Polnische Justiz

Auslieferung von Polanski endgültig abgelehnt

 - 12:14

Die polnische Justiz hat eine Auslieferung des Regisseurs Roman Polanski an die Vereinigten Staaten endgültig abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft in Krakau teilte am Freitag mit, sie habe auf eine Berufung gegen das Urteil vom 30. Oktober verzichtet. Zuvor wurde ein Auslieferungsantrag in der südpolnischen Stadt von einem Gericht abgelehnt. Die amerikanische Justiz wirft dem inzwischen 82 Jahre alten Regisseur vor, 1977 in Kalifornien die damals 13 Jahre alte Samantha Geimer vergewaltigt zu haben.

Polanski bekannte sich damals wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und saß dafür zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam. Vor der Urteilsverkündung floh der Filmemacher nach Europa und kehrte seitdem nicht mehr in die Vereinigten Staaten zurück, weil er fürchtete, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Anklage höher als vereinbart ausfallen würde. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Krakau ziehe einen Schlussstrich unter die Justizverfahren gegen den polnisch-französischen Regisseur, sagte Polanskis Verteidiger Jerzy Stachowitz.

Der Krakauer Richter Dariusz Mazur hatte bei seiner Urteilsbegründung Ende Oktober gesagt, Amerika hätte mit dem damaligen Verfahren „die Regeln eines fairen Prozesses ernstlich gebrochen“. Mit einer Auslieferung Polanskis hätte Polen nach seinen Worten die „Rechte von Herrn Polanski und gleichzeitig die Europäische Menschenrechtskonvention“ verletzt. Polanskis Verteidiger hatten das Auslieferungsgesuch mit dem Argument zurückgewiesen, dass es ja bereits einen Deal mit der Staatsanwaltschaft gegeben habe, dem auch die Anwälte des Opfers zugestimmt hätten. Nach dieser Vereinbarung hat Polanski seine Strafe bereits verbüßt.

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Polanskis Opfer Geimer setzt sich seit langem für eine Einstellung des Verfahrens in Amerika ein. In ihren vor zwei Jahren veröffentlichten Memoiren schilderte sie die Vergewaltigung – gleichzeitig aber betonte sie, dass sie dem Regisseur verziehen habe und erhob schwere Vorwürfe gegen die damalige Staatsanwaltschaft.

Quelle: AFP
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