Zweites Urteil

Acht Jahre Haft für Soldat im Missbrauchsfall Freiburg

Von Rüdiger Soldt
 - 15:59

Das Landgericht Freiburg hat im Staufener Missbrauchsfall den 50 Jahre alten, ehemaligen Bundeswehr-Soldaten Knut S. zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Sicherungsverwahrung ordnete das Gericht nicht an, der Angeklagte muss aber ein Schmerzensgeld in Höhe von 12 500 Euro an das missbrauchte Kind zahlen.

Nach Auffassung des Gerichts ist der Mann schuldig, den sieben Jahre alten Jungen zwei Mal in Tateinheit mit Vergewaltigungen sexuell missbraucht zu haben, außerdem habe er das Kind beleidigt und sich strafbar gemacht, weil er kinderpornographisches Material hergestellt und ein zur Zwangsprostitution gezwungenes Kind benutzt habe.

Der Angeklagte war geständig und hatte zu Beginn des Verfahrens zugegeben, den Jungen aus dem südbadischen Staufen missbraucht zu haben. In den ohne Beteiligung der Öffentlichkeit gehaltenen Plädoyers hatte die Staatsanwältin eine Haftstrafe von zwölf Jahren sowie die Anordnung der Sicherungsverwahrung verlangt. Die Verteidiger hatte hingegen nur eine vierjährige Haftstrafe ohne Sicherungsverwahrung gefordert.

Der Kontakt entstand über das Darknet

Das Gericht ahndete die Zustellung kinderpornographischen Materials mit sechs Monaten Haft, den sexuellen Missbrauch an dem Jungen mit sechs Jahren Haft. Der Soldat, der zur Tatzeit bei der deutsch-französischen Kaserne in der Nähe von Straßburg diente, hatte über das Darknet Kontakt zu Christian L., dem Organisator des pädokriminellen Netzwerks, aufgenommen.

Der 39 Jahre alte Stiefvater hatte das Kind – in vielen Fällen gemeinsam mit der 48 Jahre alten Kindsmutter Berrin T. – immer wieder missbraucht und zur Prostitution im Internet angeboten. Insgesamt acht pädokriminelle Freier sollen sich an dem Kind vergangen haben.

Der Prozess gegen die Haupttäter und Organisatoren des pädokriminellen Freier-Rings soll am 11. Juni beginnen. Mitte April hatte das Landgericht einen 41 Jahre alten Gelegenheitsarbeiter aus Südbaden zu zehn Jahren Haft verurteilt; in diesem Fall war die Sicherungsverwahrung angeordnet worden.

Knut S. war im Oktober in der Kaserne festgenommen worden. Nach Angaben des Heeres ist er vorläufig des Dienstes enthoben und darf keine Uniform mehr tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die am Prozess Beteiligten haben nach Angaben des Gerichts eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

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Missbrauchs-ProzessZehn Jahre für Angeklagten in Freiburg

Quelle: dpa
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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