Deutsche Astronautinnen im All

Die Sterne zum Greifen nah

Von Michaela Schwinn
 - 09:21
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Insa Thiele-Eich strahlt sich selbst entgegen. Auf den drei Hochglanzfotos in ihrer Hand ist ihr Lächeln noch etwas breiter als im Moment, die grünen Augen leuchten noch ein bisschen mehr. Vor ein paar Tagen fand sie die Porträtaufnahmen in ihrem Briefkasten. Ein Unbekannter hat sie entwickeln lassen, in einen Umschlag gesteckt und an ihre Büroadresse geschickt. Jetzt will er sie wieder zurück, mit ihrer Unterschrift.

In den vergangenen Wochen verging kaum ein Tag, an dem Thiele-Eich nicht für ein Interview oder einen Fototermin angefragt wurde. Dabei ist sie keine Schauspielerin, Sängerin oder sonst irgendein Sternchen, über das man normalerweise in der Zeitung liest. Sie ist Meteorologin – und wie sie an ihrem Schreibtisch sitzt, in bunt gemustertem Kleid und braunen Leggins, und eine Grapefruit schält, könnte sie glatt der Serie „The Big Bang Theory“ entsprungen sein. Sie schält und schält und auch als ein paar Tropfen auf die Brillengläser spritzen, macht sie einfach weiter. Keine Eitelkeit, keine Starallüren, so als wäre ihr gar nicht bewusst, dass sie bald in die Geschichte eingehen könnte – als erste Astronautin Deutschlands.

Vorausgesetzt, die Jury entscheidet sich in ein paar Tagen für sie, die Meteorologin, 33, aus Bonn. „Die Astronautin“ heißt die private Initiative des deutschen Unternehmens HE Space, das bis 2020 die erste Deutsche ins Weltall schicken will, auf eine Mission zur Internationalen Raumstation (ISS). Und würden nicht alle immer wieder betonen, dass es nichts mit einer Castingshow zu tun hat, könnte man es sich perfekt als neues Format im Privatfernsehen vorstellen.

Als die Ausschreibung im vergangenen Jahr bekannt wurde, klingelte Thiele-Eichs Telefon gleich zweimal. Es waren ihr Mann und ihre Mutter, sie solle sich sofort bewerben. Also zog sie das Bügelbrett ins Wohnzimmer, stellte ihr Handy darauf und sprach eine Minute lang in die Kamera. Nur eine von mehr als 400 Frauen war sie damals, die Video und Lebenslauf einschickten. Es folgten drei Testrunden, und schließlich standen sie fest, die sechs Finalistinnen: Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen und Pilotinnen, die sich ihre Freizeit mit Bergsteigen, Gleitschirmfliegen oder Karate vertreiben. Wer sind diese Frauen, die vieles opfern würden für wenige Tage im Weltall?

Zwei sehr unterschiedliche Finalistinnen

Thiele-Eich hat die Grapefruit bezwungen, sie spießt die fleischigen Spalten mit der Gabel auf. Es ist zwölf Uhr mittags, zum Frühstücken kommt sie erst jetzt. Sie war Joggen, hat die Mails gecheckt und die Töchter in Schule und Kita gebracht, dazwischen hätte einfach keine Mahlzeit mehr gepasst. Das sagt auch ihr Terminkalender, der offen neben ihr liegt. Immer sonntags plant sie die Woche durch: Besprechungen, Dienstreisen, den Flötenunterricht der Tochter, Klettern mit der Freundin, alles säuberlich notiert. „Das soll jetzt aber nicht so klingen, als wäre ich nur auf Effizienz aus“, sagt sie, die Augen noch im Planer. Silent writing steht heute drin: Stilles Arbeiten an ihrer Doktorarbeit über den Klimawandel in Bangladesch. Die Dissertation schreibt sie neben ihrer eigentlichen Arbeit als wissenschaftliche Koordinatorin.

Zwei deutsche Astronautinnen
Dem Weltall einen großen Schritt näher
© dpa, reuters

Während Insa Thiele-Eich in ihrem Büro stumm auf die Tasten tippt, macht Nicola Baumann sich 40 Kilometer südlich davon in Nörvenich fertig. Sie schlüpft in einen Overall, steigt in eine Hose, olivgrün und mit vielen Taschen, ein langer Schlauch baumelt am Bein herunter. Sie packt einen Helm und klemmt ihn unter den Arm, mit verspiegeltem Visier und Sauerstoffmaske sieht er aus wie der von Darth Vader. Dann stapft sie los, 1,60 Meter groß, mit braunem Pferdeschwanz und Gewinnerlächeln.

Auch sie ist eine der sechs Finalistinnen, und rein von der Entfernung her kam sie der ISS bisher wohl am nächsten. Baumann, 31, ist Eurofighter-Pilotin, eine von drei in Deutschland. Auf dem Weg zum Flugplatz ziehen lange Kasernen an den Autofenstern vorbei, lachsfarben und vergessen. Zeugen einer Zeit, in der noch mehr Soldaten in Nörvenich stationiert waren, dem ältesten Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe. Heute wohnt dort keiner mehr, Baumann fährt jeden Tag von Köln hierher. „Das ist wie überall, die Leute pendeln lieber“, sagt der Oberstabsfeldwebel, der bei allen Presseterminen neben ihr sitzt, steht, kniet, der alle Mails und Telefonate übernimmt, „um ihr den Rücken freizuhalten“.

Tests in Mathe, Physik, Zahlenreihen und räumlichem Denken

Drei- bis viermal in der Woche steigt Baumann in das enge Cockpit des Eurofighters, vier Meter über dem Boden. Wie von einem Thron blickt sie auf die Welt hinab, mit der sie ab jetzt nur noch per Funk in Verbindung steht. Ein lautes Knacken. Drei Schläuche, ihre Lebensversicherung, rasten ein, sie versorgen sie mit Sauerstoff und pumpen Luft in ihre Hose, wenn sie enge Kurven fliegt. Das soll verhindern, dass ihr Blut vom Kopf in die Beine absackt und sie in Ohnmacht fällt. Der Mann vor dem Kampfjet, mit Warnweste und Gehörschutz, zieht die gekreuzten Arme auseinander, Baumann salutiert und rollt mit der 23 Tonnen schweren Maschine Richtung Startbahn. In wenigen Minuten werden sie 74000 PS nach oben in den strahlend blauen Himmel ziehen.

Nervenkitzel spürt sie dabei nicht mehr. Wenn der Steuerknüppel in ihren Händen vibriert, sie in den Sitz gedrückt wird. „Die Beschleunigung ist sehr nett“, sagt Baumann. Eine unterkühlte Reaktion, wenn man bedenkt, dass die Maschine innerhalb von wenigen Sekunden bis zu 2500 Stundenkilometer schnell werden kann.

Vergangenen Herbst trafen die Kandidatinnen das erste Mal aufeinander. Es war ein ermüdender, anstrengender Tag, stundenlang mussten sie Testfragen lösen. Mathe, Physik, zehn Minuten Pause, räumliches Denken, Zahlenreihen. Wochen vorher hatten sie ein Lernprogramm bekommen. „Ich habe richtig dafür gebüffelt“, sagt Thiele-Eich. Auch Baumann nahm eine Woche Urlaub und übte. Zahlenkolonnen merken, vorwärts und rückwärts. Auf Licht- und Farbreize reagieren. Ein kognitiver und naturwissenschaftlicher Hindernislauf. Nur 30 Kandidatinnen blieben übrig.

Insa Thiele-Eich ist die Tochter des zehnten Deutschen im All

„Ich frage mich schon oft, warum ich unter den letzten bin“, sagt Thiele-Eich, sie sitzt in ihrem Lieblingscafé, nur ein paar Straßen vom Büro entfernt. Wenn ihr alles zu viel wird, der Job, die Termine, dann helfe tiefes Durchatmen und ein guter Cappuccino, sagt sie. „Ach, die Astronautin“, begrüßt sie der Kellner; einmal malte er ihr sogar einem Weltraumhelm in den Milchschaum. „Im Finale ist eine Kampfjetpilotin, die andere hat den schwarzen Gürtel in Karate“, sagt sie und rührt in ihrer Tasse. „Ich schaue mir deren Videos an und denke mir: Wow, ich bin nicht so krass.“

Umso schwieriger ist es für sie, dass sie in den Medien – besonders in den amerikanischen – immer diejenige ist mit dem bekannten Vater: Gerhard Thiele, zehnter Deutscher im All. Mehrmals ging er mit seiner Familie nach Amerika, nach Huntsville und Houston. Er lernte Russisch und Tauchen. Saß stundenlang in Simulatoren. „Man bezahlt dafür, Astronaut zu werden“, sagt Thiele-Eich. „Ich weiß, was der Preis ist für die Familie.“ Damals konnten sie nicht einfach zusammen in den Urlaub fahren, das Training, die bevorstehende Mission bestimmten das Leben.

Dann war der Tag gekommen. Am 11. Februar 2000, einem Freitag, verabschiedete Thiele sich von seiner Tochter Insa, 17 Jahre war sie damals alt. Von einem Dach aus konnten sie die Raumfähre sehen mit der riesigen roten Rakete, die sich senkrecht in den Himmel bohrte. Neben ihr die Geschwister, die Mutter und eine Handvoll Psychologen, falls doch etwas schieflaufen würde. Die Rakete startete, es rauchte, glühte. Unter Insas Füßen vibrierte es, das Dach fing an zu wackeln. Achteinhalb Minuten später begann alles um Gerhard Thiele herum zu schweben.

Irgendetwas muss Baumann schon früh am Fliegen fasziniert haben

„Man braucht keine Fliegerfamilie hinter sich“, sagt Nicola Baumann. Nur kurz erwähnt sie ihre Großmutter, die in den 1940er Jahren, mitten im Krieg, den Segelflugschein machte. Tauchten ausländische Bomber am Himmel auf, brachte sie ihr Flugzeug schnell zurück auf die Erde. Ihre Mutter flog Drachen, sagt Baumann und vergisst dabei, zu erzählen, dass diese sechsfache Weltmeisterin im Drachenfliegen war und eine Ultraleichtflugschule hatte. Selbstbewusst seien die Frauen in ihrer Familie gewesen und abenteuerlustig, das sei ihr wichtiger.

Irgendetwas muss Baumann schon als Kind am Fliegen fasziniert haben. Sie war zehn Jahre alt, als sie mit ihren Eltern zum Trekkingurlaub nach Nepal flog. Damals versperrten noch keine Sicherheitstüren den Weg zu den Piloten, also schlüpfte sie mit ihrer kleinen Schwester in das Cockpit des Flugzeugs. Sie blickte auf die Wolken hinab, die aussahen wie Zuckerwatte, auf die kleinen Berge, das glitzernde Meer. Nur ein strenges „Du musst langsam wieder nach hinten“ des Piloten riss sie los von dem Anblick.

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Einen Monat nach der ersten Runde wurden die Kandidatinnen wieder eingeladen, dieses Mal nach Köln. Ähnelte der erste Durchgang dem Test für Piloten oder Soldaten, so fühlte man sich jetzt wie in einem gewöhnlichen Assessment Center. Es gab Einzelinterviews. Stärken? Schwächen? Warum gerade Sie? Und es gab „Gruppenspielchen“, wie es Nicola Baumann nennt. Ist man teamfähig, und kann man sich trotzdem durchsetzen? Zehn Frauen kamen weiter.

Zwei Kandidatinnen dürfen das Astronautentraining absolvieren

Im Januar kam es schließlich zur letzten Auswahl vor dem Finale. Im Medizinischen Center des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wurden die Frauen einem medizinischen Check unterzogen. Nach Belastungstests und mehrtägigen Untersuchungen schieden wieder vier Frauen aus. Übrig blieben nur die sechs Finalistinnen. In wenigen Tagen, am kommenden Mittwoch, werden auch sie wissen, wer bei der Jury am besten abgeschnitten hat. Dann wird sich entscheiden, ob Nicola Baumann oder Insa Thiele-Eich ihrem großen Traum ein Stück näher kommen oder ob zwei andere Finalistinnen zur Astronautin ausgebildet werden.

Gleich zwei Kandidatinnen dürfen nämlich das Astronautentraining absolvieren. Sie werden für zwei Jahre in Deutschland, Amerika oder Russland Tauchen üben, Russisch lernen. Sie werden unterrichtet, in der Wildnis zu überleben und den Körper aufs All vorzubereiten. Fliegen soll am Ende nur eine, die andere bleibt Ersatz. „Die Ausbildung alleine, das wäre schon Wahnsinn“, sagt Thiele-Eich. „Hauptsache, ich bin unter den letzten zwei.“

Tatsächlich weiß im Moment noch niemand so genau, ob die erste deutsche Astronautin nach dem Training überhaupt fliegen wird. 30 Millionen Euro wird es kosten, eine der Frauen zur Internationalen Raumstation zu schicken. Das macht die Initiative im Moment eher zu einer Vision als zu einer sicheren Mission. Denn das Geld soll von Privatpersonen und Sponsoren kommen. Ein Crowdfunding wurde ins Leben gerufen – bis Ende April sollen 50000 Euro zusammenkommen. Den Rest sollen große Sponsoren aufbringen. Nicht nur für die Finalistinnen ist es deshalb ein Traum, undurchsichtig und in weiter Ferne wie die Galaxie der Milchstraße.

Eine weiße Plüschkatze sendet für Thiele-Eich Grüße von überall

Mit bloßem Auge kann man es sehen, wenn die ISS als leuchtender Punkt über den Nachthimmel zieht. Nur ein paar Minuten, dann verschwindet sie wieder im Nichts. Manchmal steht Thiele-Eich mit ihren Töchtern auf der Terrasse und zeigt nach oben. „Mama, ist das weit weg?“, fragte ihre sechsjährige Tochter einmal. „Nur 400 Kilometer“, antwortete sie, „ich war schon viel weiter weg.“

Das erzählt sie so, als wäre der Flug zur ISS nur eine weitere Dienstreise. Thiele-Eich ist oft unterwegs. Viel in Deutschland, aber auch manchmal in Österreich, Amerika oder Bangladesch. Eins darf dabei nie fehlen: Muffin, eine weiße Plüschkatze mit pinken Knopfaugen. Von ihr schickt sie Fotos, wenn sie gerade nicht mit ihren Töchtern reden kann. Es gibt ein Foto mit Muffin in New York, mit Muffin im Flugzeug und mit Muffin unter dem Konferenztisch. „Ich vermisse euch“, steht oft unter den Bildern.

Über Privates spricht Nicola Baumann ungern. Sie sitzt in der Kantine des Fliegerhorsts oder in der „Küche“, wie sie es nennt. Auf den Tischen Metallmülleimer und Osterhasen. In der Luft der Duft von Fertigsoße, den auch die offene Terrassentür nicht verscheuchen kann. Ihr Mann, ein amerikanischer Kampfflieger, lebt in den Vereinigten Staaten. Ja, er sei stolz, sagt sie und nein, es mache ihm nichts aus, falls sie sich wegen der Ausbildung zur Astronautin seltener sehen würden. „Das ist dann schon egal“, schiebt sie hinterher und lächelt. Sie spricht nicht über Emotionales, ist professionell, diszipliniert. Eigenschaften, die man nach über zwölf Jahren bei der Bundeswehr verinnerlicht hat.

Baumann ist noch kaum an ihre Grenzen gestoßen

Eigentlich wollte sie Pilotin werden. Fünf Zentimeter besiegelten ihr Schicksal, sie war zu klein für die Lufthansa. Also meldete sie sich zum Aufnahmetest bei der Bundeswehr. Damals bekam sie schulfrei, daran kann sich Baumann noch genau erinnern. Es lief gut, sie fing bei der Luftwaffe an. Von kleinen Propellermaschinen arbeitete sie sich hoch zum Tornado. Dann war sie Fluglehrerin in Texas. Nach Deutschland kam sie nur aus einem Grund zurück: Sie wollte den Eurofighter fliegen.

Ob sie sonst schon mal an ihre Grenzen gestoßen sei? „Nein, nicht so richtig.“ Als sie 13 Jahre alt war, meinte ihr Vater, es wäre doch spannend, zu sehen, wie weit sie in ihrem Leben kommen könnte. Unmöglich also, dass sie an ihrem Traum, ins Weltall zu fliegen, scheitern sollte, nur weil die Esa, die europäische Raumfahrtorganisation, aktuell keine Ausschreibung laufen hatte.

Sie studierte nebenbei Maschinenbau. Das würde ihre Chancen bei der Esa erhöhen. Dann setzte sie sich an ihre Bewerbung, initiativ, auf gut Glück. Sie hatte vor, die Esa so lange zu nerven, bis sie nicht mehr anders können und sie einladen würde. Für den Traum Astronaut gibt es keine Ausbildung, keinen Königsweg. Die Esa bestimmt, welche und wie viele Europäer ins All fliegen. Die Auswahl findet nur sporadisch statt, nach Bedarf. Zum letzten Mal 2009; als einziger Deutscher konnte sich Alexander Gerst durchsetzen, der als „Astro_Alex“ auf Twitter Videos und Nachrichten aus dem Weltall postete und den Daheimgebliebenen das Gefühl gab, live im Shuttle dabei zu sein.

Für Thiele-Eich ist es eine wissenschaftliche Expedition

Etwas länger als eine Woche, maximal 14 Tage soll die erste Deutsche im All verbringen. Dann geht es zurück. Ein Jahr Bewerbungsverfahren, zwei Jahre Ausbildung – alles für wenige Tage. Das sei doch Weltraumtourismus, sagten dazu viele. Ein PR-Gag. „Wenn man eine ausgebildete Jetpilotin als Touristin bezeichnet, was sind dann Leute, die zwei Wochen nach Mallorca fliegen?“, sagt Baumann dazu.

Für Insa Thiele-Eich ist es eine wissenschaftliche Expedition. Und könnte sie die ganze Mission selbst durchplanen, hätte sie das wohl schon längst getan. Sie schwärmt von der Messkampagne, die an Bord durchgeführt werden soll. Betont, wie wichtig es sei, den Versuchsaufbau zu kennen und das Ziel festzulegen. „Ich muss die Raumstation verstehen.“ Man merkt, wie es ihr in den Fingern kribbelt.

Aber was genau getestet werden soll, steht noch gar nicht fest. Es geht um die Reaktion des weiblichen Körpers auf die Schwerelosigkeit. Konkrete Informationen gebe es noch keine.

Es ist noch nicht lange her, da saß Insa Thiele-Eich bei einer Frühstückssendung des ZDF, und wieder kam es zu einem dieser unangenehmen Momente, die sie in letzter Zeit öfter erlebte. Die Zuschauer durften Fragen stellen, ein Journalist moderierte: „Wieso muss es unbedingt eine Deutsche sein? Dass es Astronautinnen geben soll, das ist ja wunderbar“, fing er an, „weil, ihr Frauen erfüllt auch einen bestimmten Zweck. Ihr seid ja auch, ich sag mal, wertvoll.“ Er verhaspelte sich immer mehr, bis Thiele-Eich zu lachen anfing und ihm beschwichtigend an die Schulter fasste. Situation entschärft.

Die Bewerberinnen sollen Vorbilde sein

Zum Lachen war ihr im Nachhinein nicht mehr zumute. Wie sollte sie auch, als eine, die sich immer für Frauen in der Wissenschaft engagiert hat. Die Bücher las, um ihre Töchter genderneutral zu erziehen. „Es ist krass, wie viele Vorurteile und Klischees noch in den Köpfen verankert sind“, sagt sie, während sie durch den Bonner Feierabendverkehr steuert. Frau und Mutter, darauf wurde sie in den jüngsten Monaten häufig reduziert. Einmal schrieb jemand auf ihre Facebook-Seite: „Was für eine seltsame Mutter.“ Das machte sie traurig und wütend.

Auch damit rührt die Initiative die Werbetrommel: Die Bewerberinnen sollen Vorbild sein. Frauen und Mädchen sollen sich trauen, in technische oder naturwissenschaftliche Berufe zu gehen.

Zu Hause angekommen, läuft Thiele- Eich in der Einfahrt ihrer Tochter entgegen. Sie hebt sie hoch auf ihre Schultern. Die Augen suchen den Nachthimmel ab. Irgendwo könnte die Venus leuchten. Ihre Tochter baumelt mit den Beinen. „Sag mal, wie geht man im Weltraum aufs Klo?“, fragt sie ihre Mutter, im Arm Plüschkatze Muffin, mit einer Papierform auf den Kopf – als Astronautenhelm. „Mit einem Staubsauger“, antwortet Thiele-Eich und muss dabei selbst schmunzeln.

Am Mittwoch hat erst die eine, dann die andere vor der Jury gesessen, sie haben Hände geschüttelt, Frage um Frage beantwortet. Sie haben an die letzten Monate zurückgedacht, die Tests, das Zittern bei jeder neuen Runde. Und daran, dass ihr Traum zum Greifen nah ist. Sie haben gewartet, gebangt, sind den Gang auf und ab gelaufen, bis die Pressekonferenz endlich losging. Und verkündet wurde, dass sie die beiden letzten verbliebenen Kandidatinnen sind.

Quelle: F.A.S.
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