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Herzblatt-Geschichten

Jede Frau ist wie ein Fass

Von Jörg Thomann
 - 14:36
Wie Gerhard Schröder küsst, ist uns nicht überliefert - vielleicht lüftet ja seine neue Lebensgefährtin So-Yeon Kim das Geheimnis. Bild: dpa, F.A.S.

In diesen für die Sozialdemokratie so schweren Zeiten freut man sich ja für jedes Parteimitglied, das einen Erfolg verbuchen kann – und also auch für Gerhard Schröder, der eine neue Partnerin an seiner Seite hat, 25 Jahre jünger als er und Koreanerin. Wer mehr wissen will, schaue bei Facebook nach, wo besagte So-Yeon Kim gemeinsame Fotos zeigt und deren Vorgängerin Doris Schröder-Köpf mitteilt: „Frau Kim war im Frühjahr 2016 der Anlass, wenn auch nicht der alleinige Grund für die endgültige Trennung.“ Kennengelernt haben sich die beiden laut Bild vor fast zwei Jahren in Südkorea: „Sie dolmetschte – und er hörte ganz genau zu.“ Das sollen Männer ja angeblich nicht so oft hinkriegen, und da ist eine Frau, die Dolmetscherin ist, natürlich echt im Vorteil.

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Zunächst sieht es danach aus, als verfolge Bild Schröders neue Allianz wohlwollend, etwa dank des Satzes: „Schon vier Mal war Schröder glücklich verheiratet“ – wie kurz darf denn eine Ehe sein, dass sie noch als glücklich eingestuft wird? Später freilich, nach den Einwürfen einiger Kritiker, liest es sich schon anders: „Korea-Krise um Gerhard Schröder“ – als drohe das junge Glück des Altkanzlers, dessen Russland-Liebe ja schon skeptisch beäugt wird, die SPD noch die letzten Prozentpünktchen zu kosten. Man stelle sich erst die Aufregung vor, hätte Schröder was mit einer Nordkoreanerin angefangen. Oder mit Melania Trump.

Doch auch die CDU kommt nicht zur Ruhe. „Merkel & Thomalla – Mega-Zoff hinter den Kulissen“, titelt In. Hat die Kanzlerin dem offen für sie eintretenden Starlet beim gemeinsamen Lunch den Eyeliner stibitzt? Nein, beim vermeintlichen Mega-Zoff handelt es sich nur um ein paar kritische Kommentare angeblicher Merkel-Anhänger im Internet. Immerhin versucht In, ein eigenes Zitat zu bekommen, aber: „CDU-Politiker Wolfgang Bosbach (65) enthält sich einer Äußerung.“ Hätten wir nie gedacht, dass wir diesen Satz jemals lesen dürfen.

Von Fallstricken und Blümchenkleidern

Begeben wir uns nun zum Kerngeschäft der Klatschhefte, der fröhlichen Ferndiagnostik in Adelsangelegenheiten. „Fürst Albert – Exklusiv-Interview – Die Wahrheit über den Tod meiner Mutter“, titelt Freizeitrevue, und tatsächlich hat Albert ein exklusives Gespräch geführt – allerdings mit einem amerikanischen Fernseh-Talker und, natürlich, nicht mit Freizeitrevue. Echo der Frau wiederum dichtet Norwegens Mette-Marit mal wieder eine Schwangerschaft an, und zwar, jetzt wird’s etwas kompliziert, weil sie jüngst angeblich „das gleiche schwarze Blümchenkleid“ trug wie die tatsächlich schwangere Schwedenprinzessin Madeleine. Ein rascher Blick ins Netz zeigt indes, dass das vom Echo der Frau gedruckte Blümchenkleidfoto vom Mai 2016 stammt: War Mette-Marit da also auch schon schwanger? Und zieht sich das dann nicht extrem lange hin?

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Aber Kinder sind halt immer was Schönes. Im Interview mit In erzählt Judith Williams, aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Geschäftsfrau, über ihre Töchter: „Die beiden lieben meinen Beruf und wachsen in diese Situation ganz natürlich hinein. Sie präsentieren mir sogar Start-up-Ideen, zum Beispiel einen essbaren Lippenstift, den sie aus Kaubonbons basteln.“ Von diesem Start-up berichten wir unseren beiden Töchtern mal lieber nichts, die investieren sonst noch ihr ganzes Taschengeld als Wagniskapital.

Viel verloren hat bekanntlich Thomas Middelhoff, der seinen Absturz in einem Buch aufarbeitet, aus dem Frau im Spiegel zitiert: „Ich kenne die Fallstricke, die Eitelkeit zu knüpfen vermag, sie werden mich nicht mehr fesseln.“ Das Problem an Fallstricken, lieber Herr Middelhoff, ist es ja nun gerade nicht, dass sie einen fesseln – aber einen guten Lektor mochten Sie sich momentan wohl einfach nicht leisten.

Cro und die „Fas(s)zination Frau“

Abstürze anderer Art legt Dieter Bohlen hin. Von Closer befragt, was sein größtes Talent sei, sagt er: „Ich kann supergut vom Stand-up-Paddel fallen; immer wieder mit neuen Falltechniken. Aber das wollte bislang keiner sehen.“ Och, wir würden schon gern zuschauen, wie Bohlen beim Stand-up-Paddling – bei dem man sich, auf einer Art Surfbrett stehend, mit dem Ruder voranschiebt – ins Wasser fällt. Allerdings sollte er sich beim nächsten Mal besser aufs Brett stellen statt auf das Paddel.

Andere Talente bescheinigt in Bunte Model Eva Herzigova den Männern: „Sie küssen besser als Frauen!“ Um den Vergleich ziehen zu können, hat Herzigova entweder auch viele Frauen geküsst – oder sie nimmt sich selbst als Maßstab und küsst miserabel.

Das Mann-Frau-Thema treibt auch Cro um, die Bärenmarke unter den Rappern, der in Bunte aber erst mal philosophisch wird: „Meine Songs überleben mich. Wenn’s gut läuft, sind die noch in ein paar tausend Jahren da.“ Und unsere Seele „bleibt so lange auf der Erde, wie Menschen über dich reden. Aber wenn Hildegard aus Buxtehude stirbt, die niemand kannte und die am Ende nur ihr Huhn hatte, dann treibt ihre Seele einfach nur hoch und ist weg.“ Hildegard? Huhn? Buxtehude? Kann es sein, dass mitunter auch das Hirn einfach hochtreibt?

Dann jedenfalls beichtet Cro noch: „Wenn ich ehrlich bin: Ich hab über Frauen gar nichts gelernt! Jede ist wieder wie ein neues Fass, das du aufmachst.“ Hm, auch wir sind weit davon entfernt zu behaupten, Frauen wirklich zu verstehen, aber eines wissen wir doch sicher: Nur ganz wenige unter ihnen mögen gern als Fass bezeichnet werden.

Quelle: F.A.S.
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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