meisten Rocker ohne Vereinsabzeichen auf ihrer Kleidung. Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die Polizei werde das bundesweite Verbot, von dem in Nordrhein-Westfalen 48 sogenannte Chapter oder Charter mehrerer Rockergruppierungen betroffen sind, konsequent durchsetzen. Die rund 1500 Mitglieder der Gruppierungen dürfen nun keinerlei Abzeichen ihres Clubs mehr auf ihren Kutten tragen. Diese Symbole seien „Ausdruck der Verachtung dieser kriminellen Szene für den Staat und seine Institutionen“, sagte Jäger. „Wer sich dem Verbot widersetzt, dem wird die Kutte abgenommen und es wird Strafanzeige gestellt.“

Quelle: F.A.Z.
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