Nach Skandal-Pressekonferenz

Jimmy Kimmel will Trump als König von Amerika

 - 10:38

Donald Trumps umstrittene Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville hat unter amerikanischen Prominenten viel Empörung hervorgerufen. Talkmaster Jimmy Kimmel (49) würde dem Präsidenten am liebsten jegliche politische Macht entziehen – und weiß auch wie: „Wir machen Donald Trump zum König statt zum Präsidenten“, sagte der Comedian am Dienstagabend in seiner Show. „Ich denke, das könnte alle unsere Probleme lösen.“

„England hat eine Königin. Jeder macht eine große Sache draus, wenn sie irgendwo erscheint, aber sie hat keinerlei Macht“, sagte Kimmel. „Morgens setzt man ihr eine Krone auf den Kopf und dann steht sie da und winkt und abends legt sie sich zurück in ihr Bett.“ Die Queen könne tun und lassen, was sie wolle, ohne dass es politische Auswirkungen habe, erklärte der Talkmaster. „Das ist es, was wir mit Donald Trump tun müssen: Wir bringen ihn zu einem Schloss, vielleicht in Florida, führen ihn ganz nach oben und verschließen dann die Tür.“ Vizepräsident Mike Pence sei ohnehin viel geeigneter für das Amt des Staatsoberhaupts, weil er „einigermaßen zurechnungsfähig“ sei.

Am Samstag war bei rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville (Virginia) eine 32 Jahre alte Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden. 19 Menschen wurden verletzt. Der Fahrer hatte anscheinend vorsätzlich gehandelt. Vorher war es zu Zusammenstößen gekommen. Trump hatte auf einer Pressekonferenz am Dienstag seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt vehement verteidigt und abermals beiden Seiten die Schuld gegeben.

Popstar Lady Gaga erstellte dazu auf Twitter eine Umfrage: „Macht ihn das zum Unterstützer von Rassisten?“ Mehr als 165.000 Nutzer stimmten bis Mittwochmorgen ab, 64 Prozent antworteten mit „Ja“. Sängerin Barbra Streisand schrieb, dass es abstoßend sei, Neonazis mit Menschen zu vergleichen, die die Bürgerrechte verteidigten. Das Anne Frank Zentrum twitterte, Trump habe in dieser Pressekonferenz sein wahres Gesicht gezeigt: „Heute war er er selbst.“ Schauspielerin Elizabeth Banks schrieb, dass das Schicksal Amerikas nicht in der Hand des „rassistischen und durchgedrehten“ Präsidenten liege, sondern in denen der 300 Republikaner im Kongress, die ihn des Amtes entheben müssten.

„Trump hat Hass wieder in Mode gebracht“

Auch Basketball-Superstar LeBron James kritisierte Trump scharf. „Hass hat es immer in Amerika gegeben. Ja, wir wissen das, aber Donald Trump hat ihn wieder in Mode gebracht“, schrieb der 32-Jährige von den Cleveland Cabvaliers. Am Dienstagabend (Ortszeit) sprach der dreimalige NBA-Champion bei einer Veranstaltung in Sandusky in Ohio noch einmal über die Vorfälle am Wochenende in Charlottesville. „Der einzige Weg für uns, eine bessere Gesellschaft und bessere Menschen zu werden, ist Liebe“, sagte James in seiner Ansprache, bei der er seine jüngste Tochte Zhuri auf dem Arm hielt.

Es gehe nicht „um den Typen, der der sogenannte Präsident der Vereinigten Staaten ist, oder was auch immer“, sagte er weiter. „Es geht nicht um den Lehrer, von dem du glaubst, es ist ihm egal, wie es dir jeden Tag geht. Es geht nicht um die Leute, bei denen du das Gefühl hast, dass sie sich wirklich um dich bemühen und für dich anstrengen.“ Es gehe nur darum, „dass wir uns alle selbst in den Spiegel sehen und sagen: „Was können wir besser machen, um Dinge zu verändern?’ Und wenn wir das alle tun können und 110 Prozent geben. Das ist alles, was man sich wünschen kann.“

Amerika
Trump betont Schuld beider Seiten für Gewalt in Virginia
© AFP, reuters
Quelle: sede./dpa
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