Blau auf weiß

Was Martin Schulz’ Handschrift über ihn verrät

Von Julia Anton
 - 15:13

Martin Schulz setzt zum Ende des Wahlkampfs aufs Persönliche. Mit einem handgeschriebenen Brief wendet er sich blau auf weiß an die Wähler. Der SPD-Kanzlerkandidat verbreitet vier Thesen – und lässt tief blicken. Denn natürlich verrät das Schriftbild noch viel mehr, als das, was in den oder zwischen den Zeilen steht.

„Die Schrift von Herrn Schulz zeigt Routine und Erfahrung, sie ist konventionell, bieder und sachlich“, sagt Helmut Ploog, Vorsitzender des Berufsverbandes deutscher Graphologen und bis vor einigen Jahren Lehrbeauftragter für Schriftpsychologie an der Universität München. Sein spontanes Urteil: „Er wäre ein belastbarer Kanzler, solide und berechenbar.“

Die gleichmäßige Größe der Buchstaben und Zeilenabstände deute auf Verlässlichkeit und einen soliden Charakter hin. Aber auch sein Kampfgeist spiegele sich in der Schrift wieder: „Die langen Anstriche der Buchstaben zeigen, dass Schulz sich einsetzt – und er will, dass man das sieht.“ Den Optimismus scheint der Kanzlerkandidat im eher schleppend laufenden Wahlkampf also nicht eingebüßt zu haben.

Schulz scheint seine Schrift zu gefallen

Der Aufbau des Textes deute auf ein anschauliches Denken hin. „Wir haben es hier nicht mit einem Professor aus dem Elfenbeinturm zu tun.“ Ploog lobt das klare und gut lesbare Schriftbild. „Das zeigt, wie rücksichtsvoll jemand ist. Schulz will verstanden werden und ist gut angepasst.“ Dass die Schrift etwas teigig wirke, liege an der Wahl des Stifts, eines Füllers mit breiter Feder. Dadurch verschmierten beispielsweise das A und das R. Für solche Texte sei es aber üblich, einen Stift zu verwenden, den der Schreiber häufig benutzt. Der sei eingeschrieben, das wirke natürlicher. „Schulz scheint seine Schrift zu gefallen, er genießt gern. Er hat auch eine weiche Seite und kann lässig sein.“

Überraschend sei vor allem die Länge des Textes. Handgeschriebene Stücke von Politikern seien für gewöhnlich kürzer als eine ganze DIN-A4-Seite. Für den Graphologen sieht es so aus, als ob Schulz den Text in einem Durchlauf aufgeschrieben hätte. „Er arbeitet konzentriert.“ Darüber hinaus gebe es kaum Ausrutscher oder Laschheiten zu erkennen. Nur den Anstrich des „M“ von „Männer“ im zweiten Absatz hat die SPD-Hoffnung ein zweites Mal nachgefahren.

Anders als beispielsweise bei dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber seien die Buchstaben aber nicht unbedingt originell verbunden. „Stoiber hatte Wind in den Segeln. Schulz’ Schrift ist eher die eines Beamten.“ Und im Gegensatz zu der Schrift des französischen Präsidenten Emmanuel Macron wirke die von Schulz eher brav statt forsch. Für Ploog passt das zum eher unspektakulären TV-Duell in der vergangenen Woche: „Er vermeidet härtere Auseinandersetzungen und lässt sich von einem stärkeren Partner irritieren.“ Zu guter Letzt kann der Graphologe Schlüsse aus der Unterschrift ziehen. „Sie weicht nicht von der Schrift im Text ab. Schulz ist ehrlich und bauscht sich nicht auf.“

Quelle: F.A.Z.
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