Hasta la muerte

Von TIMO FRASCH, Fotos DANIEL PILAR

13.11.2017 · Die Toten Hosen gehen auf Argentinien-Tour. Was suchen sie da? Warum lieben die Fans sie dort so sehr? Unterwegs mit der Düsseldorfer Band in Stadien, Clubs und Wohnzimmern.

D ie Toten Hosen gehen angeschlagen ins letzte Konzert ihrer Argentinien-Tour. Sie sind nicht mehr die Jüngsten, Anfang, Mitte 50, das zehrt, vor allem dann, wenn man einen Ruf zu verteidigen hat und keine Lust, sich der Zeit kampflos zu ergeben, weder auf der Bühne noch sonst wo. Campino, Stimme und Gesicht der Band, hat sich schon in Buenos Aires beim ersten der vier Konzerte eine Rippe geprellt oder gebrochen – so genau will er das gar nicht wissen –, als er von der Empore im Club Museum aus zwei Metern Höhe halb sprang, halb sich fallen ließ, den Händen entgegen, die auf ihn warteten wie Tentakel einer fleischfressenden Pflanze. Der Moment hatte etwas Liturgisches, was im katholischen Argentinien selbst unter Antichristen und Punk- Fans sehr gut verstanden wird. Seht da: der Leib.

Der Physiotherapeut, den die Toten Hosen seit 2008 auf Reisen mit dabei haben, hat danach zu bedenken gegeben, dass es im Sinne der Genesung besser wäre, sich zurückzuhalten. Aber er weiß auch: Ein Konzert mit angezogener Handbremse ist für die Toten Hosen keine Option, schon gar nicht in ihrem Sehnsuchtsland, und erst recht nicht vor fast 5000 zahlenden Leuten. Andi, der Bassist, sagt: „Die Argentinier finden es gut, wenn man auf der Bühne ohne Rücksicht auf Verluste agiert, denn sie selbst tun das auch.“ Vom, der aus England stammende Schlagzeuger: „It is like in football: When they love their team, they give everything.“

Video: Daniel Pilar

Als die Abschlussshow im Estadio Obras etwa eine Stunde läuft, spielen die Toten Hosen „Wünsch Dir was“, eines der drei, vier Lieder, die in keinem Set fehlen, eines, das nach direkter Erfüllung verlangt: „Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird und dann Gut über Böse siegt.“ Campino, der diese wie die meisten Zeilen der Hosen geschrieben hat, trägt noch ein Unterhemd, es gibt den Blick frei auf Carlos Gardel, die argentinische Tango-Legende, die er sich auf den rechten Oberarm hat tätowieren lassen. So oft, wie er in seinem Leben schon ins Publikum gesprungen ist, weiß er, dass die Leute unberechenbar sein können, zur Seite treten, ihn am Sack kneifen, das Hemd zerfetzen. Man hat nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, um zu entscheiden, wer Böses will oder – Kokain ist in Argentinien leicht zu bekommen – einfach nur außer Rand und Band ist, um ihm dann zur Not mit dem Mikrofon eins überzuziehen.

„Do you wanna sing with me? Get ready!“, ruft Campino, und wer jetzt „Menschheit!“ brüllt, der lügt nicht. Dann nimmt er Anlauf und springt: wie immer mit dem Gesicht voraus, um den Kontrollverlust, dem er sich so gerne hingibt, zumindest ein bisschen steuern zu können. Was dann folgt, ist halb Überlebenskampf, halb Liebesspiel, in jener unauflöslichen Einheit, in der sie in vielen Hosen-Liedern besungen wird. Campino geht auch daraus einigermaßen heil hervor, nur ohne sein Unterhemd. Das nimmt ein Argentinier mit nach Hause, als Trophäe, als Geschenk.

In Hochform: Campino bereitet sich im Club Museum auf den Sprung vor.

Wenn man das sieht, kann man kaum glauben, dass die unbändige Geschichte zwischen den Hosen und Argentinien vor 25 Jahren mit vorsichtigem Abtasten begonnen hat – und zwar von Seiten der Düsseldorfer. Campino hat Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger, als die Band nach dem Album „Ein kleines bisschen Horrorschau“ gerade durchstartete, wenig Gutes mit dem Land am anderen Ende der Welt verbunden. Ihm war eingebrannt, wie seine Mutter, eine Engländerin, bestes Rindfleisch in den Mülleimer warf, nachdem sie bemerkt hatte, dass es aus Argentinien stammte, dem Feind aus dem Falkland-Krieg. Auch dass Diego Maradona bei der Fußball-WM 1986 die Engländer aus dem Turnier beförderte und danach noch die Dreistigkeit besaß, sein mit der Hand erzieltes Tor Gott in die Schuhe zu schieben, wollte Campino nicht aus dem Kopf gehen.

Hier bedeutet Stage Diving halb Überlebenskampf und halb Liebesspiel: Das Publikum im Museum Club in Buenos Aires

Da kam 1992 die Anfrage für einen Gig in Buenos Aires – von einem jungen Fan aus Karlsruhe, bei dem sie Ende der Achtziger eines ihrer Wohnzimmerkonzerte gespielt hatten. Er arbeitete inzwischen in Argentinien und verkehrte in der dortigen Punk-Szene, in der die Toten Hosen zu ihrer eigenen Überraschung bereits ein Begriff waren. Die Band war skeptisch, wie so oft bei Anfragen aller Art. Aber diesmal obsiegte ihre bis heute ausgeprägte Abenteuerlust, zumal ihnen der Karlsruher die Flugtickets schickte.

Schon die Ankunft in Buenos Aires muss überragend gewesen sein. „Das ging am Flughafen los, dass die Grenzbeamten uns mit offenen Armen begrüßten“, sagt Campino. „Wir haben das für ,Versteckte Kamera‘ gehalten, aber die hatten halt Zeitung gelesen. In Argentinien reden die Leute über Politik wie unsereiner übers Wetter, wahnsinnig gebildete Leute sind das, und die wussten eben, dass da eine Band aus Europa kommt. Das war eine so warmherzige Begegnung, dass ich mich für mich selber geschämt habe, was ich für einen Quatsch über Argentinien gedacht hatte. Ich habe danach dem lieben Gott versprochen, ich werde nie mehr über ein Land urteilen, in dem ich nicht selber war.“

Bassist Andi spielt sich vor dem Auftritt im Club Museum warm. Physiotherapeut Florian Cordes (links) versorgt Sänger Campino (rechts).

Kurz kehrte die Skepsis zurück: als sie in den Halley Rock Club kamen, wo sie am 11. September 1992 im Anschluss an die argentinische Punkband Pilsen spielen sollten, und kaum einer da war – zunächst. Aber aus den wenigen Zuschauern abends wurden nachts sehr viele, die es nicht bloß beim Zuschauen belassen wollten, sondern sich selbst als Teil der Show begriffen. In jener Nacht erlebten die Hosen zum ersten Mal, dass Rock- und Punkmusik für die Argentinier, die lange unter Diktatoren gelitten hatten, nicht bloß Zerstreuung oder vage Hoffnung war, sondern, wie Leadgitarrist Kuddel sagt, ein „Befreiungsschlag“, eine „Explosion“.

Es folgten spektakuläre Auftritte in Argentinien. Das Wohnzimmerkonzert für einen toten Hund, angeblich ein Hosen- Fan, der leider kurz vor dem Gig gestorben war. Oder das Überraschungskonzert auf einem Mini-Balkon über einer belebten Straße, die zum Schluss aus allen Nähten platzte. Auch im Club Museum, in dem sie heute Abend ihre erste Show der gut einwöchigen Tour spielen, haben die Hosen Maßstäbe gesetzt. In ihrem Fall kann das schon mal heißen: knapp an der Katastrophe vorbei. Im Jahr 2000 hatte hier das Publikum, kaum war der erste Akkord gespielt, wie ein wilder Stier gegen die Absperrgitter gedrückt, so dass die Bühne erst nach hinten geschoben wurde und dann in der Mitte auseinanderbrach: Stromausfall.

Vom, der damals zum ersten Mal in Argentinien mit dabei war, verschwand samt Arbeitsgerät im Orkus, und Campino konnte mit Megaphon die Leute hinten, die nicht wussten, was los war, gerade noch vom Äußersten abhalten und auf den nächsten Tag vertrösten – da war der Club zum Glück noch frei.

Dass derlei heute nicht passiert, ist der Job von Schande. Der Hesse, um die 60, Ziegenbart und tätowiertes Ohrläppchen, ist Mitglied der Black Devils. Mit dem Rockerclub arbeitet die Band seit langem in Sachen Sicherheit zusammen. Früher war Stress bei Konzerten normal, vor allem mit Skins und Rechtsradikalen. Wenn sie sich provoziert oder bedroht fühlten, kannten auch die Hosen kein Pardon, zumal dann, wenn sie auf Speed oder irgendwie sonst drauf waren. Als Campino einmal bei einem Konzert in der Frankfurter Batschkapp sah, wie umsichtig die Devils dort für Ruhe sorgten, das heißt: nicht ohne Grund auf die Leute einprügelten, hat die Band sie engagiert.

Mitarbeiter des Clubs bauen unter Aufsicht von Schande (2.v.r.) die Absperrung vor der Bühne auf.

Schande steht ein paar Stunden vor Konzertbeginn mit Kippe im Mund an der Bühne und hadert mit dem, was er da sieht. „Man könnt’ grad meinen, die Argentinier machen das zum ersten Mal.“ Scharfe Kanten sind nicht abgeklebt, das Absperrgitter, das einen schmalen Graben zwischen Bühne und Publikum schafft, dürfte so, wie es jetzt ist, ohne Extra- Stützen, dem Druck des Publikums nicht standhalten. Auch der Backstage-Bereich hätte bei deutschen Genehmigungsbehörden schlechte Karten: durchgesessene Sofas und ein Klo, bei dessen Anblick Jennifer Lopez sofort ihre Crew entlassen würde. Dafür gibt es die liebenswerte Köchin Monica, eine Veteranin der argentinischen Punkszene, die Empanadas gemacht und für Campinos Stimme Ingwer und Zitrone bereitgelegt hat. Humberto, eine Art Reiseleiter in der gut zehnköpfigen Hosen-Crew, bittet freundlich darum, man möge das Klo durchwischen, bevor die Band kommt. Doch das geht im Trubel unter. Die Hosen werden später keine Notiz davon nehmen. Im Gegenteil: Nichts anderes als eben so ein Klo scheinen sie erwartet zu haben auf dieser Tour, die nicht nur eine Reise nach Süden ist, sondern auch eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit, in der sie noch nicht die berühmteste deutsche Band waren.

Breiti, der zweite Gitarrist, taucht als Erster im Museum auf. Er ist ein ganz anderer Typ als Campino, wie überhaupt jedes der Bandmitglieder ganz anders zu sein scheint als die jeweils anderen. Kuddel meint, man sei am Anfang, also vor 35 Jahren, irritiert gewesen, warum Breiti kaum mit einem geredet habe. „Das ging allen so – bis man merkte, das ist einfach Breiti, der redet kein unnützes Zeug, der macht keinen Smalltalk. Wobei sich das sehr gebessert hat. Im Vergleich zu früher ist er jetzt der Sunnyboy schlechthin.“ Breiti sagt: „Ich liebe es, mit ’ner Gitarre in der Hand auf die Bühne zu gehen. Aber ich muss wirklich nicht im Mittelpunkt stehen.“

Gitarrist Breiti (links) gibt in der Garderobe Interviews.

In Argentinien drängt sich das allerdings auf. Denn Breiti, weit gereist, ist der Einzige der Hosen, der richtig gut Spanisch spricht. Er gibt einem argentinischen Radiosender ein Interview. Das mache er gerne. Er findet, die Journalisten hier seien besser vorbereitet als viele in Deutschland, interessierter, ohne vorgefertigte Meinung. In der Heimat polarisieren die Hosen. Gegner halten ihnen seit ihrer Gründung vor, sie seien keine Punks mehr oder noch nie welche gewesen. Auf diese alberne Idee kämen die Argentinier tatsächlich nicht. Aber sie haben es auch einfacher, die Band gut zu finden: Hier sind die Hosen zwar eine große Nummer, aber doch klein genug, damit sich ihre Anhänger als verschworene Gemeinschaft gegen den Mainstream fühlen können. Breiti wird gefragt, was er an den argentinischen Fans besonders schätzt. Er sagt: ihre Loyalität.


Nächstes Kapitel:

Der Moment davor


Z wei Meter weiter sitzt Campino auf einem der ranzigen Sessel, auch er gibt ein Interview. Anders als in Europa müsse man hier nicht beweisen, was man für ein toller Hecht ist, sagt er dem Reporter. Und: Selten hätten sie sich mit ihrem Humor so verstanden gefühlt wie in Argentinien. Weitere interessante Sachen sind dabei, aber die meisten Leute im Raum hören gerade Breiti zu.

Campino hat ein komplexes Verhältnis zu seiner Rolle als Frontmann, für die er, wie man bei jeder Bühnenshow sehen kann, nun wirklich geboren ist. Manchmal ironisiert er sie, manchmal leidet er unter ihr, aber man merkt doch auch, dass er sie für sich beansprucht, gerade in Gesprächssituationen, wenn er glaubt, etwas Wichtiges oder Witziges von ihm könnte ungehört bleiben. Seine Stimme wird dann lauter, er betont bestimmte Signalwörter. Hätte er diesen Impuls nicht, er wäre vielleicht kein so guter Texter.

Anders als in Europa müsse man hier nicht beweisen, was man für ein toller Hecht ist, sagt Campino dem Reporter.

Ein Signalwort, das in Argentinien immer zieht: Ramones. Oder, wie sie es hier mehr singen als sagen: Ra-mo-nes. Jeder argentinische Reporter will zu der amerikanischen Punkband etwas wissen, denn nirgendwo war sie populärer als hier. Die Hosen sind nicht dumm, sie kannten diesen Hintergrund, als sie 1992 ihren ersten Gig auf argentinischem Boden mit dem Ramones-Song „Blitzkrieg Bop“ eröffneten. 1996 spielten sie dann als Vorgruppe beim Abschiedskonzert der Amerikaner – das war der endgültige Durchbruch. Im River-Plate-Stadion kletterte Campino damals über einen Lichtmast aufs Dach und brannte oben ein bengalisches Feuer ab. Das Bild, das die Fahrgäste in einem vorbeifahrenden Zug an ihrem Verstand zweifeln ließ, ist zu einer Ikone der argentinischen Musikgeschichte geworden. „In dem Moment“, sagt Campino zum Reporter, „dachte ich wirklich, ich könne fliegen.“

Die Hosen verehren die Ramones, einerseits. Andererseits haben sie im Kontakt mit ihnen auch in Abgründe geblickt. Andi, der inzwischen backstage in der Umkleidekabine angekommen ist, sagt: „Man merkte, dass zwischen Joey und Johnny etwas massiv nicht in Ordnung war. Das willst du von deinen Helden nicht sehen.“ Der Tourneeveranstalter der Hosen, Kiki Ressler, in Argentinien mit an Bord, begleitete einst auch die Ramones. Seine Verbundenheit mit der Band dokumentierte er durch mehrere Tattoos. Doch als er erlebte, was hinter den Kulissen abging, ließ er sie überstechen.

„Sollte es irgendwann bei uns so weit kommen“, sagt Andi, „dann hoffe ich, dass wir die Größe haben zu sagen: Lass uns das beenden.“ Danach sieht es derzeit nicht aus. Natürlich gibt es auch bei den Hosen immer wieder Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel über die Frage, in welche Fernsehsendungen sie gehen oder wie viele Coverversionen sie bei einem Auftritt spielen sollen. Mit einem bekannten Lied hat man die Leute überall auf der Welt sofort im Sack. Aber sollte man nicht selbstbewusst zu den eigenen Sachen stehen? Und ist der Kick nicht noch größer, wenn man sich die Gunst des Publikums erkämpfen muss?

Alles im Blick: Seit 35 Jahren funktioniert die Band, und jeder spielt seine Rolle.

Die Hosen reden auch nicht besonders viel miteinander, haben sie nie gemacht, ist vielleicht so ein Jungs-Ding. Und es ist auch nicht so, dass sie in Argentinien ständig beieinander hängen. Breiti ist viel mit argentinischen Freunden unterwegs, Andi mit seiner Frau Carla – sie hat die wunderbare Gabe, die Bandmitglieder, wenn sie hochfliegen oder niedergeschlagen sind, durch einen Spruch auf Normalnull zu bringen. Und Vom, der unglaublich lustig ist, aber auch ein bisschen chaotisch, verbringt viel Zeit auf seinem Hotelzimmer, um endlich mal in Ruhe Schreibkram zu erledigen.

Doch die Band funktioniert seit 35 Jahren, und wenn es nicht so seelenlos klänge, würde man sagen: wie eine Maschine. Man kann aber auch sagen: wie ein sehr gutes Auto, das vielleicht nicht das schnellste, schönste oder komfortabelste ist, aber unverkennbar und zuverlässig ohne Ende. Privat gehen die Hosen durchaus unterschiedliche Wege. Andi zum Beispiel fühlt sich wohl in Düsseldorfer Künstlerkreisen, der Fotograf Andreas Gursky ist ein Freund, während Vom nach wie vor lieber in die Schwaden kleiner Clubs abtaucht. Campino hat einen Sohn in Berlin. Kuddel, zweifacher Vater, lebte lange auf dem Land.

Doch sie haben nach wie vor eine gemeinsame Ebene, sie mögen es, zusammen zu sein, vor allem auf Tour, in diesem Zwischenreich, in dem die Orte und Tage verschwimmen und in dem sich jede Sekunde die Tür zu einem unermesslichen Raum an Erinnerung auftun kann: „Du bist irgendwie lost“, sagt Kuddel, „und doch ganz bei dir.“

VomVom,

eigentlich Stephen George Ritchie, hat kurz bei einer Versicherung gearbeitet, aber ihm war wohl selbst klar, dass das eher ein Witz ist. Musik ist sein Leben: Mit 13 war der begabte Mick-Jagger-Imitator zum ersten Mal auf Tour. In Essex lernte er den Punk von der Pike auf: Mal schoss ihm einer mit der Luftpistole in den Hintern, mal musste ihm sein Vater, der Voms Drumset von Club zu Club kutschierte, gegen Schläger zu Hilfe eilen. Vom ist kein Gründungsmitglied, er stieß in den Neunzigern dazu, von 1998 an ersetzte er den Schlagzeuger Wölli, der aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Anfang 2018 erscheint ein neues Album seiner Zweitband Cryssis.

CampinoCampino,

eigentlich Andreas Frege, ist Sohn eines Richters und einer englischen Intellektuellen, die für ein Aufbauprogramm ins zerstörte Deutschland kam. Die Heimat der Mutter ist für ihn Herzenssache: Er ist Fan des FC Liverpool, brach sich sogar mal den Fuß, als er aus Frust über das Ausscheiden seines Klubs aus der Champions League gegen eine Mülltonne trat. Er spielt leidlich Trompete und, seit die Hosen zuletzt mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn wieder auf Tour waren, auch ein bisschen Alphorn. Einmal sprang bei einem Auftritt eine Punkerin für den kranken Campino ein. Es zeigt sich: Jeder in der Band ist unersetzlich, mancher ist noch unersetzlicher.

KuddelKuddel,

eigentlich Andreas von Holst, war der erste der Hosen, der Vater wurde. Die Angst der anderen, dass er die Band nun vernachlässigen könnte, erwies sich als unberechtigt. Kuddel ist der musikalische Kopf, aber auch eine wichtige Textidee stammt von ihm: „Eisgekühlter Bommerlunder“. Im Probenraum führen er und Campino das Wort. Außerhalb gehört Kuddel zu den ruhigen Zeitgenossen. Dabei kann man sich mit ihm hervorragend über Gott und die Welt unterhalten – am besten über Gitarren. Will man ihm eine Freude machen, geht man mit ihm in eines der wenigen Geschäfte auf der Welt, die sich auf Gitarren für Linkshänder wie ihn spezialisiert haben.

AndiAndi,

eigentlich Andreas Meurer, gehört zum Urbestand der Band. In Mettmann wohnte er in der Nachbarschaft von Campinos Familie, spielte mit ihm Hockey. Andis musikalische Laufbahn begann als Roadie und Fotograf von Campinos und Kuddels Band ZK. Bei den Hosen übernahm Andi den Bass. Er begann mit zwei Saiten, heute ist er bei vier. Sein Vater, der sich im Springer-Verlag ums Anzeigengeschäft kümmerte, war anfangs nicht begeistert vom Weg des Sohns, Journalist wäre ihm lieber gewesen. Später war er versöhnt. Andis Mutter war eine enge Bezugsperson für die Hosen. Als sie jüngst starb, veröffentlichte die Band eine Anzeige, angelehnt an den Text von „Draußen vor der Tür“: „Obwohl du uns bleibst, fehlst du uns sehr.“

BreitiBreiti,

eigentlich Michael Breitkopf, musste schon früh ohne Vater auskommen. Vielleicht ist er deshalb so autark: Der zweite Gitarrist, der fließend Spanisch spricht, macht, wenn es irgendwo zwickt, seine eigenen Gymnastikübungen, er kümmert sich auch selbst um sein Bühnenoutfit – was bei seinen paar T-Shirts allerdings nicht allzu komplex ist. Wie Campino, mit dem er zeitweise in Düsseldorf aufs Gymnasium ging, hat Breiti eine starke Bindung zu England. Seine Mutter kam als Kriegsflüchtling für einige Zeit bei einer englischen Familie unter und wurde dort sehr gut behandelt. Solche Erfahrungen bedingen auch das politische Engagement der Toten Hosen, etwa für Pro Asyl oder Oxfam, für die Breiti der Hauptansprechpartner ist.

Die Toten Hosen sind ein Team aus Individualisten. Aber was heißt das jetzt genau? Und wer ist eigentlich wer? Klicken Sie auf die Icons, um mehr zu erfahren.
Vom,

eigentlich Stephen George Ritchie, hat kurz bei einer Versicherung gearbeitet, aber ihm war wohl selbst klar, dass das eher ein Witz ist. Musik ist sein Leben: Mit 13 war der begabte Mick-Jagger-Imitator zum ersten Mal auf Tour. In Essex lernte er den Punk von der Pike auf: Mal schoss ihm einer mit der Luftpistole in den Hintern, mal musste ihm sein Vater, der Voms Drumset von Club zu Club kutschierte, gegen Schläger zu Hilfe eilen. Vom ist kein Gründungsmitglied, er stieß in den Neunzigern dazu, von 1998 an ersetzte er den Schlagzeuger Wölli, der aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Anfang 2018 erscheint ein neues Album seiner Zweitband Cryssis.

Campino,

eigentlich Andreas Frege, ist Sohn eines Richters und einer englischen Intellektuellen, die für ein Aufbauprogramm ins zerstörte Deutschland kam. Die Heimat der Mutter ist für ihn Herzenssache: Er ist Fan des FC Liverpool, brach sich sogar mal den Fuß, als er aus Frust über das Ausscheiden seines Klubs aus der Champions League gegen eine Mülltonne trat. Er spielt leidlich Trompete und, seit die Hosen zuletzt mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn wieder auf Tour waren, auch ein bisschen Alphorn. Einmal sprang bei einem Auftritt eine Punkerin für den kranken Campino ein. Es zeigt sich: Jeder in der Band ist unersetzlich, mancher ist noch unersetzlicher.

Kuddel,

eigentlich Andreas von Holst, war der erste der Hosen, der Vater wurde. Die Angst der anderen, dass er die Band nun vernachlässigen könnte, erwies sich als unberechtigt. Kuddel ist der musikalische Kopf, aber auch eine wichtige Textidee stammt von ihm: „Eisgekühlter Bommerlunder“. Im Probenraum führen er und Campino das Wort. Außerhalb gehört Kuddel zu den ruhigen Zeitgenossen. Dabei kann man sich mit ihm hervorragend über Gott und die Welt unterhalten – am besten über Gitarren. Will man ihm eine Freude machen, geht man mit ihm in eines der wenigen Geschäfte auf der Welt, die sich auf Gitarren für Linkshänder wie ihn spezialisiert haben.

Andi,

eigentlich Andreas Meurer, gehört zum Urbestand der Band. In Mettmann wohnte er in der Nachbarschaft von Campinos Familie, spielte mit ihm Hockey. Andis musikalische Laufbahn begann als Roadie und Fotograf von Campinos und Kuddels Band ZK. Bei den Hosen übernahm Andi den Bass. Er begann mit zwei Saiten, heute ist er bei vier. Sein Vater, der sich im Springer-Verlag ums Anzeigengeschäft kümmerte, war anfangs nicht begeistert vom Weg des Sohns, Journalist wäre ihm lieber gewesen. Später war er versöhnt. Andis Mutter war eine enge Bezugsperson für die Hosen. Als sie jüngst starb, veröffentlichte die Band eine Anzeige, angelehnt an den Text von „Draußen vor der Tür“: „Obwohl du uns bleibst, fehlst du uns sehr.“

Breiti,

eigentlich Michael Breitkopf, musste schon früh ohne Vater auskommen. Vielleicht ist er deshalb so autark: Der zweite Gitarrist, der fließend Spanisch spricht, macht, wenn es irgendwo zwickt, seine eigenen Gymnastikübungen, er kümmert sich auch selbst um sein Bühnenoutfit – was bei seinen paar T-Shirts allerdings nicht allzu komplex ist. Wie Campino, mit dem er zeitweise in Düsseldorf aufs Gymnasium ging, hat Breiti eine starke Bindung zu England. Seine Mutter kam als Kriegsflüchtling für einige Zeit bei einer englischen Familie unter und wurde dort sehr gut behandelt. Solche Erfahrungen bedingen auch das politische Engagement der Toten Hosen, etwa für Pro Asyl oder Oxfam, für die Breiti der Hauptansprechpartner ist.

Die Toten Hosen sind ein Team aus Individualisten. Aber was heißt das jetzt genau? Und wer ist eigentlich wer? Klicken Sie auf die Icons, um mehr zu erfahren.

Zwei Stunden vor dem ersten Konzert steht draußen vor dem Museum eine Menschentraube. Ein Lufthansa-Pilot und eine Flugbegleiterin sind happy. Sie waren zufällig für den Hinflug der Hosen eingeteilt. Auf gut Glück sind sie am frühen Nachmittag ohne Karten zur Halle gekommen – und stehen nun auf der Gästeliste. Andere Fans sind nur wegen der Band über den Atlantik geflogen. Weil es für dieses Konzert in Deutschland keine Karten gab, haben sie zum Teil Hosen- Devotionalien mitgebracht, um sie bei argentinischen Fans gegen Tickets zu tauschen. Die Kontakte organisiert hat Gaby, eine Straßenverkäuferin aus Buenos Aires, die auf Facebook die argentinische Hosen-Fangruppe gegründet hat. So hat sie auch Bonnie kennengelernt, eine Deutsche, die vor Jahren über das Freiwilligenprogramm „Weltwärts“ in Argentinien gelandet ist und nun den Fans Sprachunterricht gibt, mit einschlägigen Arbeitsmaterialien: „Hallo, ich heiße Vom. Wie heißt du? – Mein Name ist Breiti. Wie ist dein Name?“

Drinnen geht es allmählich in den Tunnel, was die Hosen aber nicht so eng sehen. Jedenfalls ist die Umkleidekabine noch immer ein Taubenschlag. Während sich Campino mit Klaviermusik auf dem Ohr einsingt, wird er vom Physiotherapeuten an den Knöcheln getaped – eine Vorsichtsmaßnahme. Viele Tinkturen und Döschen stehen herum: Unterstützung, Prophylaxe, Beruhigung. Im Moment ist die Band in guter körperlicher Verfassung. Das war bei der letzten großen Tour anders. Andi hatte sich da beim Skifahren die Schulter gebrochen, so dass er gerade noch so den Bass bedienen konnte, Campino hatte angerissene Achillessehnen, und der linke Meniskus war im Eimer. Nachts nach den Konzerten trafen sie sich im Spa-Bereich ihres jeweiligen Hotels, um, wie es der Physio sagt, im Schwimmbad oder auf dem Fahrrad „positive Reize zu setzen“. Sie nannten das „geriatrische Sportgruppe“.

Volle Konzentration: Während sich Campino mit Klaviermusik auf dem Ohr einsingt, wird er vom Physiotherapeuten an den Knöcheln getaped.

Das, was Campino nun vollführt, sieht nicht nach Geriatrie aus: Übungen aus dem Thaiboxen, die Beine breit bis fast zum Spagat. Andi sitzt mit Kopfhörer am Laptop, spielt noch mal ein paar Basslinien durch, Breiti auf der Gitarre das Intro von „Hier kommt Alex“, das ihm vor vielen Jahren in seiner Minibude in Düsseldorf- Flingern zugeflogen ist wie ein Vogel aus dem Paradies. Man merkt, die Jungs sind angespannt. Die Erwartungen an Argentinien sind, unausgesprochen, immer etwas höher als an Deutschland, vom Heimspiel in Düsseldorf vielleicht abgesehen. Werden sie dem gerecht? Und wie ticken die Argentinier heute?

Allein Vom, der noch in der Unterhose dasteht, scheint locker. Er schaut an sich hinunter auf den Bund mit der Aufschrift „Wednesday“. Es ist Samstag. „I always mix them up“, sagt er. Zum Heißwerden spielt die Band „Teenage Kicks“ von den Undertones, ein Lied, das sie für ihr Hommage- Album „Learning English, Lesson 2“ eingespielt haben. Vom nutzt den Tisch als Drum. Kurz vor neun – die Playlist, die aufs Intro hinführt, läuft bereits – kommt Tourneeveranstalter Kiki von draußen: „Lange Schlange, Blaulicht, alles, wie es sich gehört.“ Andi: „Das ist scheiße, wenn Leute draußen warten müssen. Lass uns zwei Stücke einschieben vor dem Intro.“ Ein alter Freund der Hosen, ehemals Sänger der argentinischen Punkband Attaque 77, kommt, um Hallo zu sagen. Er kämpft gegen Lungenkrebs, trotzdem verabredet man einen kleinen Gastauftritt. Für die Hosen sind solche Spontanaktionen mehr Lebenselixier als jede Tinktur, für die Roadies bedeuten sie hingegen Stress: Wie kriegen sie den neuen Mann so kurzfristig noch aufs Mischpult?

Hier übt die Band ihr Ritual wie vor jedem ihrer Auftritte: Dabei wird im Kreis gegangen und sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, bevor alle die Köpfe zusammen stecken.

Noch ein paar Minuten. Andi: „Lass mal machen.“ Die Band stellt sich im Kreis auf, vollführt eine Art Stammestanz, bei dem jeder dem Vordermann im Kreis tippelnd auf die Schulter klopft. Ein Schlachtruf dringt aus der Mitte, irgendwo zwischen Parodie und Ernst. Als Vom anfängt, „Drü Chünüsün müt düm Küntrübüs“ zu singen, beginnt draußen das Intro, das Zeichen für: kein Zurück mehr. Die fünf spannen den Bogen, „Glück“, hat die Autorin Judith Hermann mal geschrieben, sei „immer der Moment davor“, Campino kickt noch einmal mit dem rechten Bein hoch zu seiner linken Hand, „Hey! Hey! Hey!“, schallt es von draußen, dann, um 21.14 Uhr, lassen sie los.


Nächstes Kapitel:

Wenn der Wahnsinn beginnt


E s beginnt mit dem Lied „Urknall“ von der neuen Platte, ungefähr 300 Beats pro Minute, nie haben die Hosen schneller gespielt. Vor allem Campino war bisher immer der Ansicht, dass man in Argentinien auf der Bühne ununterbrochen Vollgas geben müsse, „das Rad am Laufen halten“, nennt er das, damit das Publikum gar nicht auf dumme Ideen kommt. Ruhige Lieder, so dachte er, der auch in dieser Frage das letzte Wort hat, würden nicht funktionieren, schon wegen der Textlastigkeit. Doch nachdem vor dieser Tour viele Argentinier in Fanforen gerade danach verlangt hatten, haben sie beschlossen, es diesmal anders zu machen.

Also spielen sie nach „Pushed again“, dem Song, der für die Band wichtig ist, weil er gezeigt hat, dass sie auch auf englisch funktionieren, nun ganz zurückgenommen „Alles passiert“. Es ist ein trauriges, aber auch schönes Lied über das Ende einer großen Liebe. Das Publikum erweist ihm durch gespannte Andacht seine Ehre. Und doch merkt man Campino an, dass er, der wahnsinnig viril sein kann, aber auch anfechtbar und zerbrechlich, sich seiner Sache nicht hundertprozentig sicher ist. „Gracias, thank you for your patience“, sagt er danach, als sei er froh, dass keine Bierflaschen auf die Bühne geflogen sind.

Keine Berührungsängste: Sänger Campino nimmt ein Bad in der Menge.

Objektiv betrachtet ist es ein geiles Konzert. Die Lieder von der neuen Platte fügen sich nahtlos ein, bei „Alles aus Liebe“ klettert Campino hoch auf die Empore, um die Köchin Monica zu umarmen, unten im Graben sind die beiden Securitys Schande und Toni schweißüberströmt, weil sie im Sekundentakt Leute, die auf den Händen der anderen nach vorne bugsiert werden, wieder auf die Beine stellen. Als die Band das erste Mal von der Bühne geht, nach „Hier kommt Alex“, kickt das Adrenalin. Kuddel, der bis Anfang dreißig so viel getrunken und genommen hat, dass er seither clean ist, wirft den Kopf nach hinten und schreit an die Decke: „Ich fang wieder an zu saufen – und zu koksen auch!“

Die Hosen haben geliefert. Jetzt wäre der Moment für die Argentinier, ihr hypnotisches Hosen-Lied anzustimmen. Übersetzt heißt es: „Tote Hosen, ich liebe euch jeden Tag mehr, Ooooh, Tote Hosen, das ist ein Gefühl, das ich nicht bändigen kann.“ Aber es bleibt still, fast so still, wie es bei fast 2000 Leuten still sein kann. Die Band spielt danach natürlich noch ein paar Zugaben. Es bleibt ein geiles Konzert. Aber als sie das letzte Mal von der Bühne kommen, merkt man, dass etwas nicht stimmt, nicht ganz jedenfalls.

Andi schließt hinter sich die Tür zur Umkleidekabine, sagt zu allen, die nicht zum inneren Kreis gehören: „Gebt uns ein paar Minuten.“ Als sich danach die Tür wieder öffnet, ist Campino schon bei der Manöverkritik. „,California‘ war scheiße, ,Alles passiert‘ nett, aber keine Pflicht.“ Einer aus der Crew: „Das Publikum wusste, dass ihr eh nochmal auf die Bühne kommt. Das ist das Ritual.“ Andi: „Zum Ritual gehört aber auch, dass sie singen.“ Carla: „Ganz ehrlich, mir hat’s gefallen, das ist jetzt echt keine Schleimerei.“ Andi: „Okay, sagen wir, es war ein 3:1.“ Liverpool-Fan Campino, ein Freund von Jürgen Klopp: „Kloppo würde jetzt sagen: Gab Fehler in der Abwehr, Umschaltspiel muss besser werden.“ Er grinst schon wieder ein bisschen. Von draußen schallt es: „Tote Hosen, ich liebe euch jeden Tag mehr.“ Andi: „Jetzt singen sie, zwei Stunden später.“

Am nächsten Tag ist konzertfrei. Auf dem Programm steht Fußball, Erstliga-Derby zwischen Independiente und Racing. Mariano Asch, Verbindungsmann der Hosen in Buenos Aires und Hardcore-Fan von Independiente, hat Karten besorgt. Eigentlich sollte die Band auf dem Rasen geehrt werden, als ausländische Rekordhalter mit den meisten Auftritten in Argentinien. Doch das haben sie freundlich, aber bestimmt abgelehnt. 90 Prozent der Zuschauer wüssten doch gar nicht, wer sie seien. Außerdem wollen sie sich nicht vereinnahmen lassen. Andi: „Überlebensregel Nummer eins in Argentinien: niemals Vereinstrikots anziehen – dann finden dich fünf gut, der Rest scheiße.“

Die Toten Hosen sind gemeinsam mit Freunden bei einem Fussballspiel des Vereins Club Atlético Independiente im Stadion in Buenos Aires.

Fußball ist für die Band wichtig. Das bedeutet nicht, dass alle so oft zu Spielen gehen wie Campino, Breiti und Andi. Kuddel und Vom sind heute nicht mit dabei. Trotzdem haben auch sie verinnerlicht, dass der Spirit der Band nicht der eines Orchesters oder eines Ensembles ist, vielleicht noch nicht einmal der einer Band, sondern der einer Mannschaft.

Es gibt einige Gründe, warum die Hosen ausgerechnet in Argentinien so beliebt sind. Weil sie zu den wenigen Künstlern gehören, die auch dann noch gekommen sind, als die Wirtschaft und die Währung am Boden lagen und es nichts mehr zu verdienen gab. Auch ihr Sportsgeist spielt eine wichtige Rolle. Mit Campinos Worten: „Vielleicht verbindet uns mit den Argentiniern unsere Art, den Fußball zu lieben – klar nach vorn, rennen bis zum Schluss, auch wenn es nicht immer gut aussieht, versuchen, noch den letzten Ball zu kriegen, und wenn er unters Stadiondach geht, scheißegal.“ Das sei wie in England in den unteren Ligen, sagt er – und hat auf diese Weise auch noch den Bogen gefunden ins Heimatland seiner Mutter.

Campino ist der Emotionale, Breiti der Analytische. Auf der Fahrt zum Spiel sprechen wir auch mit ihm über Fußball, den englischen. Auf die Frage, warum er ihn schätze, hat Breiti sofort kristallklare Argumente parat. Erstens: Die englischen Fans haben die besten Gesänge. Zweitens: Die Engländer spielen auch im Winter mit kurzärmligen Trikots, Rumstehen geht da nicht. Drittens: Schwalben sind geächtet. Viertens: Das Publikum bejubelt ein Tackling genauso wie ein Tor. Die Hosen haben früher selbst bei jeder Gelegenheit ein Match gemacht, und sei es gegen die Kellner in irgendeinem Hotel. Breitis Platz war dann immer in der Abwehr. Und Campino? „Der ist ein guter Abwehrspieler“, sagt Breiti, „aber natürlich will er immer nach vorne.“

  • Auch in Argentinien hängen die Hosen nicht ständig aufeinander. Heute sind nur Gitarrist Breiti, Sänger Campino und Bassist Andi im Stadion.
  • Hier bekommen die Bandmitglieder von einem Vereinsvertreter auch Trikots des Vereins Club Atlético Independiente mit ihrem Namen.
  • Am Flipper: Andi, seine Frau Carla und Campino besuchen einen Freund in Buenos Aires.
  • Vor dem Auftritt: Kuddel wirft einen Blick in den Spiegel
  • Andi wählt eine andere Art der Vorbereitung und macht Dehnübungen, bevor es auf die Bühne geht.
  • Die Ruhe nach dem Sturm: Campino und Andi nach dem Konzert
  • Doch auch nach der Show zeigen die Hosen noch keine Müdigkeit. Gittarist Breiti unterhält sich mit Besuchern des Konzerts hinter der Bühne.
  • Zum Repertoire der Hosen im Kontakt mit ihren Fans gehören nicht nur Fotos, wie hier mit Vom …
  • … sondern auch Umarmungen und Rangeleien, wie hier mit Campino.

Das Spiel Independiente gegen Racing wird dem Ruf des argentinischen Fußballs nicht gerecht, nur am Schluss sorgt eine Straßenschlacht zwischen Ultras und Polizei für ein bisschen Abwechslung. Andi und andere aus der Hosen-Gruppe sind da schon auf dem Weg nach La Plata, eine Stunde südöstlich von Buenos Aires, wo an diesem Abend Guns n’ Roses spielen. Aber deswegen gehen sie nicht hin, denn keiner aus der Band mag Guns n’ Roses, sie wollen zur Vorgruppe, zu The Who. Es ist schwer zu sagen, warum es bei Pete Townshend, dem Who-Frontmann, inzwischen 72, stimmig wirkt, wenn er wie eh und je seinen rechten Arm wie einen Propeller um den Gitarrenkorpus kreisen lässt, und warum man bei Axl Rose ein Störgefühl hat, wenn er sich in die Rockstarposen von früher wirft. Jedenfalls verlässt die Hosen-Gruppe bei „Welcome To The Jungle“, dem vierten Lied im Set von Guns n’ Roses, das Stadion, ohne dass einer protestieren würde.

Andi, zu vorsichtigen Urteilen neigend: „The Who fand ich super, die Performance von Axl war jetzt nicht so meine Welt.“ Vom, mit der Zunge nicht viel langsamer als mit seinen Sticks: „The Who just showed me, why they have been there for so long: just brilliant, how they built the show, professional great players. They are not the sort of band that would do something with half a heart, they give everything and you feel that. I mean, I am not saying Guns n’ Roses were not doing their best. But it just seemed like: Let’s be professional now because we need to, because we need to buy a new Mercedes.“

Fans im Garten vor dem Auftritt der Toten Hosen in einem Privathaus in Buenos Aires

Am nächsten Tag ist endlich wieder richtiges Konzert, ein Wohnzimmerkonzert in einem Haus in Buenos Aires, das schön ist, aber auch ziemlich runtergewohnt. Zwei Brüder leben hier, Ende zwanzig, Anfang dreißig, sie haben sich bei einem Radiosender mit einem Video beworben, in dem sie versprachen, selbst gebrautes Tote-Hosen-Bier auszuschenken. Wohnzimmerkonzerte können auch in die Hose gehen. In den Achtzigern wurde die Band mal vom Freund eines Brautpaars zur Hochzeit eingeladen, und es war so öde, dass sie selbst die Polizei angerufen haben. Heute Abend wird auch die Polizei kommen, aber es wird völlig anders werden. Die Band spürt das sofort, als sie gegen halb sieben am Abend das Wohnzimmer betritt, in dem die Crew tagsüber schon die Anlage startklar gemacht hat: kompakter Raum, niedrige Decke, einfacher Zugang zur Straße über einen schmalen Streifen Garten, auf dem die Tonleute in weiser Voraussicht schon einen Lautsprecher aufgestellt haben. Vom sagt: „The smaller the place, the crazier it’s gonna be, the more you enjoy it. When it’s really full, really packed, that’s when the madness starts, then anything goes.“

Gegen acht ist der Garten hinter dem Haus gerammelt voll, die Bandmitglieder haben sich unter die Leute gemischt, essen vom Chorizo und den selbstgemachten Salaten. Auch einige Deutsche sind da, die Wege in der Expat-Community von Buenos Aires scheinen kurz zu sein. Zu Hause haben die Hosen mit Deutschland lange gehadert, ein bisschen tun sie das heute noch. In einem Lied von 1988 heißt es: „Es gibt tausend gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein, warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein.“ Hier, in Argentinien, können sie damit unbefangener umgehen – und ihre Fans auch. Eine junge Frau aus dem Ruhrgebiet, die in Buenos Aires für Volkswagen arbeitet, sagt: „Für mich sind die Hosen ein Stück Heimat.“

Kuddel mit Mariano (rechts) beim Billiard

Bevor der Gig beginnt, ziehen wir uns kurz mit Mariano Asch auf zwei Plastikstühle zurück. Er hat den Weg der Hosen in Argentinien von Anfang an begleitet, erst als Fan – bei ihrem ersten Konzert in Argentinien war er 17 –, später als ihr Mann am Ort, der Konzerte organisiert und sich ums Merchandising kümmert. Natürlich profitiert er von ihnen, aber das allein erklärt nicht, was er über sie sagt: Er schätze die Hosen als Menschen, die in entscheidenden Momenten für ihn da gewesen seien. Als er ihnen vom Ende seiner Ehe schrieb, habe ihn Campino sofort angerufen und ihm eineinhalb Stunden gut zugeredet. Danach habe sich der Sänger im Wochenrhythmus erkundigt, ob alles in Ordnung sei. Auch die Band habe Charakter bewiesen, indem sie zum Beispiel die Preise für Merchandising-Produkte niedriger gehalten habe als üblich: „Of course they made a lot of money, but they didn’t cheat on people.“


Nächstes Kapitel:

Bis zum bitteren Ende


W ir bitten Mariano um eine kurze Charakterisierung der Bandmitglieder. „Campi, of course, is the face, he is the one every journalist wants to interview; such a charismatic guy, jumping from the stage and all the shit he does.“ Er lacht – das kann man erst mal so stehen lassen. Über Andi sagt er: „He is pretty much in control of all the art, all the merch, all the design.“ Tatsächlich ist Andi nicht nur der Mann fürs Optische, sondern das Auge der Band, er hat immer im Blick, was aus dem Innersten nach außen dringt. Während Campino ein völlig natürliches Verhältnis zu Kameras hat, ist es kaum möglich, Andi zu fotografieren, ohne dass er in die Linse schaut. Man könnte ihn auch als eine Art Mutter der Kompanie bezeichnen: Er passt auf die Anderen auf, sie wenden sich an ihn, wenn es Probleme gibt.

„Breiti“, sagt Mariano, „is more into the finance and all the social work they do.“ Er pflegt die Kontakte zu Organisationen wie Oxfam oder Pro Asyl, die sie unterstützen. Überhaupt ist Breiti politisch ziemlich im Film, auch was Argentinien angeht. Zusammen mit Andi bildet er außerdem die „AG Bühne und Licht“. Über Vom sagt Mariano: „He is very important for the band: He is the one, who will always make you smile.“ Abgesehen davon ist Vom ein sehr guter Schlagzeuger, der sich in kürzester Zeit komplette Sets draufschaffen kann und dem klar ist, wie man Hosen-Lieder spielen muss: nicht filigran, sondern physisch. Außerdem ist er sehr nah dran an den Fans und kennt im Musikbusiness Gott und die Welt, was für eine Band, die sich nie nur als deutsch begriffen hat, sehr wichtig ist.

„Kuddel“, sagt Mariano schließlich, „Kuddel is the music.“ Natürlich fallen auch Breiti und Campino immer wieder gute Melodien ein, aber tatsächlich ist Kuddel der musikalische Kopf der Band, der am Instrument konkurrenzlos ist, dem am meisten Lied-Ideen kommen – und der dafür von allen möglichen anderen Verpflichtungen freigehalten wird. „Without Kuddel“, sagt Mariano, „they probably couldn’t work as a music band, just as a company.“

Es ist der Tag des Massakers von Las Vegas. Campino fragt seine Kollegen in dem Schlafzimmer, das heute als Umkleide dient, ob er dazu was sagen soll. Er selbst entscheidet sich dann dagegen: „Die Leute freuen sich hier seit Wochen ohne Ende auf dieses Konzert, da muss ich vor denen keinen auf betreten machen.“

Die Toten Hosen bei ihrer Magical Mysterie Show, einem Wohnzimmerkonzert in dem Privathaus von Fans der Band in Buenos Aires.

Um neun stürzt sich die Band vom Schlafzimmer im ersten Stock ins Wohnzimmer hinunter. Sie steigen ein mit „Opel-Gang“. Als der Song geschrieben wurde, waren die meisten hier noch nicht mal geboren. Trotzdem geht der Irrsinn direkt los. Schon nach wenigen Minuten ist erreicht, was Vom über ein ideales Konzert sagt: „It’s no longer you and me, it’s us.“ Während im hinteren Bereich des Wohnzimmers die Masse wie von Zauberhand geführt immer kurz vor dem Mischpult stoppt und zurück in die andere Richtung schwappt, bilden vorne Toni und Schande einen Kordon zwischen dem Publikum und der Band, zusammengehalten nur durch ihre schweißnassen Hände. In einem Moment, als der Druck von hinten besonders groß wird und vorne einer weint, aber nicht aus Traurigkeit oder Schmerz, da hat man den Eindruck, dass die beiden Securitys jeden Moment zusammenklappen. Campino singt „Leg deinen Kopf an meine Schulter, es ist schön, ihn da zu spüren“, das Publikum folgt lauthals Kuddels Gitarre, so wie sie es hier in Argentinien mangels Textverständnis im Zweifelsfall machen – lalalalalalalalalala –, und was macht Toni? Er zwinkert einem zu und lächelt.

Mariano, der jetzt wieder ganz Fan ist, sagt: Das bewundere er übrigens auch noch, dass die Hosen vor 100 Leuten mindestens so viel geben wie als Headliner bei Rock am Ring. Bei „Wünsch Dir was“ nickt Campino Andi zu, kurz darauf fliegt die Haustür auf, und die beiden stürmen nach draußen ans Eisentor, vor dem die Leute aus der Nachbarschaft bereits in Fünferreihen stehen. Campino und Andi, inklusive Bass, sitzen schon oben, abgestützt von Schande und Toni, „Ja ich glaube an die Ewigkeit, und dass jeder jedem mal vergibt“, als zwei Polizisten kommen und die Band auffordern, ins Haus zurückzugehen. Monica, die Köchin, die auch wieder da ist, sagt: „So ist das hier: Wenn man die Polizei braucht, ist sie nicht da, aber wenn man sie nicht braucht, kommt sie.“

Blick in das Wohnzimmer während und nach dem Konzert

Bis zum Ende des Konzerts werden sie noch zwei Mal für die Leute auf der Straße gespielt haben. Danach ist die Stimmung in der Umkleidekabine ganz anders als vor zwei Tagen im Museum: beschwingter, alberner, glücklicher. Gerade mal 100 Leute haben das geschafft, plus fünf natürlich. Campino sagt: „Ich glaube, die haben wir heut’ gut bedient.“ Die Songs, die neu ins Set gekommen sind, hätten sehr gut funktioniert. „Wie sagt Kloppo immer? Rotieren, rotieren.“

Wenn man den Hosen ans Bein pinkeln wollte, was im Lauf ihrer Karriere schon mancher gemacht hat, dann hätte man diesen Text mit der Schilderung der Wohnung beginnen können, in der sie am Tag nach dem Wohnzimmerkonzert zu Besuch sind. Ein offenbar erfolgreicher Tätowierer und gleichzeitig guter Freund der Band hat sie eingeladen: Essen vom Feinsten, Trinken auch, auf einer Großleinwand läuft ein Stones-Konzert, und vom oberen Stockwerk kann man durch eine Glasscheibe auf die Oldtimer-Sammlung einen Stock tiefer blicken. „Wenn man darüber schreibt“, sagt Breiti, „dann muss man fairerweise auch erwähnen, dass unser Freund jahrelang in einer Minibude in einem Hochhaus gewohnt hat. Und man müsste schreiben, dass alle anderen, die wir in Buenos Aires besucht haben, in kleinen Wohnungen leben.“

Was auch immer mal wieder versucht wurde: die Hosen musikalisch madig zu machen. Ihre Songs seien simpel gestrickt, sie könnten zu wenig an den Instrumenten. Abgesehen davon, dass das ein lächerlicher Vorwurf an eine Band ist, die aus dem Geiste des Dilettantismus geboren wurde, gehen die Hosen damit zusehends lockerer um. Als Breiti fragt, warum wir kein Steno lernten, bei dem vielen Mitschreiben wäre das doch nützlich, fragen wir ihn, warum er keine anderen Instrumente gelernt habe, könnte ja auch nützlich sein. Er antwortet: „Richtig Gitarre lernen wäre schon ein Anfang.“

„Ich glaube, die haben wir heut’ gut bedient“: Vom und Andi nach dem Wohnzimmerkonzert

Wäre zu viel Virtuosität sogar gefährlich für die Hosen? „Nee“, sagt Breiti, „Virtuosität ist immer nur dann gefährlich, wenn die Leute andauernd zeigen müssen, dass sie total geile Musiker sind und damit jedes Lied ruinieren.“ Kuddel ist nicht so ein Typ. Er ist die Bescheidenheit und Sanftmut in Person, auch wenn man ihn auf seine zentrale musikalische Rolle anspricht. „Das war vielleicht noch am Anfang so“, sagt er, „als die anderen erst mal in ihr Instrument reingerochen haben. Aber gerade, was Live-Auftritte angeht, sind Andi und Breiti längst auf Top-Niveau, Vom sowieso.“ Im übrigen seien die Hosen nicht dafür bekannt, dass sie auf der Bühne studiomusiktaugliche Qualität abliefern. „Aber wir funktionieren als Band. Das, was da rauskommt, das hat Druck.“

Zwei Tage nach dem Wohnzimmerkonzert treten sie in La Plata auf, einer Studentenstadt, in einem ehemaligen Theater. Allein die Zahl der Leute, die schon vor Beginn des Konzerts ihre T-Shirts ausgezogen haben, lässt erahnen, dass es heute laufen wird. Für einen toten Fan spielt die Band „Nur zu Besuch“, das stille große Lied von Campino über seine verstorbene Mutter. Sie haben es noch nie in Argentinien gespielt, „weil uns der Mut gefehlt hat“, wie der Sänger mal sagte.

Aber heute tut es der Stimmung überhaupt keinen Abbruch, bringt niemanden aus dem Rhythmus, keiner hat das Gefühl, sich dafür entschuldigen zu müssen. „It’s all about confidence“, sagt Vom – und der an Körpergröße kleine Mann, der aus einer ziemlich rauhen Gegend in England kommt, weiß, wovon er spricht.

Abgedreht: Bassist Andi sucht bei einem Konzert im Teatro Opera in La Plata die Nähe der Fans.

„Das war heut’ einer mehr als beim ersten Konzert“, sagt Breiti nach der Show. „Wir hatten alle im System drin, dass es in Argentinien eine gewisse Wildheit gibt, die war am ersten Tag eben nicht hundertprozentig da. Vielleicht lag es daran, dass wir erst die Tickets fürs Obras verkauft haben und dann die fürs Museum, dass also die nervösesten Fans zum letzten Konzert kommen.“

Man könnte die Geschichte über die Toten Hosen und Argentinien nun in einer orgiastischen Beschreibung des Abschlusskonzerts münden lassen – es wäre nicht falsch, aber auch nicht vollständig. Denn der letzte Abend hat auch etwas von einer großen Familienfeier. Viele Eltern sind mit ihren Kindern gekommen, auch Russo ist da, der Radiomoderator, der als Erster in Argentinien die Hosen gespielt hat. Auch ihn fragen wir, warum sie hier so gut funktionieren, und er sagt: weil sie zwar Punks seien, aber auch einen Sinn hätten für Schönheit, Melodien, Glück. „Die Hosen live sind viel mehr als eine Band auf der Bühne, es sind Freunde, die zu Hause für mich spielen.“

Natürlich ist auch Monica, die Köchin, wieder da, Campino widmet ihr das „Liebeslied“, in dem es – richtig – um die unauflösliche Einheit von Kampf und Liebe geht. Vor „Wünsch Dir was“ hält Campino das Rad an, lässt das Publikum singen: „Tote Hosen, ich liebe euch jeden Tag mehr, Ooooh, Tote Hosen, das ist ein Gefühl, das ich nicht bändigen kann.“ Er sagt: „Muchas gracias, you’re making us very happy.“

Wie viele Jahre kann das so weitergehen? Das fragen sich die Hosen in einem Song, den sie erst 2017 veröffentlicht haben, der sich aber anhört, als wäre er schon ewig da. Die Antwort geben sie selbst, in der Sprache Argentiniens: „Hasta la muerte“. Bis zum Tod.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin