Herzblatt-Geschichten

Verwöhnte Kröten in der First Class

Von Jörg Thomann
 - 12:37
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Heidi Klum und ihr Freund Vito Schnabel haben sich nun also getrennt. Und auch für die Klatschpresse heißt es damit Abschied nehmen. Abschied zum Beispiel von den ewigen Namenswitzen (Bild: „Es hat sich ausgeschnäbelt“), Abschied von den aufgeregten Berichten über junge Damen an Vitos Seite, die der Kunsthändler womöglich nur über Meilensteine des Pointillismus aufgeklärt hat. Und zu guter Letzt auch Abschied von all den doofen Sprüchen darüber, dass Heidi (44) für Vito (31) ja viel zu alt sei und er für sie zu jung. „Ich glaube, es ist wichtig, sich Zeit für eine Pause zu nehmen und zu reflektieren“, hat Klum dem People-Magazin gesagt. Sicher will sie abwarten, bis Vito endlich volljährig ist, hahaha! Ähm.

Noch unklar ist, wie die Nachricht einer vorübergehenden Festnahme Schnabels einzuordnen ist, weil er bei einem Festival mit „Drogen-Pilzen“ erwischt worden sein soll, was Bild meldet und für den nächsten schlechten Namenswitz nutzt: „VIT-Oof ist der denn?“ Die Verhaftung soll schon Anfang September erfolgt sein, so dass die Erklärung, Schnabel habe womöglich die Trennung nicht verkraftet, hier nicht recht greift. Vielleicht hat er es ja auch einfach nicht verkraftet, mit Heidi Klum zusammen zu sein.

Auf jeden Fall hätten sich Klum und Schnabel ein Beispiel nehmen können an Peter Kraus und seiner Frau. „Stolz verrät der sympathische Sänger das Geheimnis seiner 48-jährigen Ehe“, schreibt Das goldene Blatt und zitiert Kraus dann mit dem Satz: „Wir fahren beide gerne Ski und Wasserski.“ Hier sollte die Familienpolitik ansetzen, um die hohe Scheidungsrate im Land zu drücken: kostenlose Wasserski-Kurse für alle.

Doch das meiste im Leben muss man sich nun mal erarbeiten. Diese Lektion erteilt auch Verona Pooth ihren beiden Söhnen: „Meine Kinder fliegen Economy, auch wenn ich Business fliege“, erzählt sie Gala. „Ich mag keine verwöhnten Kröten in der Business- oder First Class, die da sitzen und so viel Platz haben wie ein 1,90 Meter großer Mann.“ Doch hat sie als 1,78 Meter große Frau dann nicht auch zu viel Platz? „Wenn mir der Poolboy ein Handtuch bringt, ist das okay“, fährt sie fort. „Aber meine Kinder müssen sich selbst eins holen.“ Völlig in Ordnung, schließlich hat sie sich ihren Starruhm hart erarbeitet, während die Kinder nichts geleistet haben. Bestimmt müssen sich Pooths Söhne ins Luxuslokal, in dem Mami sich ein Fünf-Gänge-Menü schmecken lässt, ein paar Butterstullen mitnehmen.

Doch halt, ganz so schlimm darben muss der Poothsche Nachwuchs doch nicht: „Klar hat Diego einen Gucci-Gürtel und ziemlich coole Turnschuhe, aber eben alles in Maßen“, sagt sie – was wohl heißen soll, dass der Gucci-Gürtel nicht sehr lang ist. Und dann erzählt Pooth noch eine Anekdote von Diegos sechs Jahre altem Bruder: „Einmal habe ich mich über ihn gebeugt, und da hat er mir in den Ausschnitt geguckt und gemeint: ,Da könnte ich eine Kreditkarte durchziehen.‘“ Unsere Sechsjährige, da sind wir ganz sicher, würde so etwas nie sagen. Allein schon, weil sie nicht weiß, was eine Kreditkarte ist, aber im Hause Pooth ist das natürlich anders.

Dem Großvater auch mit der Visage nacheifern

Doch sie kommen schon immer auf lustige Ideen, die lieben Kleinen. Kim Jong-un etwa, Nordkoreas junger Anführer, will sich jetzt laut Bild „gesichtschirurgischen Eingriffen“ unterziehen: „Er will wie sein Großvater aussehen.“ Lebte Kim im Westen, könnte er auf die OP problemlos verzichten: Mit dem passenden Lebenswandel – wenig Schlaf, viel Alkohol und Zigaretten – kann man hier schon nach wenigen Jahren wie sein eigener Opa aussehen.

Wer übrigens alle Nordkoreaner für eine uniforme Masse hält: Die westlichen Länder sind ganz genauso. Darauf zumindest deuten die Berichte der Klatschhefte hin, in denen vermeintliche Schwangerschaften gekrönter Häupter stets dadurch begrüßt werden, dass „ganz Schweden“ oder „ganz Holland“ jubelt. Diesmal dichtet Das goldene Blatt Kate Zwillinge an und teilt mit: „Deswegen jubeln jetzt die Engländer: ,Kates Kinder-Kleeblatt ist komplett!‘“ Solch ein Stabreim, finden wir, lässt sich extrem schwer jubeln, und es wird nicht einfacher, wenn die Engländer es in ihrer Landessprache tun: „Kate’s kids cloverleaf is complete!“

Eigentümlich auch, wie Gala einen jungen Schauspieler beschreibt: „Jannis Niewöhner wirkt nahbar wie ein Ortsbürgermeister – nur sehr viel heißer.“ Och, all die armen, kalten Ortsbürgermeister! Noch viel nahbarer und auch heißer und damit der viel bessere Vergleich ist freilich der, hihi, Kontaktbereichsbeamte.

Die eine oder andere Dame in seinen Kontaktbereich gelassen hat auch Niewöhners Kollege Sascha Hehn, den im gesetzteren Alter indes andere Dinge umtreiben. Dem Neuen Blatt sagt er, „die momentane Situation der Welt macht mir Sorgen. Gebt mir ein Feuerschwert, um für den Frieden zu kämpfen!“ Gute Idee: für eine friedliche, komplett abgebrannte Welt.

Pazifistisch zeigt sich mit Kostja Ullmann ein weiterer Schauspieler, als ihn Bunte nach drei Wünschen fragt: „Weltfrieden, dass Donald Trump abgesägt wird – und dass der HSV in den nächsten fünf Jahren deutscher Meister wird.“ Worauf Bunte entgegnet: „Sie haben recht bodenständige Träume.“ Was bei Bunte halt so als bodenständig durchgeht. Wir hingegen finden zumindest die Sache mit der HSV-Meisterschaft komplett utopisch.

Quelle: F.A.S.
Jörg Thomann - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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