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Herzblatt-Geschichten

Fürs Radio bin ich viel zu hübsch

Von Jörg Thomann
 - 14:18
Daniela Katzenberger hält Angela Merkel für „eine starke Frau“ Bild: dpa, F.A.S.

Wir sind da einer ziemlich großen Sache auf der Spur, Stichworte: Product Placement in Kitschromanen. Wobei es sich bei diesen Produkten genaugenommen um Orte und Landschaften handelt, die den „großen abgeschlossenen Heimat-Roman“ im Goldenen Blatt in solcher Frequenz durchziehen, dass es sich eigentlich nur um eine Auftragsarbeit des Tourismusverbandes Lüneburger Heide handeln kann.

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Ebendort nämlich verbringt die Heldin Henrike den Urlaub, und zwar alleine, denn Freund Frank wollte lieber auf die Malediven. Doch nicht mit Heide, äh, Henrike, die nun durch deutsche Lande radelt, was uns Sätze beschert wie: „Vor ihr tauchte jetzt das historische Wasserkraftwerk am Ortsrand von Oldau auf.“ Oder: „Am nächsten Tag kurvte Henrike mit dem Rad kreuz und quer durch den Staatsforst Wietzenbruch.“

Ein prickelnder Klosterbesuch

So könnte das ewig weitergehen, träfe sie nicht auf Sebastian, der Henrikes Interessen teilt: „Sie sprachen über das, was sie bereits alles in der Umgebung gesehen hatten – die Städtchen Müden, Faßberg und Hermannsburg zum Beispiel – und gaben sich gegenseitig Tipps über besonders schöne Rad- und Wanderwege durch die Heide und die Wälder.“

Die Spannung kulminiert, als beide kurz vor ihrer Paarwerdung das Kloster Wienhausen anschauen, „das Heilige Grab, den Nonnenchor und eine Marienfigur“, auf deren Brust ihr Schöpfer – und hier treten plötzlich die Konfliktlinien der Wirklichkeit zutage – „das Wort ,Allah‘ geschmuggelt hatte“. Doch das, worin besorgte Leser das frühe Zeichen einer Islamisierung des Landes erkennen dürften, kann das Idyll nicht trüben – am Ende haben sich Henrike und Sebastian, Heide und Schnucki, gefunden.

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Beziehung als Schönheitsgeheimnis

Noch anrührender sind jene zwei Seiten im Neuen Blatt, auf denen der „Rosenheim-Cop“ Joseph Hannesschläger das Glück mit seiner Bettina zelebriert. „,Wir haben uns sehr lieb‘, erzählt der Schauspieler uns“, dürfen wir lesen und die beiden am Esstisch beim Gläschen Wein, beim Gärtnern und beim Seifenblasenpusten (!) betrachten. „Er ist der liebste, herzlichste und humorvollste Mann, den ich je kennengelernt habe!“, schwärmt Bettina, und Joseph schwärmt zurück: „Und du bist die liebevollste, herzlichste und süßeste Frau der Welt!“

Bei diesen nahezu wortgleichen Elogen gewinnen die Unterschiede an Gewicht: Offenbar findet sie ihn nicht süß und er sie humorlos. Wenn das nicht noch Ärger gibt. Dank der Beziehung jedenfalls, so Hannesschläger, sei sogar seine „Haut besser geworden, sagt meine Maskenbildnerin“, außerdem habe er zwanzig Kilo abgenommen. Das Foto am Esstisch freilich zeigt, dass sein Teller, anders als der gut gefüllte von Bettina, schon fast leergeputzt ist. Aufpassen!

Fünf Jahre geheime Liebe?

Erstmals öffentlich miteinander gezeigt haben sich Jamie Foxx und Katie Holmes, nachdem deren Trennung von Tom Cruise nun fünf Jahre her und damit die Frist verstrichen ist, während der sie angeblich laut einer Klausel im Scheidungsvertrag keinen anderen Mann daten durfte. Das zumindest behaupten diverse Blätter, vielleicht aber dauert es auch einfach nur so lange, sich von einer Ehe mit Cruise zu erholen. „Diese Bilder von Katie Holmes und Jamie Foxx sind mehr als eindeutig!“, schreibt Intouch, und die Frage ist, was „mehr als eindeutig“ bedeutet: vielleicht zweideutig?

Klarere Worte findet Fernsehsternchen Nathalie Volk, die laut der Aktuellen just bei der Verleihung des Deutschen Radiopreis den Satz sagte: „Fürs Radio bin ich zu hübsch.“ All die hässlichen Radio-Vögel um sie herum werden das nicht gern gehört haben – und auch wir verstehen erst jetzt, was unsere Ausbilder bei der Journalistenschule meinten, als sie sagten: Einer wie du muss auf jeden Fall zur Zeitung.

Lindner als Liebestöter

Etwas falsch verstanden hat, in seiner in der DDR verbrachten Jugend, Schauspieler Charly Hübner, der dem Neuen Blatt erzählt, wie er mal eine Drogenerfahrung machen wollte: „Wir wussten nicht, was Gras ist. Wir haben wirklich am See Gras gepflückt, in Schilfröhrchen gestopft und angezündet.“ Da hätten wir gern nachgefragt, ob Hübner und seine Kumpel ein ähnliches Missverständnis auch mit Schnee unterlaufen ist. Oder mit Shit.

Eher berauscht von sich selbst erscheint manchmal Christian Lindner, der von Bunte auf den Spott angesprochen wird, demzufolge sich alle elf Minuten „ein Liberaler in sich selbst“ verliebe. „Verliebt hat sich höchstens Deutschland“, kontert Lindner, „und zwar in den Status quo der Gegenwart.“ Und diese Liebesbeziehung will Lindner nun offenbar zerstören. Fies!

Mit Brille und Bart zum unerwarteten Wahlsieg?

Die dpa hat zur Wahl unter anderem Daniela Katzenberger gefragt, die Angela Merkel als „starke Frau“ lobt, welche sich „gut durchsetzen“ könne und schlagfertig sei. Am Ende fällt ihr dann auch noch ein Grund ein, um Merkels Herausforderer zu wählen: „Ich mag die Brille von Martin Schulz.“ Immerhin. Gut, nicht jeder mag ihre Meinung teilen, doch immerhin haben Brille und Bart dem SPD-Kandidaten im Wahlkampf einen Vorteil verschafft, den er nicht genug ausspielen konnte: Es ist praktisch unmöglich, Schulz auf den Plakaten mit lustiger Brille und Bart zu verunzieren. Selbst ein Hitlerbärtchen, ein Klassiker unter den Plakatschändungen, könnte man bei ihm kaum erkennen.

Das aufgeschmierte Hitlerbärtchen jedoch scheint in diesem Wahlkampf ohnehin auf dem Rückzug zu sein – obwohl es sich bei gewissen Kandidaten fast aufdrängen würde. Doch womöglich würden die sich dadurch sogar noch geschmeichelt fühlen.

Quelle: F.A.S.
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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